RWE kassiert laut Gutachten zu viel für Strom

Angeblich berechnete der Essener Energieriese seinen Stromkunden zu viel.
Angeblich berechnete der Essener Energieriese seinen Stromkunden zu viel.
Foto: ddp

Berlin. Mit der neuerlichen Preiserhöhung verlangt RWE angeblich 100 Millionen Euro zu viel von seinen Kunden. Doch während für den Essener Energiekonzern der Staat den Preis in die Höhe treibt, hält ein Energieexperte Preissenkungen für angemessen.

Die jüngste Strompreis-Erhöhung bei dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern RWE sorgt für neuen Wirbel. Angeblich kassiert der Essener Stromriese dadurch 100 Millionen Euro zu viel von den Verbrauchern. Dies geht aus einem Gutachten für die Grünen hervor, das dem Onlineportal „DerWesten“ vorliegt.

Laut dem Gutachten rechtfertigt die gestiegene Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Zulage) zum Jahresbeginn eine Erhöhung von lediglich 0,7 Cent je Kilowattstunde. RWE hatte Mitte Juni angekündigt, die Grundversorgung ab August um 1,79 Cent je Kilowattstunde zu er­höhen. Das begründete der Konzern mit der EEG-Umlage, die seit dem 1. Januar auf 2,047 Cent je Kilowattstunde erhöht wurde, sowie mit gestiegenen Beschaffungskosten beim Strom.

Kunden zahlen doppelt

Letzteres hält der Autor des Gutachtens, Gunnar Harms, für „nicht nachvollziehbar“. „Von 2009 nach 2010 wäre aufgrund der gesunkenen Börsenpreise – im Gegenteil – eine Preissenkung um knapp ein Cent je Kilowattstunde angemessen gewesen“, schreibt der Energiewirtschaftler, der auch im Vorstand des Bundes der Energieverbraucher sitzt.

Als wichtige Referenz für die Beschaffungskosten von Strom im Großhandel gilt die Leipziger Energiebörse EEX. Hier sanken, so das Gutachten, die Preise zwischen 2008 und 2010 teilweise um mehr als 40 Prozent.

Mit den höheren Beschaffungskosten vor zwei Jahren begründete ein Sprecher der RWE Vertrieb AG den kleineren Teil der jetzigen Kostensteigerungen. 2008 habe RWE einen Teil des Stroms für 2010 geordert, dies wirke sich nun auf den Preis aus. „Der Staat ist aber der Preistreiber“, sagte der RWE-Sprecher mit Blick auf die EEG-Zulage und verwies auf einen Nachholeffekt.

Die gestiegene Umlage habe man im ersten Halbjahr den Kunden „vorgestreckt“, um die Preise lange stabil zu halten. „Nun mussten wir die Preise rückwirkend erhöhen.“ Mit anderen Worten: Bislang mussten die RWE-Kunden keine höhere EEG-Zulage begleichen, nun aber bezahlen sie doppelt. Wie Harms auf 100 Millionen Euro komme, die RWE angeblich zusätzlich kassiere, konnte der Sprecher nicht sagen.

„Die Aussagen von RWE klingen nicht plausibel“, sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn. „Wenn das so wäre, hätten sie bereits eine Strompreissenkung zu Anfang des nächsten Jahres ankündigen müssen.“

Wechsel erwägen

Mit höheren Strompreisen ist RWE nicht allein. Nach Berechnungen des Verbraucherportals Verivox haben seit Jahresbeginn 474 von 910 Versorgern die Preise erhöht, im Durchschnitt um 5,7 Prozent.

„Es gibt auch Unternehmen, die die Preise gleichhalten oder sogar senken“, betont die Bundesnetzagentur. „Der Verbraucher sollte die Preiserhöhungen kritisch hinterfragen und einen Anbieterwechsel in Betracht ziehen.“

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