Schneider dankt türkischen Zuwanderern in NRW

Tag der Integration in Gelsenkirchen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Tag der Integration in Gelsenkirchen. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
50 Jahre Abwerbeabkommen mit der Türkei: NRW-Integrationsminister Guntram Schneider hob bei einem Festakt auf Zeche Zollverein die Leistung der ehemaligen Gastarbeiter hervor. Er forderte mehr Chancengleichheit für Migranten in der Gesellschaft.

Essen. NRW-Integrationsminister Guntram Schneider würdigte während einer Feierstunde zum 50-jährigen Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei die Leistung der ehemaligen Gastarbeiter. „Es ist auch das Verdienst der türkischen Zuwanderer“, so Schneider auf Zeche Zollverein, „dass NRW ein so starkes und soziales Land ist“.

Der Minister bedankte sich bei den 850 000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund im Land für ihre „wirtschaftliche und soziale Leistung“. Dann entschuldigte er sich für das, „was in den vergangenen Monaten an vermeintlichen integrationspolitischen Diskussionen stattgefunden hat“. Dies sei „in unsäglicher Weise“ geschehen und „für alle Beteiligten unwürdig - ob mit oder ohne Migrationshintergrund“.

Den Ort der Veranstaltung, zu der das Zentrum für Türkeistudien und die Bundeszentrale für politische Bildung eingeladen hatten, hob Guntram Schneider in besonderer Weise hervor als Symbol für das Industriezeitalter, weil „Integration ganz entscheidend mit Arbeit zusammenhängt“. Integration sei nicht nur eine kulturelle Angelegenheit, so Schneider, sondern vor allem eine soziale. „Arbeit ist nicht nur Broterwerb. Ohne Arbeit gibt es keine gesellschaftliche Teilhabe.“

Schneider für Beitritt der Türkei zur EU

Von tatsächlicher Chancengleichheit sei man jedoch noch weit entfernt. Schneider sprach sich unter dem Applaus der Anwesenden für das kommunale Wahlrecht für Migranten und die doppelte Staatsbürgerschaft aus. Auch ein Beitritt der Türkei zur EU sei notwendig, so Schneider, der an die vielen Menschen erinnerte, die zur Zeit des Nationalsozialismus in der Türkei Unterschlupf fanden.

Auch Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin, befürwortete in ihrer Rede auf Zeche Zollverein die Einführung des kommunalen Wahlrechts als gesetzliche Rahmenbedingung, um Teilhabe zu ermöglichen. Dass Deutschland kein Einwanderungsland ist, sei „Blödsinn“, so Süssmuth. Doch auch ein Integrationsplan sei nur ein Rahmen, der von den Menschen, die miteinander leben, ausgefüllt werden müsste. „Integration heißt wechselseitiges Lernen.“

Süssmuth: „Integration heißt wechselseitiges Lernen“

Sie selbst habe viel gelernt von Türkeistämmigen, „Gastfreundschaft, aber auch unternehmerisches Denken“. Nirgendwo auf der Welt verlaufe das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen ohne Konflikte, so Süssmuth. Dabei gehe es darum, „als Menschen zusammenzuleben“. Ihr Appell: „Achten wir darauf, keine Kultur herabzusetzen; vor allem nicht, wenn wir sie nicht kennen.“

Um Fragen der fünfzig Jahre währenden türkischen Einwanderung ging es im Anschluss in drei Arbeitsgruppen. Dort tauschten Wissenschaftler, Journalisten und Vertreter von Organisationen sich über Migration, Integration und Teilhabe aus. Begleitet wurde die ganztägige Veranstaltung unter der Fragestellung „Deutsche Türken - Türkische Deutsche?“ von musikalischen Beiträgen wie dem des Pianisten und Komponisten Betin Günes, Talkgästen aus TV und Kino, Kabarett und Foto-Ausstellungen zu deutsch-türkischer Literatur und Lebenswirklichkeiten aus 50 Jahren Einwanderung.

 
 

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