Schimmernd wie Halbedelsteine

Billa Krüger-Mogk ist Glaskünstlerin und gestaltete  Kirchenfenster Foto Ralph Heeger WAZ FotoPool
Billa Krüger-Mogk ist Glaskünstlerin und gestaltete Kirchenfenster Foto Ralph Heeger WAZ FotoPool
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Altendorf-Ulfkotte. Für die Naturliebhaberin ist „der Bambi“ sicher der stimmige Vergleich: „Wie ein Bambi der Glasmalerei“ – so empfindet Billa Krüger-Mogk die Auszeichnung, mit strahlenden Beispielen ihres eigenen Schaffens dabei zu sein in einer großen Übersichts-Ausstellung der Krefelder Werkkunstschule.

Die großformatigen Exponate – eigentlich Partien zweier 18 Meter hoher Kirchenfenster – hatte die Künstlerin stets vor Augen: eingepasst in die Doppel-Schiebetür zwischen Diele und Wohnraum. Das Eigenheim der Familie Krüger-Mogk wurde in den drei Altendorfer Jahrzehnten der jetzt 72-Jährigen zu einem Gesamtkunstwerk: kleinere Glasfenster vor vielen Fensterflächen, Gemälde an den Wänden und matt wie Halbedelsteine schimmernde Bildornamente aus Emaille auf den Kupferplatten in Tischen und Türen. Schließlich sei Emaille „nichts anderes als Glas in Pulverform“, wie Billa Krüger-Mogk sagt. Und Glas ist ihr Metier.

Ihr erklärtes „Lieblingsfenster“ zählt zu den spätesten und kleinsten kirchlichen Aufträgen der staatlich geprüften Mosaik- und Glasmalerin: Es ist das „Schöpfungs“-Fenster des evangelischen Gemeindezentrums in Altendorf, nur wenige Schritte entfernt von ihrer heimischen Werkstatt. Denn nach wie vor nimmt die Künstlerin gerne Aufträge an: „Ich kann gar nicht sagen, in wie vielen Häusern meine Bilder zu sehen sind.“

Glasmalerei war schon ein Metier der Gymnasiastin, die vis a vis vom Oberhausener Schloss aufwuchs. Ausdrücklich verweist Billa Krüger-Mogk auf den „Kaisergarten“. Natur ist nach wie vor ihre erste Inspirationsquelle: Flugs hat sie Skizzen zur Hand, die meisterlich die Anmut ziehender Kraniche und schwimmender Schwäne einfangen. „Wenn ich hier den Kranich-Schrei höre“, sagt die Künstlerin, zieht es sie nach draußen.

Die Natur-Erzählungen des Vaters und Großvaters, der im ostpreußischen Allenstein als „königlicher Hauptforstmeister“ gedient hatte, faszinierten das Mädchen Billa – bis sie schließlich selbst nach Masuren reisen konnte. Obwohl Billa Krüger-Mogk 1958 zur letzten Schüler-Generation der renommierten Krefelder Werkkunstschule zählte – als junge Frau war sie dort noch in krasser Minderheit. Bekannte ihrer Eltern wollten der Abiturientin noch „hinter meinem Rücken einen Ausbildungsplatz in einer Apotheke besorgen.“ Nichts da.

Billa Krüger-Mogk perfektionierte ihre Kunst sehr zielstrebig. Wie der eine halbe Generation ältere Raesfelder Hermann Kunkler, der Kunst und Handwerk des Schmuckgestalters an der Düsseldorfer Werkkunstschule lernte, betont auch die Dorstenerin: „So eine Ausbildung gibt es heute nicht mehr.“

Glasmalerei – „das bedeutet keine leichte, schnelle Kost“, erklärt die 72-Jährige, bestens vorbereitet auf den Atelierbesuch. Andere mögen Entwürfe an eine berühmte Werkstatt wie die Derix Glasstudios in Taunusstein abliefern – bei ihr blieb der Auftrag in einer Hand. Und die bedeutendste Aufgabe hatte sie bereits mit 24 Jahren übernommen.

Nach der Ausbildung in Krefeld studierte Billa Mogk an der Münchner Akademie Zeichnen und Kunstgeschichte – als sie den Wettbewerb für zwei Fenster der Abtei Königsmünster in Meschede gewann. „Studiere ich weiter – oder sehe ich zu, dass Jubel der Schöpfung fertig wird?“ Für die junge Künstlerin keine Frage. Die Aufgabe war so monumental wie der moderne Kirchenbau auf einer Hügelkuppe des sauerländischen Städtchens: Die Fensterbänder zu beiden Seiten des Portals messen je 1,5 mal 18 Meter. Jedes der 80 Bildfelder besteht aus rund 200 einzeln in Blei gefassten farbigen Gläsern – insgesamt rund 16 000.

„Gespür für Farbe, Raumwirkung und Licht“ nennt Billa Krüger-Mogk als eine unverzichtbare Qualität des Glasmalers – aber Schwindelfreiheit gehört auch dazu. „Aber selbstverständlich!“, beantwortet sie die Frage, ob sie selbst auf den hohen Gerüsten stand. Genauso selbstverständlich kam abends das Hühnchen in den Glas-Brennofen. „Eine sehr strapaziöse und sehr schöne Zeit“.

Benediktiner-Pater Michael von der mit 70 Mönchen großen Mescheder Abtei plus Gymnasium hatte erst in diesem Jahr endlich wieder Kontakt knüpfen können. „Er hatte mich verzweifelt gesucht“, erzählt Billa Krüger-Mogk. Die heutigen Internats-Schüler wollten unbedingt mehr wissen von der Gestalterin des „Jubels der Schöpfung“.

Das Programm ihrer 80 Bildfelder – „jedes Glas von mir bemalt und gebrannt“ – übersetzt die vier Elemente in Fisch- und Vogelschwärme (Wasser und Luft), in Blumenfelder und Sonnenglanz (Erde und Feuer). Drei auffliegende Enten in funkelnder Farbigkeit sind jetzt das Entree zur Krefelder Ausstellung. „Ein freudiger Anblick“, sagt die Künstlerin. In den Pavillon, einen eleganten Bau des großen Mies van der Rohe, fügt sich ihre Glaskunst ebenso harmonisch wie in die trutzige Backsteinkirche Königsmünster – oder in die Schiebetür ihres eigenen Zuhause.

Die unmittelbare Nachkriegs-Generation der älteren Werkkunstschüler präsentiert sich in Krefeld in matteren Farben. „Bunt und farbig ist ein großer Unterschied“, sagt Billa Krüger-Mogk. Im Flur ihres Altendorfer Hauses strahlt die Rekonstruktion eines runden spätromanischen Fensters aus Chartres: Reiter und Wagen.

Das altüberlieferte Motiv verweist auf das schönste Kompliment für die Glaskünstlerin: die St. Michael-Kirche in Hannover wollte der Architekt „für meine Fenster bauen“. Kurz vor dem Umzug der Familie für ein Jahrzehnt nach Frankreich hatte die passionierte Reiterin die 510 kleinen Wabenfenster im Pferdetransporter ausgeliefert. Damals durfte eine Werkstatt die farbigen Fenster einsetzen.

Ansonsten, sagt Billa Krüger-Mogk freundlich-bestimmt, „gebe ich die Ausführung nie aus der Hand“. Von der ersten Skizze nach der Natur bis zur präzisen Arbeit mit Blei, Windeisen und Fensterkitt gehört für sie das meisterliche Handwerk zur Kunst.

 
 

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