Schaurig-schönes Schauspiel

Foto: Diethelm Textoris

Lünen.. „O schaurig ist’s, übers Moor zu gehen.“ Das merkten die Besucher des Cafés vom Steintor am Dienstagabend gleich zu Beginn der Lesung in der Reihe „Mord am Hellweg“.

Unter dem Titel „Murder and Moor“ stellte Stefan Keim ihnen aber nicht das berühmte Gedicht von Annette von Droste-Hülshof vor. Er führte sie in die Welt von Sherlock Holmes und Doktor Watson, die irrten gerade durch die dicken Nebel eines englischen Moores und wurden verfolgt vom schrecklichen „Hund von Baskerville“.

Stefan Keim ist ein Multitalent. Er ist freier Rundfunkjournalist, Autor, Moderator, Regisseur, Musiker, Kabarettist und Schauspieler. Klar, dass er auch bei der Veranstaltung am Dienstag gleich mehrere seiner Talente einbrachte. Er las zwar den Text vom Blatt, doch davon merkten die Zuhörer kaum etwas, weil er ihnen gleichzeitig ein Hörspiel und ein Schauspiel bot.

Ein Hörspiel, weil er sämtliche Personen vom Erzähler über Holmes und Watson bis zum Bösewicht Moriarty mit veränderter Stimme sprach. Und mit dem furchterregenden Bellen des geifernden „Höllenhundes“ konnte er so manchem Zuhörer durchaus einen Schauer über den Rücken jagen. Spannungserhöhend erzeugte er auf der Hammond-Orgel die entsprechenden Geräusche und die passende Hintergrund-Musik. Ein Schauspiel wurde die Darbietung schließlich durch seine Körpersprache.

Bewunderern des berühmten Detektivs und seines Schöpfers Sir Arthur Conan Doyle kam alles Vorgetragene vertraut vor, und doch war alles ganz anders. Stefan Keim hatte nämlich eine Reihe von Sherlock-Holmes-Geschichten zu einer verwoben. Er hatte sich dabei so weit in die Denkweise von Doyle hereinversetzt, dass er einen eigenen Schluss bot, vor dessen Logik der große Meister sicherlich seinen Hut gezogen hätte.

Überhaupt hatte er ein Gespür für den feinen englischen Humor, an den er das Publikum gekonnt heranführte: An das Genie Holmes, der Detektivarbeit auf der Basis von absoluter Denkschärfe verfolgt. Er zeigte auch seine Schwächen, sein Leiden unter der steten Unterforderung seiner Geisteskraft und seine Drogenabhängigkeit, der er sich hingab, indem er das Kokain aus der Flasche genoss. Und da waren der gutmütige Watson, der von seinem Meister immer ein wenig uninformiert gehalten wurde und der arrogante und dümmliche Polizeisergeant, der stets die falschen Schlüsse zog, diese aber trotz besserer Erkenntnis als richtig verteidigte.

Ermöglicht hatte diesen spannenden und gleichzeitig humorvollen Krimiabend der Verein Melange e.V., der die gute alte Kaffeehauskultur hochhält. Im „Café vom Steintor“ führt er alle vier Wochen eine Veranstaltung durch. Geschäftsführer Dr. Thomas Eicher war mit dem Erfolg des Abends mehr als zufrieden: „Es blieb kein Platz frei, das Publikumsecho war überaus positiv.“

 
 

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