Salon Majda – das andere Friseurstudio

Zeus-Reporter
So sieht ein klassischer Friseursalon aus. In Marokko erlebte Zeus-Reporterin Miriam Rhazi die orientalische Form des Haareschneidens.
So sieht ein klassischer Friseursalon aus. In Marokko erlebte Zeus-Reporterin Miriam Rhazi die orientalische Form des Haareschneidens.
Foto: WR

Velbert. Wie schön ist doch ein Friseurbesuch für eine Frau. Auf was man sich da alles freuen kann! Auf die netten Friseure und Friseurinnen, die einen immer so nett beraten, wenn sie zu fünft um einen stehen und an einem rumzuppeln.

Auf die vielen frisch geputzten großen Spiegel, von denen der Friseursalon so strahlt und in denen man sich von allen Seiten sehen kann. Auf die noblen Haarpflegeprodukte, die man einmal benutzen darf und die man sich selbst nie kaufen würde, weil sie viel zu teuer sind.

Es gibt so viele schöne Sachen beim Friseur, dass es unmöglich ist, alle aufzuzählen. Auf jeden Fall hat jeder ein konkretes Friseursalon-Bild im Kopf. Er ist groß und geräumig, es laufen viele Angestellte herum, in einer Ecke ist ein Zeitungsständer mit angesagten Magazinen und in der anderen sind drei weiße Waschbecken mit Ledersitzen zum Haare waschen. Ein richtig guter Friseurbesuch hat für die weibliche Seite der Menschheit schon etwas von Luxus. Frauen und Friseur, dass sind einfach zwei Fs, die funktionieren. Das berufliche F und das menschliche F. Einfach zwei, die sich gefunden haben. Doch was ist in anderen Ländern? Menschliche Fs gibt es schließlich überall auf der Welt, doch was versteht man in anderen Ländern von dem beruflichen F?

Auf nach Marokko

Die Antwort fand ich in Marokko in der Stadt Larache bei meiner Cousine Majda. Majda ist 30 Jahre alt und seit ich sie kenne, wollte sie Friseurin werden. „Schon als ich ein ganz kleines Mädchen war, wollte ich meinen eigenen Salon eröffnen.“ Heute ist sie ein großes Mädchen und hat es geschafft, ihren eigenen Salon zu eröffnen. Doch unter Salon versteht man hier etwas anderes.

Ich möchte mir selber ein Bild davon machen und mache mir einen Termin im Salon Majda. Als ich zu Majda kommen möchte, um mir die Haare machen zu lassen, ist die Tür abgeschlossen. Ich wundere mich, da ich einen Termin bei ihr hatte. Als ich die Tür noch einmal genau betrachte sehe ich ein Blatt im Fenster der Tür hängen. Darauf steht, dass man nebenan am Haus klingeln soll. Wie der Zettel mir befahl, klingele ich am Haus nebenan und Majda macht mir die Tür auf.

Der Salon im Wohnzimmer

„Es ist praktisch, seinen Friseursalon direkt nebenan zu haben. So kann ich den ganzen Tag zu Hause bleiben und wenn ein Kunde kommt, bin ich trotzdem bereit“, sagt Majda dazu. Als Majda und ich hinüber gehen und sie die Tür aufmacht, bin ich erstaunt. Der Salon ist nur ein Raum. Ein etwas kleinerer, aber doch gemütlicher Raum. Die Tür ist mit langen weißen Vorhängen abgedeckt. An der rechten Wand stehen zwei Friseurtische mit Spiegeln aus hellem Holz. Darauf liegen eine Vielzahl von Spangen, Kämme, Bürsten, Stylingprodukten und Färbungen. Alles liegt etwas unordentlich übereinander und es sieht etwas unsortiert aus.

Die Tische haben keine Stühle. In der Mitte steht ein kleiner schwarzer Drehstuhl. An der rechten Wand befindet sich ein tiefgelegtes Ledersofa im arabischen Stil mit einigen bunten Kissen und Decken. Davor wurde ein kleines Tischchen mit einigen Zeitungen platziert. In der Ecke steht ein schwarzes Becken mit einem Duschhahn zum Haare waschen. Dies bemerke ich allerdings erst, als wir die Tür zumachen, da der eine Türflügel das Becken komplett verdeckt. In einer anderen Ecke steht ein Friseurwagen mit noch mehr Krimskrams. An der Wand gegenüber von der Tür befindet sich ein gigantischer Kleiderständer mit bunt-glitzernden Kaftanen. Die Wände im Salon sind schneeweiß gestrichen und sind sehr hoch. Einige Teile der Wand hat Majda mit Fotos von außergewöhnlichen Frisuren beklebt.

Haare schneiden, Pediküre, Maniküre . . .

„Der Salon war mal ein Teil unseres Wohnzimmers. Mein Haus ist ja direkt nebenan und wir haben dort verdammt viel Platz. Also war es überhaupt kein Problem für mich, ein Stück vom Wohnzimmer abzutrennen und einen separaten Salon daraus zu machen. Er ist perfekt und groß genug. Mehr Platz brauche ich ja auch gar nicht.“ Nachdem ich mich umgeguckt habe darf ich mich setzten. Ich habe einen Termin zum Haare schneiden, aber Majda bietet auch weitere Sachen an.

Neben Haare schneiden, frisieren und färben bietet sie auch Maniküre, Pediküre und Wachsanwendungen an und sie verleiht Kaftane. Außerdem kann man sich bei ihr schminken lassen. Doch heute ist Majda froh, mir die Haare machen zu dürfen. „Haare schneiden mache ich am liebsten. Das ist einfach mein Gebiet und das kann ich auch am besten.“ Nachdem Majda sich noch schnell den Kittel umgelegt hat, fängt sie an mir die Haare zu waschen. Ich habe mein eigenes Shampoo dabei, weil Majda mich darum gebeten hat. Sie wäscht das Haar sehr angenehm und langsam.

Fachkraft gesucht

„Ich weiß genau wie ich alles machen muss, damit meine Kunden zufrieden sind. Bevor ich vor fünf Jahren meinen Salon eröffnet habe, war ich in Larache auf einer Friseurschule, wo man mir alles beigebracht hat.“ Nachdem Majda mir die Haare gewaschen hat, macht sie sich ans schneiden. Dabei gähnt sie kurz. Etwas verständlich, da es schon neun Uhr abends an einem Donnerstag ist.

„Ich habe jeden Tag außer Montags von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends auf. Aber ich arbeite selten durchgehend. Manchmal habe ich viele Kunden, also sechs oder sieben, und manchmal läuft es nicht so gut. Heute hatte ich schon acht Kunden. Das war also ein guter Tag für mich. Gestern hatte ich aber nur zwei Kunden. Das ist immer ganz unterschiedlich. Aber die meisten meiner Kunden sind Stammkunden. Ich bin in der Stadt bekannt und daher kommt man zu mir. Weil die Leute mich halt kennen. Aber auch von außerhalb kommen die Leute. Gestern hat mich noch meine Schwester aus der Schweiz angerufen und hat gejammert, wie gern sie sich jetzt von mir die Haare machen lassen würde. Aber insgesamt kommen nur Frauen zu mir. Männer haben in kleinen Städten immer ihre eigenen Salons. Nur in Großstädten wie Rabat und Marrakesch gibt es gemischte Salons für Männer und Frauen.“

Ein Ort zum reden und Quatschen

Ganz flink schneidet Majda mir die Haare als sie mir das alles erzählt. Es ist wie in Deutschland. Der Friseur ist ein Ort zum Reden und zum Quatschen. Das ist Majda auch wichtig, denn sie ist ein sehr gesprächiger Mensch. Innerhalb von kürzester Zeit ist Majda dann fertig mit dem Schneiden und fängt an, mir mit einem kleinen Föhn und einer Rundbürste die Haare zu föhnen. Wir reden viel und lachen laut. Im Salon ist ja sonst niemand, für den wir still sein müssten.

„Ich habe keine Mitarbeiter, aber ich brauche jemanden. Ich suche schon lange jemanden mit einem Diplom, der so gut ist wie ich und mit mir hier arbeiten kann.“ Das ist Majdas Wunsch, den sie mir erzählt, als sie noch einmal mit Glanzmittel über meine Haare geht. Meine Frisur ist fertig und die Haare strahlen richtig gut. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.

Kaftane zum Ausleihen

Als ich aufstehe komme ich nicht darum herum an der Kleiderstange stehen zu bleiben. Ich bin schließlich auch nur eine menschliche F, die weder am beruflichen F vorbei laufen kann, noch am Strahlen schöner Anziehsachen. Die Kaftane sehen wirklich sehr schön aus. „Ich habe sie extra für den Salon gekauft. Das mit den Kaftanen läuft richtig gut. Ich verleihe sie oft, da es hier in der Umgebung oft Feste gibt. Ob Hochzeit oder Geburtstag. Die Frauen brauchen immer neue Kleider. Da das zu teuer wäre, kommen sie zu mir und leihen sich die Kleider nur aus.“

Leider habe ich keine Gelegenheit, ein solch festliches Kleid anzuziehen. Und so gehe ich ohne Kleid, aber mit super Haarschnitt aus dem Salon Majda. „Grüß alle Deutschen von mir. Und sag ihnen, sie sollen auch in meinen Salon kommen!“ Sagt sie zum Abschied. Und das tue ich sicherlich. Der Salon Majda zeigte mir wie sich überall auf der Welt zwei Fs finden.

Ein schönes Gefühl

Der Salon vermittelt einem zwar nicht das gewöhnliche Luxusbild wie in Deutschland, doch das Ergebnis ist genauso gut, wenn nicht noch besser und das Gefühl seinen F-Freund gefunden zu haben, hat man auch in dem kleinen Larache in Marokko.

Miriam Rhazi, Klasse 9c, Geschwister-Scholl-Gymnasium Velbert