Salafisten-Auflösung rückt in weite Ferne

Melanie Bergs
Der Salafisten-Verein „Einladung zum Paradies“ stürzt Mönchengladbach in ein Wechselbad der Gefühle. Jetzt wollen die Islamisten wohl doch nicht aufgeben. Alles hängt an einer Entscheidung der Stadt. Doch das könnte ein Jahr dauern.

Mönchengladbach. Der Salafisten-Verein „Einladung zum Paradies“ hält Mönchengladbach weiter in Atem. Am Montag erst hatten die fundamentalistischen Muslime die Auflösung ihrer Gruppe verkündet. Und schon ein paar Tage später machen sie offenbar wieder einen Rückzieher. Vereins-Vorsitzender Sven Lau teilte der „Rheinischen Post“ mit, dass die Vereinsauflösung nun doch nicht stattfindet. Aufgehoben oder nur aufgeschoben, niemand kann das bisher voraussehen. Die Stadt reagiert auf den Zick-Zack-Kurs der Islamisten mit Achselzucken: „Wir geben schon seit längerem nichts mehr darauf, was die Salafisten öffentlich kundtun“, sagt Stadt-Sprecher Dirk Rütten gegenüber DerWesten.

Hintergrund für das zögerliche Verhalten ist das Gezerre um das Grundstück, auf dem der Verein eigentlich eine Islamschule errichten wollte. Das Vorhaben wurde nicht genehmigt. Jetzt wollen die Salafisten das Geld zurück, das sie bereits für den Ankauf des Grundstücks gezahlt haben. Sie machen dies zur Bedingung für die Vereins-Auflösung. Dabei soll es sich um eine Summe im sechsstelligen Bereich handeln. Um das Geld zurückzahlen zu können, braucht der Eigentümer des Grundstücks jedoch die Zusage eines Investors, der auf dem Gelände einen Supermarkt errichten möchte.

Stadt muss grünes Licht geben

Alles hängt nun an der Stadt. Denn sie muss grünes Licht für den Supermarkt geben. „Um ein solches Projekt auf dem Gelände umsetzen zu können, muss zunächst der Bebauungsplan geändert werden“, erklärt Stadt-Sprecher Rütten. Das sei ein langwieriges Verfahren: die Bürger müssen gehört, Gutachten erstellt werden – und am Ende steht noch die Entscheidung des Stadtrats. Das könne sich bis zu einem Jahr hinziehen, sagt Rütten. Die Folge: Die Mönchengladbacher müssen vermutlich weiter hinnehmen, dass radikale Salafisten-Prediger und ihre Anhänger sich in einem Wohnhaus im Stadtteil Eicken treffen und jede Woche zum Freitagsgebet auf einem Parkplatz versammeln.

Rütten macht die Haltung der Stadt jedoch schon einmal unmissverständlich deutlich: „Wir wollen kein Islam-Zentrum in Mönchengladbach“, betont er. Jede andere Lösung für das Grundstück werde begrüßt und von der Stadt auch unterstützt.

Eindeutige Hinweise auf Brandstiftung durch Salafisten

„Die Situation wird für die Salafisten immer unbequemer“, hofft auch Wilfried Schultz, Sprecher einer Bürgerinitiative, die seit Monaten gegen die radikalen Muslime in Mönchengladbach protestiert. Sie hätten jetzt die Wahl zwischen Pest und Cholera. „Entweder sie erhalten ihren Verein und riskierten ein Verbot oder sie lösen ihn auf und werden vom Fiskus auseinander genommen“, sagt Schultz. Dann würden alle Einnahmen akribisch geprüft. Das gelte auch für die Vorauszahlung für das Grundstück. Die Summe sollen die Salafisten größtenteils mit Spenden von Nichtmitgliedern gestemmt haben.

Mächtig Druck gibt’s auch von anderer Seite. Die Polizei sei inzwischen überzeugt, dass der Vereins-Vorsitzende Sven Lau und zwei weitere Salafisten-Anhänger den Brand in einem Mehrfamilienhaus gelegt haben, in dem sich auch der Treffpunkt der Gruppe befindet, sagt Polizei-Sprecher Willy Theveßen. Es gebe eindeutige Hinweise, dass sich die drei Männer zum Tatzeitpunkt im Keller des betroffenen Hauses befunden hätten. Hinterher hatte Lau die Sache in einem Interview „Muslim-Feinden“ angelastet.

Zeugen identifizieren Salafisten-Schläger

Einer der Tatverdächtigen wurde zudem als der Angreifer identifiziert, der am vergangenen Freitag Bürgerinitiativen-Sprecher Schultz verprügelt und dabei im Gesicht verletzt hatte. Mehrere Zeugen hätten den 26-Jährigen auf Fotos und Filmaufnahmen wiedererkannt, sagt Theveßen.

Schultz und seine Mitstreiter werden sich heute wieder zur Mahnwache vor dem Gebets-Platz der Salafisten versammeln. Die Polizei ist auch dabei, um eine erneute Eskalation zu verhindern.