Roter Boskoop wurde in Rees entdeckt

Foto Dirk Schuster
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Foto: WAZ FotoPool

Reeserward.. Man schrieb das Jahr 1923. Otto Schmitz-Hübsch war „wie elektrisiert“, als er den blutroten Apfel sah. In der Spitze eines Baumes der Sorte „Schöner von Boskoop“ hing zwischen ‘zig grünen Äpfeln ein einziger roter.

Der Baumschulist aus Merten bei Bonn erkannte gleich, welche Sensation er entdeckt hatte im ein Hektar großen Obstbongert seines Schwagers Otto Baumann auf dem Wardmanshof in Reeserward.

Erst das Abitur, dann
die Apfelkunde

Ottos Baumanns Enkel Everhard Baumann, der heute den Hof bewirtschaftet, kennt die Geschichte aus Erzählungen seiner Mutter Anneliese. Sie war es auch, die sich nach dem Abitur auf dem Schmitz-Hübschen Anwesen in der Apfelkunde weiterbilden ließ. Ihr Onkel Otto galt nämlich als experimentierfreudig und hatte sich so außerordentliche Kenntnisse in der Veredlungstechnik und in den Erziehungsmethoden von Apfelsorten angeeignet. Die auf dem Reeserwarder Hof entdeckte Knospenmutation in einem etwa 30 Jahre alten Boskoopbaum war ihm da gerade recht gekommen...

Otto Schmitz-Hübsch erwarb die Lizenz auf den Roten Boskoop, brachte ihn 1939 in den Handel, verkaufte Zehntausende dieser Bäume, und sicherte sich gleichzeitig ein gutes Einkommen. Seinen Schwager in Rees ließ er nicht leer ausgehen. Er beeinflusste ihn dahingehend, ebenfalls professionell in den Apfelanbau einzusteigen und gab ihm sein Wissen weiter. Zuvor hatten die Baumanns ihre Äpfel nur in guten Erntejahren vermarktet in dem Wissen, nicht alle Gravensteiner, Goldparmänen und Renetten selbst verbrauchen zu können.

Bis heute hat der Rote Boskoop seinen festen Platz in der Baumannschen Obstplantage. „Zehn Prozent meiner Äpfel sind Rote Bosköpfe“, weiß Baumann zu berichten. Wurde diese früher noch in mit Holzwolle gepolsterte Kistchen für den Weiterverkauf bis nach Berlin verpackt und mit dem Pferdekarren zum Bahnhof nach Empel gekarrt, steht heute die Direktvermarktung im Mittelpunkt.

Herbe Säuere und
mürbes Fruchtfleisch

Vor allem ältere Kunden sind es, die den Boskoop verlangen. „Sie mögen die herbe Säure und das mürbe Fruchtfleisch“, weiß Everhard Baumann. Zunehmend sind es aber auch junge Menschen, die ihre Liebe zum roten Nachfahren des älteren grünen Bruders entdecken. „Er ist eben ein Klassiker auf dem Pfannkuchen oder zu Apfelmus verarbeitet“, weiß Baumann.

Den alten Apfelbaum, der den ersten roten Apfel trug, steht nicht mehr. Beim der Rheinübergangsschlacht wurde nicht nur der Wardmanshof völlig zerstört, sondern auch der dahinter liegende Apfelbongert mit seinen vielen Hochstämmen. „Im Nachgang musste auch der Boskoopbaum gerodet werden“, hat sich Everhard Baumann erzählen lassen.

Nur eines mag der Boskoop nicht, die heute übliche Lagerung in hochtechnisierten Kühlhäusern, in denen der Sauerstoffgehalt stark herabgesetzt wird. „Das nimmt ihm Geschmack und Aroma“, hat Everhard Baumann festgestellt. Die alte Apfelsorte mag lieber die klassische Lagerung in einem Raum mit befeuchteten Ziegelsteinen.

Übrigens: Der grüne Vorfahr „Schöner von Boskoop“ stammt aus den Niederlanden. 1856 entdeckte ihn ein Mann namens Otto Lander im südholländischen Örtchen Boskoop.

 
 

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