Schlafmittel sind nicht ungefährlich

Die Deutschen greifen schnell zu Einschlafhilfen aus dem Arzneischrank. Dabei kann das sogar zu Schlafproblemen führen. (Bild: Imago)
Die Deutschen greifen schnell zu Einschlafhilfen aus dem Arzneischrank. Dabei kann das sogar zu Schlafproblemen führen. (Bild: Imago)
Foto: imago stock&people

Düsseldorf. Schlafmittel – für Millionen Deutsche die vermeintlich schnelle Einschlafhilfe. Doch Experten bemängeln: Zu unkritisch würde zu solchen Mittel gegriffen und zu lax sei der Umgang mit ihnen.

Dem Meinungsforschungsinstitut Allensbach zufolge nehmen etwa neun Prozent der Menschen, die nachts nicht in den Schlaf finden können, Schlafmittel. Der Kardiologe Prof. Dietrich Baumgart warnt jedoch vor dem unvorsichtigen Einnehmen dieser Präparate: „Schlafmittel können, so nötig, kurzfristig helfen. Sie sollten aber nicht länger als vier Wochen eingenommen werden.”

Nicht wahllos zu einem Medikament greifen

Wer einmal schlecht schläft, leidet noch nicht unter Schlafstörungen. Erst wer sich vier Wochen lang die Nächte um die Ohren haut, ist gefährdet. „Dann sollte man einen Arzt aufsuchen und auf keinen Fall wahllos zu irgendeinem Medikament greifen”, rät Baumgart. Denn Schlafmittel greifen in das zentrale Nervensystem ein. „Das sind Medikamente, die die Psyche verändern und sogar zu Depressionen führen können.” Schlafmittel belasteten außerdem die Leber und können blutdrucksenkend wirken. „Besonders Menschen mit Kreislaufproblemen sollten vorsichtig sein“, so Baumgart. Denn Blutdrucksenker können die Wirkung des Schlafmittels verstärken.

Arzneien können den Schlafrhythmus ändern

„Auch rezeptfreie Schlafmittel mit den Wirkstoffen Diphenhydramin, Dimenhydrinat oder Doxylamin sollten, wenn überhaupt, so kurz wie möglich eingenommen werden,“ betont Professor Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Denn diese Antihistaminika veränderten den Schlafrhythmus und machen den Schlaf weniger erholsam. Würden solche Mittel nach längerer Einnahme abgesetzt, sollte die Dosis schrittweise reduziert werden. Schulz: „Rezeptfrei heißt nicht harmlos!”

Internist Dietrich Baumgart empfiehlt bei Schlafstörungen, die eigene Lebenssituation zu hinterfragen. Gibt es Stress im Job, in der Familie? Was macht mir sonst Kummer? Dazu müssten Betroffene ihr Verhalten kritisch beleuchten.

Wein hilft nicht beim Schlaf

„Wer abends eine Flasche Wein trinkt und darauf noch ein Schlafmittel nimmt, tut sich nichts Gutes. Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, lässt einen aber nicht durchschlafen.” „Wenn nötig”, empfiehlt Baumgart die Einnahme von Baldrian oder Johanniskraut. „Das kann helfen, mal runter zu kommen.” Aber auch diese Mittel sollten mit einem Arzt besprochen werden. „Johanniskraut etwa kann die Wirkung der Antibabypille beeinflussen!”

 
 

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