Seltener Fund bei Ausgrabung in Straßengraben

Das in Herscheid gefundene seltene Fossil eines Dreilapperkrebses hat eine Höhe von 10 Millimetern
Das in Herscheid gefundene seltene Fossil eines Dreilapperkrebses hat eine Höhe von 10 Millimetern
Foto: LWL/Klaas

Herscheid.. Forscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben einen seltenen Trilobiten, einen sogenannten Dreilapperkrebs, an einer Straßenböschung im Ebbegebirge bei Herscheid im Märkischen Kreis ausgegraben.

So ein Fund ist nach Angaben des Wissenschaftlers Dr. Lothar Schöllmann vom LWL-Museum für Naturkunde in Münster sehr selten: „Im Ebbegebirge treten die ältesten Schichten Westfalens zutage. Während der Ausgrabung konnten fünf Exemplare dieser Gliederfüßer geborgen werden. Darunter befand sich das Exemplar eines ‘Selenopeltis‘. Bislang wurde nur ein isoliertes Schwanzschild 1990 in der Gegend geborgen.“ Grabungsleiter Schöllmann schätzt das Alter des Fossils auf 465 Millionen Jahre, der Zeit des unteren Llanvirn.

Dabei scheint der Fund recht unscheinbar, beträgt doch die maximale Länge der dunkelgrauen Versteinerung lediglich einen Zentimeter. „Möglicherweise fehlt das Pygidium, das Schwanzschild“, sagt Schöllmann. Das ist aber erst später festzustellen, da das Stück zur Zeit noch nicht präpariert ist. Sollte das Schwanzschild erhalten sein oder das bereits gefundene Pygidium zum neuen Fund passen, wäre der Neufund das einzige fast vollständige Exemplar dieser Art weltweit.

Versteinerung nur
ein Zentimeter lang

Den Namen Trilobiten verdanken die „Dreilapperkrebse“ ihrer ausgeprägten Dreigliederung des Körpers in einen vorderen Kopfschild, einen mittleren, segmentierten Rumpfabschnitt und einen hinteren Schwanzschild. Eine deutliche Dreigliederung ist auch in die Querrichtung vorhanden: durch eine Mittelachse und beidseitig davon abgegliederte Seitenteile.

Systematisch gehören die Trilobiten mit den Krebsen und Insekten zu den Gliederfüßern (Arthropoden). Entgegen ihres deutschen Namens sind diese Tiere jedoch nicht mit den Krebsen verwandt.

In der vierwöchigen Grabung im Herbst bargen die Forscher als weitere Funde Algen, ausgestorbene, polypenähnliche marine Tiere, die zu den frühesten Stammformen der Wirbeltiere gehören und „Tomaculum problematikum“, ein mit Kotpillen gefüllter Gang.

Die Grabungsstelle lag vor 465 Mio. Jahren auf dem Kleinkontinent Avalonia, zu dem die Kerne von Norddeutschland, Belgien, Zentralengland, Zentralirland Neufundland, und Nova Scotia gehörten. Avalonia lag auf der Südhalbkugel, etwa auf der geographischen Breite von Süd-Feuerland. Im frühen Ordovizium trennte sich Avalonia vom Südkontinent Gondwana, der aus Afrika, Südamerika, Antarktis, Indien, Nord- und Südchina bestand, um im Unter-Devon dann mit Laurussia, welches aus Nordamerika, Grönland, Skandinavien, Baltikum bestand, zu kollidieren.

 
 

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