Roland Jahn trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst (li.) empfing Roland Jahn im Alten Rathaus.
Bürgermeister Lambert Lütkenhorst (li.) empfing Roland Jahn im Alten Rathaus.
Foto: WAZ FotoPool
Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, zu Gast in Dorsten. Der 59-Jährige möchte vor allem Aufklärungsarbeit leisten.

Dorsten.. Der Marktplatz hat es Roland Jahn angetan. Dass er autofrei ist, gefällt ihm besonders. „Das zeigt die gute Stube des Ortes“, sagt er. Dann stellt der 59-Jährige fest: „Hier in Dorsten lässt es sich bestimmt gut leben.“

Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, so ist die offizielle Bezeichnung, stammt aus Jena, rund 450 Kilometer von Dorsten entfernt. Gestern Nachmittag trug sich Roland Jahn im Alten Rathaus aber zumindest schon mal ins Goldene Buch der Stadt Dorsten ein. Knappe drei Stunden bevor er im Bildungszentrum Maria Lindenhof die Ausstellung über die Staatssicherheit der DDR mit dem Titel „Feind ist, wer anders denkt“ eröffnete.

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst griff einen Satz auf, den Jahn bei Amtsantritt im März 2013 im Deutschen Historischen Museum Berlin gesagt hatte: „Das Lügen darf nicht belohnt werden.“

Sechs Monate in Haft

Lütkenhorst nannte den Besuch Roland Jahns eine Ehre für die Stadt und ist sicher, dass dieser Besuch Spuren hinterlassen wird. Der erste Bundesauftrage der Behörde für Stasi-Unterlagen war übrigens Joachim Gauck, der heutige Bundespräsident hatte dieses Amt von 1990 bis 2000.

Roland Jahn wurde 1982 von der Stasi in Haft genommen, weil er an seinem Fahrrad eine polnische Fahne mit der Aufschrift „Solidarität mit dem polnischen Volk“ trug. Jahn wurde zu 22 Monaten Haft wegen „öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ und „Missachtung staatlicher Symbole“ verurteilt, kam nach sechs Monaten aber wieder frei.

Während seiner Haft sagte er den Stasi-Mitarbeitern: „Eines verspreche ich euch, irgendwann komme ich hier raus und dann werde ich euren Kindern erzählen, was ihr hier getrieben habt.“ Ein Satz, der nicht nur den Dorstener Bürgermeister tief beeindruckt hat. Roland Jahn hielt Wort. Lütkenhorst: „Hochachtung für das, was sie geleistet haben.“

Dass Roland Jahn so freundlich empfangen wurde, die Ausstellung in Dorsten eine derart besondere Beachtung findet, bestärke ihn in seiner Arbeit: „Das zeigt, dass es um eine gesamtdeutsche Geschichte geht.“

Jetzt ginge es vor allem darum, der nächsten Generation etwas mit auf den Weg zu geben.

Jahn: „Je besser wir begreifen, wie die Diktatur in der DDR im Alltag funktioniert hat, desto besser können wir Demokratie gestalten.“ Sein Amt als Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde sei kein Amt, bei dem es darum geht, abzurechnen. Seine Aufgabe sei es vor allem, aufzuklären. Auch in Dorsten.

 
 

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