Rentner zählen Autos auf NRW-Straßen

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Langenfeld.. An NRWs Straßenrändern sitzen derzeit Tausende Verkehrszähler. Ihre Zahlen sind die Basis für die Straßenplanung im Land. Mit rund 160.000 Fahrzeugen täglich ist die Autobahn 3 bei Köln die am stärksten befahrene Straße.

Wie gebannt schaut Walter K. auf die an ihm vorbei rauschenden Autos. Aus dem kleinen Gerät, das er in seiner linken Hand verbirgt, dringt nach jedem Wagen ein leises Klicken. Die Zahl auf dem kleinen Zähler steigt und steigt. „Das ist der abendliche Berufsverkehr, da ist hier einiges los“, sagt der 52-jährige Langenfelder, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. Wie er sitzen in diesen Tagen Tausende Verkehrszähler an nordrhein-westfälischen Straßen, um genau zu protokollieren, wie viele Fahrzeuge unterwegs sind.

„Wir machen das alle fünf Jahre“, sagt Bernd Löchter, Pressesprecher beim Landesbetrieb Straßenbau NRW. Mit Hilfe der Zählungen werde dann die Straßenplanung gemacht, geschaut, wo Straßen ausgebaut werden müssen oder vielleicht sogar neue Umgehungsstraße sinnvoll wären.

99 Pkws in einer Viertelstunde

Um einen umfassenden Überblick zu bekommen, stehen die Zähler an fast 9.500 Orten in ganz Nordrhein-Westfalen, auf Autobahnen, Bundes- und Gemeindestraßen. Allein an den rund 2.000 Kilometern Autobahn sind fast 1.000 Zählstellen eingerichtet. Vor allem Schüler, Studenten und Rentner beobachten von dort aus die vorbei fahrenden Autos und verdienen sich auf diese Weise ein kleines Taschengeld dazu. Allein in NRW kosten die Zählungen nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau rund 6,5 Millionen Euro.

Viele der Autofahrer, die auf der B 229 an K. vorbeifahren, bremsen merklich ab, wenn sie den Wagen des 52-Jährigen am Straßenrand stehen sehen. „Sie denken wahrscheinlich, ich sei von der Polizei“, sagt der Langenfelder und schmunzelt. Immerhin stand bis vor kurzem unweit von K.s Wagen entfernt auch ein Blitzer. „Da haben viele wahrscheinlich noch schlechte Erinnerungen“, vermutet der Verkehrszähler und wirft einen kurzen Blick auf die Armbanduhr.

„Eine Viertelstunde sitze ich jetzt hier und habe in eine Fahrtrichtung schon 99 Pkws gezählt, obwohl die Rush-Hour noch gar nicht angefangen hat“, sagt er. Dazu kommen andere Fahrzeuge wie Busse, Lkws oder Motorräder, die auf einer gesonderten Liste verbucht werden.

160.00 Fahrzeuge täglich auf der A 3 bei Köln

Vom hohen Verkehrsaufkommen auf den nordrhein-westfälischen Autobahnen sind diese Zahlen jedoch weit entfernt. Auf der A 3 bei Köln werden täglich rund 160.000 Fahrzeuge gezählt, wie Löchter berichtet. Damit sei der Abschnitt die am stärksten befahrene Straße in ganz NRW. „Und es ist auch bislang die einzige Straße, die auf acht Spuren ausgebaut wird“, ergänzt der Pressesprecher.

Welche Folgen die aktuelle Verkehrsüberwachung hat, wird sich noch herausstellen. Bis Ende September sollen die Zählungen jedenfalls abgeschlossen sein. „Ergebnisse wird es aber wohl nicht vor Anfang des kommenden Jahres geben“, schätzt Löchter. Und auch dann wird es noch lange keine neuen Straßenbaupläne geben. Bis die Entscheidung fällt, dass eine neue Straße gebaut werden soll, kann es nach Löchters Erfahrungen Jahre dauern. (dapd)

 
 

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