Röttgen ruft zur Solidarität beim Klimaschutz auf

Cancún. Wenige Tage noch bleiben den Vertretern von 194 Staaten, um sich bei der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún auf konkrete Maßnahmen gegen die globale Erwärmung zu einigen. Die Angst vor einem zweiten Pleitegipfel wächst.

Am Ende werde der politische Wille über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Mittwoch (Ortszeit). Beides, Einigung oder Scheitern der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún , sei immer noch möglich. Laut Röttgen sind Übereinkünfte in Teilbereichen wie Waldschutz, Technologietransfer und Finanzhilfen für arme Länder möglich. Völlig offen ist weiterhin die Zukunft des Kyoto-Klimaschutzprotokolls, das 2012 ausläuft. Verbindliche Regeln für die Zeit danach gibt es nicht.

In seiner Rede im Plenum der Konferenz rief er die Delegierten eindringlich zu „gemeinschaftlichem und solidarischem Handeln“ auf. „Hier in Cancún müssen wir beweisen, dass wir entschlossen und fähig sind, multilateral zu handeln.“ Röttgen sprach sich dafür aus, die internationalen Verhandlungen weiter unter dem Dach der UN zu führen: „Die Vereinten Nationen sind das Forum, in dem solche Regeln vereinbart werden sollten.“

Bei einigen Staaten geht es ums Überleben

Klimaschutz sei auch eine wirtschaftliche Chance, sagte Röttgen vor Journalisten. „Wir können damit Wachstum erreichen und Arbeitsplätze schaffen, aber eben nicht auf Kosten der Natur und der kommenden Generationen.“ Beides, Wachstum und gemeinsames Handeln, sei im Interesse aller Staaten. „Das verbindet uns und sollte uns motivieren, zu einer Einigung zu kommen. Und das sollte auch USA und China erreichen.“ Röttgen sagte, dass Cancún ein Wirtschaftsgipfel sei. „Hier sprechen aber auch Vertreter von Staaten, die absaufen werden. Bei ihnen geht es um die Existenz, ums Überleben.“

Zu Beginn der Ministerrunde hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einem dramatischen Appell den angereisten Umweltminister und Unterhändler ins Gewissen geredet und zu Kompromissen aufgefordert. Notfalls sollten sich die Staaten auch weniger ehrgeizige Ziele setzen, um wenigstens in kleinen Schritten voranzukommen. „Wir dürfen das Perfekte nicht zum Feind des Guten machen“, sagte Ban. „Je länger wir warten, desto mehr müssen wir zahlen – mit Geld, Gesundheit und Menschenleben.“

Verlängerung nicht ausgeschlossen

Vor den Folgen des Klimawandels warnte das UN-Umweltprogramm Unep, das in Cancún eine Studie über das Abschmelzen von Gletschern vorlegte. Danach sind wegen des Verlusts wichtiger Wasserspeicher hunderte Millionen Menschen erst durch Überflutungen und später durch Dürre bedroht. Der Bericht zeigt einen weltweiten, rapiden Rückgang der Gletschermasse, neben Asien besonders massiv in Südamerika und Alaska. Allerdings gebe es regional auch gegenläufige Trends, zum Beispiel bei Gletschern in Europa und Neuseeland.

Die Verhandlungen in Cancún sind offiziell bis Freitag angesetzt. Am Mittwoch legten die beiden Hauptarbeitsgruppen ihre Beschlussvorlagen vor. Die immer noch strittigen Punkte sollen nun in kleineren Gruppen von insgesamt 30 Staaten auf mögliche Kompromisse durchleuchtet werden. Eine Verlängerung der Konferenz bis Samstag oder gar Sonntag wird nicht ausgeschlossen.

 
 

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