Ricky aus Buer gibt beim Tanzen den Takt vor

Locker aus der Hüfte: Bei Klassikern wie „In the Mood“ juckt es einfach in den Füßen. So wie etwa Marianne Schröder und Wilhelm Schmitz
Locker aus der Hüfte: Bei Klassikern wie „In the Mood“ juckt es einfach in den Füßen. So wie etwa Marianne Schröder und Wilhelm Schmitz
Foto: Klaus Pollkläsener
Was wir bereits wissen
  • Die Zeche Carl in Altenessen bittet seit über 25 Jahren zum Tanztee
  • Zum „Tanzcafé“ kommen Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet zusammen
  • Und Ricky G. Kunze aus Buer gibt immer den Takt fürs Tanzvergnügen vor

Buer. Tanzen macht Spaß, es hält fit, ist gut für die Gesundheit und gut für die Seele. Wahrscheinlich tanzen die Menschen, seit es Musik gibt: in Vereinen oder Tanzschulen, in Diskotheken, bei kühlem Pils oder auf heißen Kellerbar-Partys. Früher, also vor einigen Jahrzehnten, da ging man meist zum „Tanztee“. Gerne nachmittags und einfach nur, um artig zu schwofen, Leute kennenzulernen und sich zu amüsieren. Das kam zwar irgendwann aus der Mode, ganz verschwunden sind solche Veranstaltungen aber nie, hier und da werden sie sogar bewusst hochgehalten. Wie auf der Zeche Carl, wo der „Tanztee“ lediglich „Tanzcafé“ heißt – das aber schon seit über 25 Jahren. Dort darf Saxophonist Ricky G. Kunze aus Buer natürlich nicht fehlen.

„Carl tanzt – Tanzen Sie mit“. Das ist der Slogan, wenn sich an jedem zweiten und vierten Sonntag eines Monats viele Damen und zum Glück auch immer mehr Herren auf dem ehemaligen Bergwerk treffen, um, wie man so schön sagt, das Tanzbein zu schwingen. Seit einigen Jahren ist Markus Poganatz der Macher, organisiert die Musik und das Drumherum. Als der 47-Jährige in dem sozio-kulturellen Zentrum Zeche Carl einst vom Erzieher zum Veranstaltungskaufmann umschult, da liegt ihm gerade diese Veranstaltung besonders am Herzen. Und so bleib das „Tanzcafé“ und erfreut sich einer Beliebtheit wie zu allerbesten Zeiten.

Gut und gerne 100 und mehr Tanzbegeisterte, die sich regelmäßig vor Ort treffen. Und als die Veranstaltung neulich wieder mal auf einen Montag verlegt werden muss, weil der Sonntag der Totensonntag ist, da ist’s trotzdem recht voll.

Swing, Jazz, Lindy Hop

Ob’s auch am Motto liegt? Dominieren normalerweise Klassiker und Schlager, so setzt dieser Tag einen anderen musikalischen Schwerpunkt. Swing und Jazz stehen im Mittelpunkt – und sogar der legendäre Lindy Hop, ein Tanzstil aus den 1930er Jahren, Vorläufer von Jive, Boogie-Woogie und akrobatischem Rock ’n’ Roll.

60, 70 Menschen aus Essen, aber auch aus dem weiteren Ruhrgebiet sind gekommen, und auf der Bühne sorgt einer für die Musik, der sein Handwerk versteht. Begleitet von Schlagzeuger Boris Frenkel und einigen technischen Helferlein lässt Ricky G. Kunze sein blitzeblankes Saxophon tanzen. Ein herrlich pinkfarbenes Glitzer-Jackett, rote Fliege, weiße Lackschuhe und Inbrunst pur. „Ich kenne sie hier doch alle“, sagt der Mann, der vor Jahrzehnten einmal Musik am Essener Folkwang studierte. Und es geht gleich richtig los, weil sich zu Frank Sinatra oder Glenn Miller einfach auch gut schwofen lässt. „New York, New York“, „I’ve Got You Under My Skin“ oder „In the Mood“ – das Eis ist gebrochen, bevor es überhaupt frieren kann.

Herrlich, wie sich die Menschen amüsieren. Mit Anstand, mit Taktgefühl auch abseits der Musik. Klassische Aufforderung („Darf ich bitten?“), ein kurzer Diener, und auf dem Weg zur Tanzfläche reicht der Herr der Dame natürlich den Arm.

Viele, die Ricky G. Kunze aus Gelsenkirchen-Buer seit Jahren hinterherreisen wie früher die Teenies den Beatles. Das Paar aus Wanne-Eickel etwa, oder das aus Schwerte. „Der Kapellmeister ist einfach gut.“

Spaß nahezu ohne Ende haben auch Christel und Bernd Bruns aus Stoppenberg. „Wir haben immer den gleichen Tisch“, strahlen sie ein wenig außer Atem. Man kennt sich, viele lernten sich beim „Tanzcafé“ aber auch erst kennen. Gut oder sogar richtig gut. „Es gibt doch kaum noch was, wo man heute hingehen kann“, sagt Christel Bruns, „die Zeiten, als der Blumenhof in der Gruga oder die Weinstube gegenüber der Essener Lichtburg die Menschen anlockten, sind ja leider lange vorbei“.

Am Ende, auch das wissen die Gäste mehr als zu schätzen, gibt’s stets eine Rose für die Damen. Und auch Christiane Brühmann aus Kupferdreh, die seit langer Zeit ehrenamtlich beim „Tanzcafé“ an der Kasse steht und wie der 14-jährige Olli Gustrau mithilft, freut sich schon aufs nächste Mal: „Manche sind vielleicht in der Woche mal krank, aber niemals sonntags.“ Und montags auch nicht so häufig. Das nächste „Tanzcafé“ gibt’s übrigens am 11. Dezember ab 14.30 Uhr, und erneut wird Ricky G. Kunze den Takt vorgeben. Gut möglich, dass er auch Cindy & Bert spielt. „Immer wieder sonntags . . .“

 
 

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