Röttgen und Laschet starten ihr Schaulaufen

Tobias Blasius
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (v.l.), der noch amtierende CDU-Landesvorsitzende Jürgen Rüttgers und der stellvertretende Vorsitzende Armin Laschet am Mittwoch in Münster.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (v.l.), der noch amtierende CDU-Landesvorsitzende Jürgen Rüttgers und der stellvertretende Vorsitzende Armin Laschet am Mittwoch in Münster.
Foto: ddp

Münster.  Norbert Röttgen und Armin Laschet warben in Münster erstmals direkt bei der CDU-Basis in NRW für sich um die Rüttgers-Nachfolge im Parteivorsitz. Ein erstes Aufeinandertreffen der Kontrahenten.

Wenn der neue Landeschef der NRW-CDU nicht per Mitgliederentscheid gekürt würde, sondern mittels eines Applausometers, hieße der Favorit nach der ersten von acht Regionalkonferenzen am Mittwochabend womöglich Norbert Röttgen. Als der Bundesumweltminister in einer lebhaften Rede „inhaltliche Führung und geistige Orientierung“ versprach, geschliffene Attacken gegen Rot-Grün ritt und verantwortliche „Politik aus den Augen unserer Kinder“ verhieß, rührten sich immer wieder zahlreiche Hände in der mit 800 - zumeist grauschöpfigen - CDU-Mitgliedern brechend vollen Stadthalle von Münster-Hiltrup.

Röttgen schien offenbar sicher, dass er sich trotz des weithin geringen Ansehens der schwarz-gelben Bundesregierung auch an der Basis allein auf seine rhetorische Kraft verlassen kann. Freundlich applaudierte er sogar seinem Konkurrenten Armin Laschet, der nach einem Losentscheid vor ihm ans Mikrofon durfte. Der frühere Familienminister beschwor ein spezielles katholisch-soziales „CDU-Gefühl“, das ihn in Kohl’schen Jahren geprägt habe und das er wiederbeleben wolle. „Politik wieder stärker aus unseren Werten heraus erklären“, nannte Laschet dies. Die hörbar größte Zustimmung erntete er gleichwohl, als er sich als „Düsseldorfer Lösung“ mit ausreichender Zeit für die nun wichtige Kärrnerarbeit im großen Landesverband darstellte. Daneben setzte der sonst so nette Herr Laschet ungewohnt schonungslos Breitseiten gegen die eigene Bundesregierung („Bürgerliche Wähler wollen nicht über spätrömische Dekadenz philosophieren“) und kritisierte offen Angela Merkels Führungsstil („Das hätte es in Jürgen Rüttgers Kabinett nicht gegeben“).

Zweiseitige Bewerbungsgespräche zur Begrüßung

Er könne im Gegensatz zu Röttgen „Frau Kraft jeden Tag im Landtag stellen“, betonte Laschet. Der Bundesumweltminister musste sich derweil für die „Berliner Kakophonie“ rechtfertigen, die nicht zuletzt nach Meinung zahlreicher einfacher Parteimitglieder Rüttgers das Ministerpräsidenten-Amt gekostet habe. „Innerhalb der CDU darf es kein Wir gegen ,Die in Berlin’ geben“, konterte Röttgen. Ansonsten: Sarrazin, Mindestlohn, Konservativismus, wirtschaftliche Kernkompetenz – es fiel nicht ganz leicht, im großen Politikspektrum grundlegende inhaltliche Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten herauszuhören. Schon vor Beginn des Schaulaufens hatten die Kontrahenten ihre Wahlkampf-Linien markiert. In zweiseitigen Bewerbungsschreiben, die zur Begrüßung auf den Stühlen der Stadthalle Hiltrup lagen, präsentierten sich die bisherigen persönlichen Freunde und politischen Verwandten Laschet und Röttgen als Männer mit unterschiedlichen Lösungen für die angeschlagene NRW-CDU. Laschet appellierte an den Stolz auf die vergangenen fünf Regierungsjahre in NRW. Er mühte sich, seine jüngsten Absetzbewegungen von Noch-Parteichef Rüttgers abzumildern und pries ihn als Repräsentanten „der neuen sozialen Frage des 21. Jahrhunderts“. Dennoch: Die „Neuausrichtung“ müsse her, am besten mit ihm, der zu „100 Prozent in Nordrhein-Westfalen“ arbeiten werde.

Röttgen, obschon Bundesminister und der Typus des intellektuellen Überfliegers, gab sich als Mann der Basis. Er wolle einen „glaubwürdigen Start nach der bitteren Niederlage“. Nicht ganz zufällig ließ er die Worte „Mitgliederpartei“ und „kommunalpolitische Verwurzelung“ in seinem Brief als Blickfang in fetten Lettern drucken. Zudem gehörte ihm die Schlusspointe: Angesprochen auf das Problem des demografischen Wandels, raunte er Laschet zu: „Wenn du das alleine löst, ziehe ich zurück.“

Einigkeit bei Kritik an Sarrazin

Einig waren sich die Kandidaten in ihrer Kritik der Zuwanderungsthesen von Bundesbank-Vorstand Sarrazin. Röttgen sprach von „inakzeptablen Thesen“, die den Respekt vor der Würde des Menschen vermissen ließen. Sarrazin sei als Mitglied des Bundesbank-Vorstands nicht länger tragbar. Laschet bezeichnet es als „krude“, Intelligenz von Menschen an Genen ablesen zu wollen.

Armin Laschet und Norbert Röttgen werden sich bei ihrem Duell um den Landesvorsitz auf sieben weiteren Regionalkonferenzen der Parteibasis vorstellen. Am Donnerstag (3.9.) geht es weiter in Bad Godesberg, es folgen Paderborn (4.10.), Iserlohn (6.9.), Bottrop (8.9.), Aachen (10.9.), Düsseldorf (17.9.) und Krefeld (25.9.). Außerplanmäßig treffen die Kandidaten auch am Samstag bei der Landesdelegiertenversammlung der CDU-Mittelstandsvereinigung in Krefeld aufeinander. Eigentlich sollte dort nur Röttgen eine Rede halten; nach Unmut in den eigenen Reihen wurde nachträglich auch Laschet eingeladen.