Rollende Werbung gegen Missbrauch

Spedition fährt Werbung für Hilfe für Missbrauchsopfer
Spedition fährt Werbung für Hilfe für Missbrauchsopfer
Foto: Ulrich Bonke

Kamen.. Große traurige blaue Kinderaugen schauen anderen Verkehrsteilnehmern von einem Lastwagen der Spedition Stegemöller entgegen. In roten Buchstaben daneben, eine Aufforderung an jeden: „Bewahrt Kinder vor sexuellem Missbrauch“.

Als Rudi Stegemöller vor einigen Tagen die Zeitung aufschlug blickten ihm genau diese Augen entgegen, in einer Anzeige des Vereins „Innocence in danger“. Der Verein ist eine weltweite Bewegung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und gegen die Verbreitung von Kinderpornografie in den neuen Medien.

„Ich habe gesehen, dass Til Schweiger und Stephanie zu Guttenberg die Aktion unterstützen und ich dachte, dass man da sicher etwas bewegen kann, daher kam die Idee Werbung für die Aktion zu fahren. Direkt am nächsten Tag rief ich bei Innocence in danger an“, erzählt Stegemöller. „Dort freute man sich natürlich über das Angebot, war aber anscheinend auch überrascht. „Die Dame am Telefon fragte erst einmal, ob ich Geld dafür haben möchte. – Das wollte ich natürlich nicht“, so Stegemöller. So ein Angebot hatten wir bisher noch nie, das war wirklich eine Premiere, sagt Marie-Catherine Heeremann von „Innocence in danger“.

Umgehend lies er den Sattelzug mit der Werbung versehen. Gestern, zufällig genau am Weltkindertag, trat der neu lackierte Lastzug seine erste Fahrt an. Dabei begegnete er wahrscheinlich vielen Autofahrern, die zwischen Schwerte und Hagen unterwegs waren, denn dort war der Lastzug, der ansonsten durch das ganze Ruhrgebiet fährt, gestern im Einsatz. Aus rund 20 Fahrzeugen besteht der Fuhrpark von Spedition Stegemöller – und kein Lkw sieht gleich aus. „Ich lasse viele meiner Fahrzeuge mit Werbung versehen, ich mag es wenn sie alle unterschiedlich aussehen, außerdem kann man sich mit der normalen Werbung ein paar Euro dazu verdienen, sagt Stegemöller. Sogar eine Partnersuchanzeige fuhr schon auf einem der Wagen mit. „Das ist damals aus einer Feierabendlaune heraus entstanden, en Mitarbeiter von uns war damals schon länger Single und so platzierten wir sein Foto samt Telefonnummer, mit dem Slogan: „Suche meine Traumfrau“ auf dem Brummi – und er fand seine Traumfrau auch.

Trotzdem liegt ihm die Aktion „Innocence in danger“ besonders am Herzen. „Mich hat schockiert, dass 80 Prozent der Fälle im engsten Umfeld passieren,“ sagt Stegemöller nachdenklich. Daher soll im Oktober auch direkt der nächste Sattelzug für die Aktion beschriftet werden.

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