Reiterstellwerk ohne Schutz

Bahnhof Brügge Stellwerk
Bahnhof Brügge Stellwerk
Foto: Borchert

Lüdenscheid.. Die Stadt steht möglicherweise vor neuen Diskussionen, unter Umständen auch juristischen Auseinandersetzungen um den Denkmalschutz.

Das könnte der Fall sein beim „Reiterstellwerk“ auf dem Brügger Bahnhof, dessen Unterschutzstellung schon einmal auf der Agenda stand, als 2004 der Geschichts- und Heimatverein einen entsprechenden Antrag für das gesamte Ensemble einschließlich der Empfangshalle gestellt hatte.

Dieses eigentliche Bahnhofsgebäude gibt es bekanntlich nicht mehr. Was mit dem Stellwerk aus dem Jahr 1927 passiert, sei nun eine „offene Frage“, so der Kulturamtsleiter, Stefan Frenz, auf Anfrage der WR.

Im Dissens mit dem
Denkmalamt Münster

Das schiefergetäfelte und -bedachte Gebäude quer über die Gleisanlagen genießt immerhin einen bundesweiten Ruf unter Eisenbahnfreunden und befindet sich weiterhin in Bahnbesitz. Es handele sich „um das letzte markante Gebäude, das auf die ehemalige Bedeutung des ,Eisenbahnerdorfs’ Brügge im Volmetal verweisen kann. Denkbar ist eine Erhaltung als Museumsstellwerk, denn bei der Anlage handelt es sich um ein elektromechanisches Stellwerk“, hieß es noch 2008 in einem Leserbrief.

Davon gibt es in NRW nur noch sehr wenige – außer bei Modellbahnern: Das Brügger Stellwerk ist als originalgetreues Modell weiterhin über die Fa. Faller zu beziehen.

Viel konkreter ist ein anderer Fall – der der Umkleidekabinen an der Kaiserallee. Hier befürwortet das Westfälische Amt für Denkmalschutz den Eintrag in die Liste und den Erhalt des Holzgebäudes. Erst am 17. Juni hatte sich aber der Kulturausschuss dagegen ausgesprochen. denn für die Immobilie stehen keinerlei Nutzungskonzept, kein Käufer, dafür aber riesige Sanierungskosten in Aussicht. 460 000 Euro waren dafür vorab veranschlagt.

Am 20. September steht der Hauptausschuss vor der Entscheidung, ob er dem einstimmigen Beschluss des Fachausschusses folgt und sich damit gegen das Münsteraner Denkmalamt stellt. Das würde sich an die übergeordnete Stelle, das Obere Amt für Denkmalpflege wenden. Und schließlich könnte dann das Ministerium die Stadt anweisen, die baufällige Immobilie des nicht mehr genutzten Sportplatzes zu erhalten.

Letzter Ausweg wäre dann der Klageweg. Doch die rechtliche Situation ist im Vorfeld kaum abzuschätzen. Zuletzt, im Fall der Fa. Brüser, hatte die Stadt zunächst versucht, das Gebäude aus der Denkmalliste wieder zu löschen, war aber damit juristisch gescheitert.

Über drei Instanzen zog sich im Anschluss der Versuch des Eigentümers, die Übernahme durch die Stadt zu erwirken, weil eine wirtschaftliche Nutzung nicht realisierbar sei. Erst vor dem Oberlandesgericht gewann die Stadt schließlich den über Jahre währenden Prozess.

 
 

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