„Russisch ist einfach pikanter“

Russische Spezialitäten gibt es in Hervest bei den Schwestern Valentina Roo und Maja Melnik.
Russische Spezialitäten gibt es in Hervest bei den Schwestern Valentina Roo und Maja Melnik.
Foto: WAZ FotoPool

Hervest.. Die Schwestern Maja Melnik und Valentina Roo haben ein kleines Wunderland aus russischen Spezialitäten an der Ecke Joachimstraße/Auf der Landwehr geschaffen. Schon seit fünf Jahren importieren die Frauen allerlei landestypische Lebensmittel für den alltäglichen Bedarf.

„Wir haben natürlich nicht alles, was gewünscht wird. Auf Wunsch bestellen wir aber alles“, erklärt Maja Melnik. Um das russische Herz glücklich zu machen, genügt nämlich nicht Wodka allein, auch wenn die Schwestern davon rund 20 verschiedene Sorten im Laden haben. Hier und da verirren sich auch ein paar polnische Lebensmittel in das Sortiment von „Skaska“. Vor allem das Wurstsortiment besteht größtenteils aus polnischer Importware. Nicht ohne Grund, denn die Waren aus Russland und Polen haben einfach mehr Pfeffer. „Deutsche Wurstwaren wie Mortadella schmecken fast neutral. Russische und polnische Wurst ist einfach pikanter“, sagt Valentina Roo.

Das Heimweh nach Russland vertreiben die Schwestern ihren Kunden aber nicht nur mit Wurstspezialitäten. Von der typisch süßen Kondensmilch und Sahnetorte bis hin zu getrocknetem Fisch und den üblichen Konserven, alles landet zahlreich in den Einkaufswagen und gibt ein bisschen Heimatgefühl zurück.

Maja Melnik und Valentina Roo haben sich aber schon längst an deutsches Essen und Leute gewöhnt. Seit 1995 leben die in Kasachstan geborenen Schwestern mit ihren Familien in Deutschland. Mittlerweile ist auch das Frühstück typisch deutsch: Brötchen mit Marmelade. Gerne würden die beiden auch öfter Deutsche Kunden und Kundinnen in ihrem Laden begrüßen, doch die trauen sich noch nicht so recht in den russischen Tante Emma Laden. „Ich glaube die Deutschen haben Angst vor uns“, versucht Valentina Roo die seltenen Besuche deutscher Kunden zu erklären. „Oft gucken viele Nachbarn nur von der Seite in den Laden. Vielleicht haben sie Sorge, die russischen Angaben auf den Lebensmitteln nicht zu verstehen. Wir haben aber für alles Übersetzungen“, versichert Maja Melnik.

Dabei gibt es allerhand Leckeres zu entdecken. Russischer Zwieback gleicht zum Beispiel viel eher dem amerikanischen Donut und statt Pizza und Schnitzel kommen hier mit Kartoffeln und Käse gefüllte Pilmeni (Teigtaschen) auf den Tisch. Auch die deutsche Vorliebe, über den Tag literweise Filterkaffee zu konsumieren, teilen die Russen nicht. „Tee ist unser Kaffee“, schmunzelt Melnik und präsentiert ihr breites Tee-Angebot im Regal.

Nebenbei klären die beiden Schwestern auch über kulturelle Vorurteile auf. Das größte Laster der Russen ist nämlich keinesfalls der Wodka. „Ohne Sonnenblumenkerne können die Russen einfach nicht leben, die haben wir immer vorrätig“, grinst Roo. Über alle weiteren russischen und polnischen Spezialitäten macht man sich jedoch am besten selbst ein Bild, die Schwestern beißen nicht. Ganz sicher.

 
 

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