Sauerlands richtige Sätze im falschen Moment - von R. Oppers

Rüdiger Oppers
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland bezieht fast ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe Stellung. (Foto: Lars Fröhlich)
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland bezieht fast ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe Stellung. (Foto: Lars Fröhlich)
Die Entschuldigung von Duisburgs OB Adolf Sauerland zur Loveparade-Katastrophe kommt zu spät. Erst fand Sauerland keine Worte, dann wählt er die richtigen Sätze, verpasst aber den richtigen Moment. Ein Kommentar von Rüdiger Oppers.

Fast ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe hat Adolf Sauerland seine Sprachlosigkeit überwunden. Doch seine Entschuldigung kommt zu spät. Erst fand der glücklose Oberbürgermeister keine Worte, jetzt wählte er die richtigen Sätze, aber den falschen Moment.

Sätze des Bedauerns wirken bei Adolf Sauerland erzwungen

Kurz vor der Ausstrahlung großer TV-Dokumentationen über die Hintergründe der Loveparade-Katastrophe und nach Medienberichten über die offensichtliche Mitverantwortung der Stadt Duisburg wirkten die wenigen Sätze des Bedauerns erzwungen. Wahrhaftig wäre diese Reaktion am Tag nach dem Unglück gewesen. Nun erscheint das von viel Tamtam begleitete Bekenntnis zur „moralischen Verantwortung“, das seit einem Jahr viele Duisburger Bürger von ihrem höchsten Repräsentanten erwarten, gestelzt und unaufrichtig. Und mögen die Sätze Adolf Sauerland selbst wie eine Erlösung erscheinen, für die Angehörigen haben sie nach einem Jahr respektlosen Schweigens nur wenig Heilsames.

Würdig war die Medieninszenierung nicht zu nennen. In Duisburg setzt sich die Kette der Peinlichkeiten bei der Aufarbeitung der Tragödie fort. In der Hauptrolle immer der Oberbürgermeister.

Ein Rücktritt des OB ist längst überfällig

Nein, es geht Adolf Sauerland nicht um die Opfer und ihre Angehörigen. Es geht wie immer um ihn selbst und sein Amt. Was hat ihn so lange gehindert, sich bei den Opfern zu entschuldigen? Juristisch nichts. Es muss menschliche Gründe dafür gegeben haben. Beinahe muss man mit diesem Mann Mitleid haben. Was hat ihn so lange gehindert, der Opfer zu gedenken, Trauer und vielleicht auch Scham zu zeigen? Jetzt wird er sich noch nicht einmal bei den Gedenkfeiern eingeladen fühlen. Stattdessen erhält die beispiellose Bürgerbewegung zu seiner Abwahl immer mehr Zulauf.

Ein Rücktritt des Oberbürgermeisters ist überfällig. Kurz nach der Katastrophe wäre dieser Schritt ehrenhaft gewesen und dem „alten“ Adolf Sauerland, dem jovialen, beliebten Bürgerkönig von Duisburg, hat man diese Konsequenz zugetraut. Jetzt ist er zur tragischen Figur geworden, eine Last für eine Stadt, die es ohnehin schwerer hat als viele andere.

Duisburger Loveparade hätte nicht genehmigt werden dürfen

Es ist nun auch zu fragen, wer Sauerland eigentlich darin bestärkt hat, diese Tragödie aussitzen zu können. Diese falschen Freunde haben an der Misere eine große Mitschuld.

Währenddessen kommt die Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung des Unglücks voran. Es wird schon jetzt deutlich, was viele angesichts der eingepferchten Menschen ahnten: Die Duisburger Loveparade hätte niemals genehmigt werden dürfen.