Essen

Rot-Weiss Essen ist wieder schuldenfrei

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Die Gläubigerversammlung hat den Insolvenzplan abgesegnet. Damit ist endgültig der Weg frei für den finanziellen Neustart des Traditionsvereins. Spenden der Fans werden für Neuinvestitionen genutzt.

Essen. Der Traditionsverein Rot-Weiss Essen ist gerettet. Am Dienstag stimmten auf einer Gläubigerversammlung im Amtsgericht Essen alle Gläubiger dem vom Gericht abgesegneten Plan des Insolvenzverwalters zu. Ab dem 1. Juli wird der Fußballclub, der gerade erst den Aufstieg in die vierte Liga und den Meistertitel der NRW-Liga feierte, wieder handlungsfähig sein.

Die Zeichen standen auf Grün, trotzdem ging RWE-Vorstand Michael Welling mit gemischten Gefühlen in die Versammlung. "Ich hab' schon Pferde kotzen sehen", beschrieb er nach der Rettung rückblickend seine Gefühle. Als Rechtspfleger Wittelsbach dann das Votum der Gläubiger in nicht öffentlicher Sitzung einholte, "wollte ich fast die Becker-Faust machen, habe es dann aber gelassen", erzählte Welling. Er war nicht der Einzige im Saal, der die für Fußballer ungewohnte Atmosphäre im Gericht spürte. "Oh, falsche Kleidung", entfuhr es etwa Michael Lorenz in Jeans und Pullover, als er die vielen Männer in den schwarzen Anzügen sah. Als ehemaliger Spieler von RWE hatte Lorenz ebenfalls noch Ansprüche an den Verein und erschien persönlich. "Ich bin verletzt und habe Zeit, da wollte ich mir das mal ansehen", berichtete der jetzt für den KFC Uerdingen spielende Fußballer.

Ein Herz für RWE

Die Quote für die Gläubiger beträgt sechs Prozent. Das heißt, sie erhalten sechs Prozent der Schuldsumme und verzichten auf den Rest. Im Raum standen Ansprüche der Gläubiger in Höhe von 21 Millionen Euro. Rund 290.000 Euro waren aus der Konkursmasse zu verteilen. Hinzu kommen 240.000 Euro die Rot-Weiss Essen von Real Madrid erhält - und zwar als Ausbildungsvergütung für Mesut Özil, der von 2000 bis 2005 in der Essener Jugend kickte und heute für den spanischen Rekordmeister spielt.

Mit der jetzigen Genehmigung des Insolvenzplans ist der Verein wieder schuldenfrei: Die Gläubiger hätten keine Probleme gemacht, niemand habe die Regelung abgelehnt, sagte Welling: "Ich glaube, sie haben alle ein Herz für RWE, aber sie können auch rechnen", spielte er auf die Folge eines abgelehnten Insolvenzplanes an. Denn dann hätte es wohl nur zwei Prozent gegeben, wenn die Insolvenz nicht sogar mangels Masse abgelehnt worden wäre.

Welling wies Berichte zurück, die von den Fans gespendeten Gelder aus dem vergangenen Jahr (53.000 Euro) gingen an die Gläubiger. Mit dem Geld sollte die Insolvenz noch im letzten Moment verhindert werden - vergeblich. Der ehemalige Vorstand Thomas Hermes, der diese Mittel treuhänderisch verwalte, werde sie nach der Insolvenz an den Verein übergeben. Damit werde dann die Geschäftsausstattung gekauft. Welling: "Uns gehört ja derzeit nicht einmal ein Blatt Papier, kein Merchandisingartikel." Tatsächlich ist der Verein jetzt offiziell auf Null gesetzt: "Wir werden alles tun, damit wir unseren alten Vereinsbesitz erhalten. Dazu zählen zum Beispiel auch die Wimpel und Pokale aus früherer Zeit", sprach Welling die kommende Arbeit an. Aber auch dabei erweckte er den Eindruck, dass alles auf einem guten Weg sei. Related content

 
 

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