Sechs Jahrzehnte im Karmel

Lembeck.. Das Land lag in Trümmern des 2. Weltkrieges, als eine 17-Jährige an die Pforte des Kölner Karmel-Klosters klopfte. Am Sonntag feiert Sr. Lucia im Lembecker Konvent den 60. Jahrestag ihrer Profess. Die Messe beginnt um 11 Uhr in der St. Michael-Kapelle, anschließend feiert die 79jährige Ordensfrau mit ihren 14 Mitschwestern und ihrer Familie.

Wer nach Beweisen dafür sucht, dass es eine Berufung gibt für ein Leben im Kloster, muss die Schwester mit den leuchtenden Augen und dem verschmitzten Lächeln treffen. „Dass ich ins Kloster wollte, das wusste ich schon mit 12 Jahren“, erinnert sie sich. Die „Schwestern der christlichen Liebe“, bei denen sie in Minden zur Schule ging, erzählten ihr von Maria vom Berge Karmel. Ein Schlüsselerlebnis für die kleine Angelika Pawelcik, ältestes von 7 Kindern eines Bergmanns aus der Nähe von Posen. Dort wurde sie geboren, ehe der Vater in Minden Arbeit fand.

Gerade 15 war sie, als der Vater 1947 nach einem Unfall auf dem Bergwerk Friedrich der Große in Herne starb. Ob er gegen ihren Klostereintritt war, das ist eine Frage, die sie bis heute beschäftigt. Die Mutter, die ihre Entscheidung mittrug, brachte sie zum Kölner Karmel, den sie mit Hilfe eines Mindener Pfarrers ausfindig gemacht hatte. „Der Abschied war der schwerste Moment in meinem ganzen Klosterleben“, erinnert sie sich.

So ärmlich wie die Verhältnisse in ihrer Familie waren die im stark beschädigten Kloster. „Die Schwestern waren bettelarm“, beschreibt Sr. Theresa Benedicta, Priorin des Lembecker Konvents, die Lage in den zwei Jahrzehnten nach Kriegsende. Bei Null begann der Wiederaufbau auch für die Karmelitinnen, deren Klöster die Nationalsozialisten aufgelöst hatten. Kurz nur blieb sie in Köln, wechselte dann nach Bonn-Pützchen, eine Gründung des Kölner Karmel. Dort blieb sie fast 50 Jahre bis zum Umzug nach Lembeck.

Ein bescheidenes Leben in Klausur, bestritten mit den kargen Einkünften aus Paramenten-Stickerei und Textilwerkstatt: Erst die Hostienbäckerei verschaffte dem Kloster Ende der 1960er Jahre eine bessere wirtschaftliche Lage. Als Pfortenschwester hielt Sr. Lucia in den ersten Jahren den Kontakt zur Außenwelt, empfing Besucher, kaufte ein. Als Privileg, betont sie, habe sie das nicht empfunden. „Ich wollte das gar nicht.“ Zu ihrem Beinamen „Die kleine Schwester“ kam sie wegen ihrer Statur. Franz Luthe zählte zu den Freunden des Konvents – regelmäßig verbrachte der Ruhrbischof Urlaubstage im Karmel Pützchen.

Mehr als die Aufgabe an der Pforte lag ihr später die Arbeit in der Küche, im großen Gemüsegarten des Karmel. Gutes Essen („Am liebsten gewürzt mit Kräutern“) schätzt Sr. Lucia, die Enten und Hühner hat sie zwar mit Hingabe gehätschelt, aber nie verzehrt: „Die haben wir verschenkt.“ Von einem ausgeprägten Basteltalent berichtet ihre Priorin: „Sie kann aus nichts viel machen.“ Die Anfänge der kunstvoll verzierten Kerzen, die der Lembecker Karmel im Angebot hat, resultieren aus den „Fummeleien“, wie Sr. Lucia ihr Handwerksgeschick nennt.

Mit dem Umzug nach Lembeck konnte sie sich schwer anfreunden, doch der Karmel war 1998 gezwungen, sich kleiner zu setzen. Der Anblick der Kapelle mit der Figur des Hl. Michael habe geholfen, erinnert sie sich: „Hier stehen wir unter dem Schutz der Engel.“ Längst, sagt sie, ist der Wechsel vom rheinischen ins westfälische verdaut, Lembeck zur Heimat geworden. „Wir haben auch einige Mitschwestern aus der Gegend.“

Nach einer Schulter-Operation ist die Leistungsfähigkeit nicht mehr die alte, ihr Lebensmut aber ungebrochen. „Ich werde ja erst 80 im Sommer“, sagt sie mit Blick auf zwei ältere Mitschwestern. „Außerdem bleibt die Seele jung.“ Als wolle sie’s beweisen, gibt’s auf die Frage nach dem Grund für die Wahl ihres Ordensnamens Lucia nur ein verschmitztes Lächeln. „Ich habe auch meine Geheimnisse.“ Eben. Muss ja auch nicht alles in der Zeitung stehen.

 
 

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