Das ist mir zu hoch

Skilaufen? Warum? Eine Tätigkeit, bei der es fast immer bergab geht...
Skilaufen? Warum? Eine Tätigkeit, bei der es fast immer bergab geht...
Skiurlaub könnte so schön sein. Wenn da nur nicht diese Berge wären. Und der Schnee. Und die Mützen. Bekenntnisse einer Wintersport-Hasserin.

Anfangs hatte ich mich noch um rationale Argumente bemüht. Als meine Kinder bettelten, wir müssten „unbedingt in Skiurlaub fahren!“. Wieso er überhaupt wieder mit uns reisen wolle, fragte ich meinen fast 19-jährigen Sohn. Der grinste sehr breit und räumte ein, er fände uns nett, aber vor allem sei das „entschieden billiger“. Bei so viel Ehrlichkeit, dachte ich, kann ich den Kindern auch die Wahrheit sagen: Ich meide Schnee. Das liegt an meinem ersten und letzten Skiurlaub im Jahr 1984. Ich war damals 20 Jahre alt und mit dem Westdeutschen Skiverband in Italien. Nicht ahnend, dass da nur Könner mitfuhren. Ich dagegen hatte noch nie auf Skiern gestanden. Deshalb musste ich mich morgens von meiner Clique verabschieden, die sich auf schwarzen Pisten amüsierte. Während ich einen Skikurs mit Fünf- bis Achtjährigen belegte. Bestimmt hätte ich mehr Selbstvertrauen entwickelt, wenn mich nicht dauernd winzige angstfreie Blagen in Schussfahrt überholt hätten. Stattdessen ragte ich wie ein tapsiger Riesenpinguin aus diesem Gewusel und fühlte mich im zarten Alter von 20 greis und ungelenk. Der Eindruck erhärtete sich, als meine Freunde mich zum Abschluss mit auf ihre Lieblingspiste nahmen - damit ich sehen sollte, „wie toll Skifahren sein kann“. Sind Sie mal im Schneepflug, Zentimeter für Zentimeter, eine endlose schwarze Piste runtergeschabt? Mir war nicht klar gewesen, dass geübte Skiläufer auf fast senkrechten Eisbahnen quasi ins Tal stürzen.

Diese Schmach hätte ich vielleicht überwunden. Schlimmer war die Frisur. Vor dem Skiurlaub hatte mir eine übereifrige Friseuse einen (im vorigen Jahrtausend) topaktuellen Stufenschnitt im Stil von Suzi Quattro verpasst. Eine unvorteilhafte Lösung, die sich nur ertragen ließ, wenn die Haare sorgfältig gefönt waren. Beim Skifahren trägt man aber dicke Mützen, die selbst unkomplizierte Frisuren meucheln. Mein Stufenschnitt kletschte nach einem Tag auf der Piste wie eine blonde Badekappe am Gesicht. Damit hatte sich auch das Thema „Après-Ski“ erledigt.

Klar, die unglückliche Melange aus dem falschen Skikurs und einer schlimmen Frisur kann ich nicht dem Skisport anlasten, gestand ich meinen Kindern, die hoffnungsvoll nickten. Doch es kommt erschwerend hinzu, dass Skifahren nahezu ausschließlich in den Bergen stattfindet. Meine Kinder rollten mit den Augen, sie wussten, was folgt: Ich finde Berge zu hoch, sie stehen überall steil im Weg und wenn man endlich wieder unten ist, klemmt man in einem klaustrophobischen Tal, in dem sich alles um karierte Tischdecken und Semmelknödel dreht. Ein weiterer Nachteil der Skigebiete ist die Abwesenheit von Stränden. Ja, wenn es eine Abfahrt gäbe, die am Meer endet... (die Kinder googelten hektisch)... dann bliebe noch das größte Problem dieses Sports: Schnee! Ein überschätzter Aggregatzustand. Unschlüssiges Wasser, das mehr verklumpt als gefriert - und an Fingern und Füßen klebt, bis sie blau anlaufen. „Aber...“, flehte meine Tochter: Das Weiß! Die helle, stille, weite Landschaft! Da gab ich ihr Recht. Eine endlose, unberührte Schneedecke hat was Wunderbares. Und deshalb wollen wir schön die Füße davon lassen.

 
 

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