Schnee und die Schuld der Städte – von F. Preuß

Frank Preuß

Der Schnee schafft Städte. Nicht alle, aber einige. Und die sind weiß Gott nicht unschuldig am Dilemma. Manche, so scheint es, kapitulieren, und das ist eine Frechheit.

Wenn sich der zehnte Lastwagen in der schneebedeckten Straße festfährt und den Verkehr blockiert, stellt sich die Frage: Fällt das niemandem mehr auf – ist es den Verantwortlichen am Ende egal? Warum sind Anhöhen, die den Namen kaum verdienen, auch nach Tagen noch so glatt, dass die Reifen durchdrehen?

In Essen sind Hauptstraßen in üblerem Zustand als anderenorts Nebenstraßen. Seit Tagen. Wer von der Autobahn in die Stadt kommt, gewinnt den Eindruck, hier passiere so gut wie nichts. Aus dem Vorjahr nichts gelernt? Kaum zu fassen. Im Gegenteil: Essen empfiehlt seinen Einwohnern, den Müll doch bitte selbst wegzubringen, weil man nicht mehr in jede Straße gelangt. Unverfroren.

Die miserable Kassenlage entschuldigt nicht alles. Dass Straßen ordentlich befahrbar sind, gehört zur Grundversorgung. Die Essener haben mehr verdient als den abgehangenen Spruch, dass die A 52 Richtung Düsseldorf das beste an ihrer Stadt sei.

Vielleicht hoffen sie im Rathaus einfach auf besseres Wetter, schließlich taut es ja schon. Aber der Winter ist noch lang. Laut Kalender hat er gerade erst begonnen.