Schwuler Schützenkönig steht unter Beschuss

Dirk Winter darf möglicherweise nicht an einem Bundesschützenfest in Ostwestfalen teilnehmen. (Foto: Torben Weinem)
Dirk Winter darf möglicherweise nicht an einem Bundesschützenfest in Ostwestfalen teilnehmen. (Foto: Torben Weinem)
Der schwule Schützenkönig Dirk Winter (44) aus Münster könnte vom Bundesschützenfest in Ostwestfalen ausgeschlossen werden. Der Dachverband der Schützen werde „zeitgerecht prüfen“, ob seine Homosexualität eine Teilnahme erlaube. Die Landesregierung spricht von einem „Akt öffentlicher Diskriminierung“, Schwulen- und Lesbenverbände sind empört.

Münster. Hintergrund: Winter hatte bereits vor einem Bezirksmeisterschießen am Wochenende als Startvoraussetzung schriftlich erklärt, dass er sich christlichen Werten und Leitsätzen verpflichtet fühle. So weit, so gut. Doch nun soll geklärt werden, ob seine offen gelebte Homosexualität mit dieser Erklärung in Einklang zu bringen sei, so der Schützen-Dachverband „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“ (BHDS).

Mit anderen Worten: Da die Erklärung auch für nachfolgende Wettbewerbe gültig ist, geht es um ein mögliches Startverbot für Dirk Winter beim Bundesschützenfest im ostwestfälischen Harsewinkel Mitte September. Auch wenn der Dachverband das so direkt nie formulieren würde. Außerdem sei eine Entscheidung überhaupt noch nicht gefallen, erklärte BHDS-Sprecher Rolf Nieborg.

Die Veranstalter des 59. Bundesschützenfests im beschaulichen Harsewinkel bei Gütersloh ergriffen auf einer Vereins-Homepage bereits Partei – für Dirk Winter: „Als Bruderschaft stehen wir zu unserem Leitsatz ‘Glaube, Sitte, Heimat’. Dies beinhaltet nach unserer Auffassung auch, dem anderen Halt, Schutz und Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft zu geben.“

Zuvor hatte der Schützen-Dachverband BHDS Winter untersagt, beim Festumzug an der Seite seines Lebensgefährten Oliver Hermesdorf zu marschieren. Es spreche nichts gegen die Mitgliedschaft homosexueller Personen in den Schützenbruderschaften, erklärte der BHDS gemeinsam mit dem Bundespräses der Schützen, dem Kölner Weihbischof Heiner Koch. Das Sakrament der Ehe habe jedoch „für uns als katholische Gemeinschaft“ eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft, hieß es weiter.

Vergleich mit Kaninchenzüchtern

Winter, sein Lebensgefährte sowie der gastgebende Schützenverein ignorierten die geäußerten Bedenken. Winter und Hermesdorf marschierten am Sonntag beim Bezirksmeisterschießen im münsterländischen Horstmar nun auf gleicher Höhe und nicht hintereinander.

Am gleichen Tag sicherte sich Winter die sogenannte Bezirksmeisterwürde und qualifizierte sich damit für das bereits erwähnte Bundesschützenfest. Und sollte Winter weiterhin so treffsicher sein, wäre er der erste schwule Bundesschützenkönig. Das wird dem traditionsbewussten Schützen-Dachverband offenbar zu bunt: „Er hat sein Vereinsrecht genutzt und einen Vogel abgeschossen. Nun muss er auch den mit Vereinsstatuten verbundenen Pflichten nachkommen“, sagte Ralf Heinrichs, BHDS-Bundesgeschäftsführer, im Gespräch mit DerWesten. Winter habe gewusst, dass er Mitglied in einem katholischen Verein sei und dieser bestimmten Prinzipien folge. „Es tritt doch auch niemand einem Kaninchenzuchtverein bei, um dort dann Handball zu spielen", versucht Heinrichs einen Vergleich zu ziehen.

Winter wollte nicht provozieren

Winter indes stellte klar, dass er niemanden provozieren wolle. „Die Leute denken vielleicht: Da ist ein schwuler Schützenkönig, der will jetzt unbedingt ins Rampenlicht kommen. Das wollte ich gar nicht“, sagte er dem WDR. „Ich wollte nur, dass ich mit meinem Freund gemeinsam marschiere. Wir sind seit 15 Jahren ein Paar, dann wollen wir natürlich auch etwas gemeinsam machen.

Derweil hat sich die Landesregierung in die Diskussion eingeschaltet. Es handele sich um eine „Diskriminierung“, die zeige, dass „Schwule und Lesben nicht sichtbar sein sollen, obwohl sie da sind“, kritisierte die Staatssekretärin im NRW-Emanzipationsministerium, Marlis Bredehorst, im WDR. Gegenüber anderen Medien sprach Bredehorst von einem „Akt offener Diskriminierung“. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sieht in der Diskussion „ein Musterbeispiel von Scheinheiligkeit und Realitätsverleugnung“ und eine „unredliche Intervention der katholischen Kirche“.

 
 

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