Rod Stewart über "Sex, Drugs & Rock'n'Roll"

Essen. Zehn Minuten: für einen Smalltalk zu viel, für ein Interview zu wenig Zeit. Tatsächlich gestaltete sich das Kurzgespräch mit Rockstar Rod Stewart ein wenig schwierig. Es folgt das Protokoll eines transatlantischen Telefonats, nicht immer auf gemeinsamer Wellenlänge.

Hallo, Mister Stewart. Wie ist das Wetter bei Ihnen in LA?

Stewart: Moment, wir haben nur zehn Minuten und Sie fragen nach dem Wetter?!

Nur zum Warmwerden...

Stewart: Ich bin warm!

Gut, dann sprechen wir über Fußball: Wie kommt's, dass Sie als gebürtiger Londoner ein Anhänger der schottischen Nationalmannschaft sind?

Stewart: Mein Vater war Schotte, kam aus Edinburgh. Und beim Thema Fußball hatte er großen Einfluss auf mich und meine Brüder. Leider weilt er nicht mehr unter uns.

Was unterscheidet denn die schottische von der englischen Fußballkunst?

Stewart: Dass sie im Moment nicht so erfolgreich ist.

Richtig, die Schotten haben sich nicht für die WM qualifiziert. Drücken Sie stattdessen jetzt den Briten die Daumen?

Stewart: Wem?

Äh, der englischen Fußball-Nationalmannschaft?

Stewart: Nicht wirklich.

Als Teenager haben Sie selber erfolgreich Fußball gespielt. Warum haben Sie aufgehört?

Stewart: Ich habe nicht aufgehört – ich spiele noch!

Aber nicht mehr professionell.

Stewart: Natürlich nicht! Ich bin verdammte 65 Jahre alt! Ich habe mit dem Fußball angefangen, da war ich 16 Jahre alt. Und etwa zur gleichen Zeit habe ich auch mit der Musik angefangen.

Vor Ihrem Durchbruch hatten Sie noch einige sehr interessante Jobs...

Stewart: Ich war Siebdrucker, habe Zäune gebaut und war sogar Totengräber. Aber nur für ein paar Wochen.

Und wann haben Sie festgestellt, dass Sie das Potenzial zum Popstar haben?

Stewart: Als ich bei der Jeff Beck Group anheuerte. Da habe ich erkannt, dass es mir immer leichter fiel, auf der Bühne zu stehen und ich Leute unterhalten kann. 1968 war das.

Lange her. Haben Sie sich seitdem mal Gedanken über eine neue Frisur gemacht?

Stewart: Nein.

Warum auch? Steht Ihnen ja.

Stewart: (schweigt).

Wann haben Sie bemerkt, dass sich aus dem Hobby, also dem Musikmachen, ein Job entwickelt? Oder sehen Sie das nicht als Job?

Stewart: Ein Job? Naja, ich verdiene mein Geld damit. Aber wie eine richtige Arbeit fühlt sich das nicht an, ich habe schließlich keine Blasen an den Händen. Ich bin da schon in einer sehr glücklichen Lage und sehr dankbar, dass ich mit dem, was ich liebe, auch wirklich mein Leben finanzieren kann. Es ist mehr als ein Hobby.

Sie sind zwei Jahre älter als Ihr bester Freund Ron Wood von den Stones, sehen aber zehn Jahre jünger aus...

Stewart: (lacht) Oh, danke! Ronnie hatte in letzter Zeit viel Stress mit seinem Privatleben. Wenngleich man als Promi in England ja eigentlich überhaupt kein Privatleben hat. Und langsam zeigt sich das in seinem Gesicht. Aber ich mag ihn wirklich, er ist wie ein Bruder. Er steht das durch, er ist ein starker Kerl.

Drohten Sie im Laufe Ihrer Karriere auch, den Versuchungen „Sex, Drugs & Rock'n'Roll” zu erliegen?

Stewart: Ja, und zwar allen dreien! Aber nicht in dem Ausmaß wie Ron. Ich halte mich in Form – drei-, viermal die Woche trainiere ich, stemme Gewichte, schwimme. Ronnie hat sich für so etwas nie interessiert.

Sie wirken auch immer jünger mit den Jahren...

Stewart: Meine tolle Frau hält mich jung.

Sie haben sieben Kinder von fünf verschiedenen Frauen...

Stewart: Lassen Sie mich kurz nachzählen... stimmt!

Wollen Sie bald ein achtes Kind in die Welt setzen?

Stewart: Ja, wir arbeiten gerade daran. Danach machen wir aber den Laden zu (lacht).

Noch einmal zurück zum Thema Fußball: Sie sind bekannt dafür, während Ihrer Konzerte gerne auch mal Bälle ins Publikum zu kicken...

Stewart: (leicht verschämt) Äh... ja.

Gab es da auch schon mal schlimme Verletzungen zu beklagen?

Stewart: Nein, nicht wirklich schlimme Sachen. Vielleicht hier und da mal eine blutige Nase – so viel ich weiß.

In Deutschland hatten Sie Ihren größten Erfolg ausgerechnet mit einer Schnulze: „Sailing“. Hat sich der Song für Sie eher als Fluch oder als Segen erwiesen?

Stewart: Unbedingt als Segen. Ist doch auch ein toller Song! Ich singe „Sailing“ gerne. Nicht nur in Europa, auch in den Staaten, wo der Song gleichfalls ein Hit war. Es ist ein sehr emotionales Lied.

Brian Wilson von den Beach Boys mag das Meer und den Strand nicht, muss aber immer drüber singen. Geht es Ihnen ähnlich mit dem Segelsport?

Stewart: Nein, ich liebe das Meer. Ich liebe es, in seiner Nähe zu sein.

Dann sollten Sie sich ein Hausboot zulegen.

Stewart: Wozu? Ich wohne in einem Strandhaus in Palm Beach.

Auch gut. Zum Anfang Ihrer Karriere haben Sie verstärkt Blues gesungen, später haben Sie Songs des American Songbooks interpretiert...

Stewart: Ja, und die fünfte und letzte Platte mit klassischen amerikanischen Songs ist auch schon fertig.

Dann können wir uns ja auf etwas freuen. Inzwischen kann man Sie nicht mehr eindeutig einem Genre zuordnen. Singen Sie also einfach das, worauf Sie Lust haben?

Stewart: Ja, irgendwie schon. Ich bin mit einer Stimme gesegnet, die ein großes Spektrum an Genres abdecken kann. In der Zukunft will ich auch mal ein Country-Album aufnehmen. Wissen Sie, in meinem Alter genießt man die Freiheit, tun zu können, worauf man Lust hat.

Sie haben viele Songs zu Hits gemacht, die sich bei anderen Sängern zuvor als Flops erwiesen hatten. Es muss also irgendetwas mit Ihrer markanten Stimme zu tun haben. Oder wären Sie auch so erfolgreich, wenn Sie mit einer Fistelstimme a la Barry Gibb auf die Welt gekommen wären?

Stewart: Vielleicht. Barry hat auch eine einzigartige Stimme. Die braucht man eben, um sich aus der Masse herauszuheben.

Was spielen Sie auf der kommen Tour live? Ihre Hits oder Songs aus dem Songbook?

Stewart: Ich singe eigentlich alles von den Hits aus den 70er Jahren bis hin zu den Songs vom Songbook. Vier oder fünf Lieder vom aktuellen Album werden dabei sein. Es werden unterhaltsame Abende werden, das kann ich versprechen.

Oh, unsere zehn Minuten sind fast vorbei...

Stewart: Ich habe mitgezählt: Sie haben jetzt 18 Fragen in zehn Minuten gestellt – das ist gar nicht so übel!

Wenn Sie das sagen. Okay, letzte Frage: Seit Ihrer Kindheit spielen Sie gerne mit Modelleisenbahnen. Haben Sie sich auch mal mit Neil Young über ihr gemeinsames Hobby ausgetauscht?

Stewart: Nein, nicht mit Neil. Aber mit Roger Daltrey habe ich gesprochen, der ist auch ein großer Modelleisenbahn-Freund. Wie übrigens auch Jools Holland, wenn Sie den kennen. Wir bleiben in engem Kontakt und reden viel über Modelleisenbahnen. Das ist ein wirklich sehr befriedigendes Hobby. Ich kann es jedem empfehlen!

Okay, ich werde das mal versuchen. Das war’s dann wohl mit unserem Interview, oder?

Stewart: Nein, eine Frage noch.

Prima. Sie sind jetzt seit 40 Jahren ein Star. Was würden Sie einem jungen Künstler am Anfang seiner Karriere als Ratschlag mit auf den Weg geben wollen?

Stewart: Ich rate immer, sich selber nicht zu betrügen – man muss sehr engagiert sein in diesem Metier. Heute mehr als jemals zuvor. Es ist ein sehr schweres Geschäft, man muss auch Nackenschläge einstecken können. Und ganz nach oben kommen nur diejenigen, die sich ganz und gar dem Zirkus hingeben.

Mister Stewart, vielen Dank für das Gespräch.

Stewart: Gern geschehen, Carsten. Und viel Glück bei der Weltmeisterschaft!

 
 

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