Schon mehr tote Motorradfahrer als im Jahr 2010

Stephanie Tatenhorst
Landesweit starben im ersten Halbjahr schon 69 Motorradfahrer nach Unfällen. Foto: Sven Karsten/ddp
Landesweit starben im ersten Halbjahr schon 69 Motorradfahrer nach Unfällen. Foto: Sven Karsten/ddp
Foto: ddp/Sven Karsten

Süwestfalen. Das Gefühl von Freiheit, das Loslassen können, das Rauskommen aus dem Alltag – all das macht Motorradfahren für viele so spannend. Oft ist es jedoch die letzte Tour, zu der Biker aufbrechen. Landesweit starben im ersten Halbjahr 69 Motorradfahrer auf den Straßen – das sind mehr, als im gesamten Jahr 2010.

Auch in Lüdenscheid stiegen die aktuellen Zahlen im Vergleich zu denen aus dem ersten Halbjahr 2010. 23 Unfälle zählte die Lüdenscheider Polizei in den vergangenen sechs Monaten, zwei davon endeten tödlich. Im Vorjahr waren es 19 Unfälle gewesen, Tote hatte es nicht gegeben.

Die Zahl der schwer verletzten Unfallopfer war von einem im ersten Halbjahr 2010 auf zwei in diesem Jahr gestiegen, und auch die Zahl der leicht Verletzten hatte sich von vier auf acht verdoppelt. „Man kann also sagen, dass es im Jahr 2010 fünf Verletzte und in diesem Jahr zehn Verletzte und zwei Tote gegeben hat“, erklärte Norbert Pusch, Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis. „Man sollte das aber nicht in Prozentzahlen fassen. Jeder Getötete ist einfach immer einer zu viel.“

Auch Wiedereinsteiger v erunglücken

Sorge bereitet allen Kennern der Szene, dass es nicht junge Leute sind, die verunglücken, sondern dass es Wiedereinsteiger zwischen 40 und 55 Jahren sind. „Wer bis zum 1. April 1980 den Führerschein gemacht hat, darf automatisch eine Maschine bis zu 125 Kubikzentimeter fahren, ohne jemals auf einem Zweirad gesessen zu haben“, weiß Friedel Thiele, Bezirksleiter im Fahrlehrer-Verband Westfalen. „Wir appellieren an alle, die auf ein Krad steigen wollen, die Fahrschule aufzusuchen und ein paar Stunden zu nehmen. Das ist mit Sicherheit gut angelegtes Geld“, sagt Thiele.

Doch das große Problem sei die Uneinsichtigkeit. Das bestätigt auch Natalie Solbach-Schmidt vom ADAC-Verkehrssicherheitszentrum Olpe. „Die wenigsten geben am Anfang zu, unsicher zu sein.“ Dabei habe sich in den letzten 20 Jahren so viel an den Motorrädern verändert, dass nicht nur das Bremsverhalten ganz anders sei. Doch die Zahl derer, die ein Training absolvieren, sei seit 2008 rückläufig.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Oft sind Motorradfahrer zur falschen Zeit am falschen Ort. Auch bei den Lüdenscheider Unglücken trugen in vielen Fällen die Autofahrer die Schuld, weil sie die Geschwindigkeit der Motorräder unterschätzten oder den Blinker nicht setzten. Doch wer sein Motorrad richtig kenne und richtiges Verhalten trainiert habe, könne im Ernstfall schneller und besser reagieren, sagt Solbach-Schmidt.

Deshalb werden beim Fahrsicherheitstraining, das nicht nur der ADAC regelmäßig anbietet, ruckartiges Ausweichen und das Bremsen auf nassem Grund ebenso trainiert wie das richtige Sitzen, damit man eben nicht über den Lenker geht. Auch entsprechende Schutzkleidung sei wichtig: „Das geht vom Nierengurt über richtige Stiefel bis zum Helm, der auf dem neuesten Stand sein muss“, weiß Natalie Solbach-Schmidt.