Riskanter Geldzauber

Peter Hahne

Wenn es um Banken geht, haben wir uns längst an unvorstellbare Summen gewöhnt. Trotzdem: Die fast 500 Milliarden Euro, die die Europäische Zentralbank (EZB) gestern zu Mini-Zinsen an die Geschäftsbanken der Euro-Zone ausschüttete, bleiben außerordentlich.

Die EZB stellt 489 200 000 000 Euro aus der Notenpresse mit fragwürdigen Sicherheiten bereit, um einen neuerlichen Absturz der Finanzmärkte zu verhindern. Wird das gelingen? Vielleicht. Im besten Fall verhindert die Notenbank eine Massenpanik an den Kapitalmärkten, einen Einbruch der Wirtschaft und vielleicht sogar eine Deflation. In der besten aller Welten stellt der beherzte Eingriff zerstörtes Vertrauen wieder her und sorgt im Duett mit vernünftigen Reformen in Europa für eine Beruhigung der Märkte.

Es kann aber auch ganz anders kommen. Denn der Geldzauber kommt einer Operation am offenen Herzen gleich. Die EZB ist gestern noch tiefer in den Strudel der monetären Staatsfinanzierung geraten, sie setzt das Vertrauen der Bürger in den Euro weiter aufs Spiel. Mit noch mehr Geld kann man die Probleme Europas vielleicht noch etwas überdecken – lösen wird es sie nicht.