Rechte Schlagseite bei den Ruderern regt Olympia auf

Joachim Karpa

Sportlich hat niemand sie in London wahr genommen. Nadja Drygalla ruderte im Achter. Das Boot schied im Hoffnungslauf aus. Für die 23-Jährige waren die Olympischen Spiele damit zu Ende. Politisch sorgt die Rostockerin seit gestern für Aufregung. Überstürzt reist sie aus dem olympischen Dorf ab. Berichte sprechen davon, sie stehe in enger Verbindung mit Neonazis. Ihr Lebensgefährte ist in der rechten Szene offensichtlich kein Mitläufer, sondern in Mecklenburg-Vorpommern ein führender Kopf, einer, der verbal braune Brühe verbreitet und vor Gewalt nicht zurückschreckt. Er soll zu der Gruppe vermummter Gestalten gehört haben, die bei der Gedenkfeier in Rostock für die NSU-Opfer auf die Polizei losgegangen ist.

Die Vorwürfe sind schon länger bekannt

Die Vorwürfe, denen die Ruderin ausgesetzt ist, sind nicht neu. Ihr rechtsextremes Umfeld hat auch zum vorzeitigen Ende ihres Vorbereitungsdienstes als Polizeianwärterin im September 2011 geführt. Auf eigenen Wunsch, wie es aus dem Schweriner Innenministerium heißt, habe sie um ihre Entlassung gebeten. Im Internet kursierten Fotos von ihr mit Rechtsextremisten.

Sie distanziert sich eindeutig vom Nationalsozialismus. Glaubwürdig und zweifelsfrei, sagt der Chef der Mission der deutschen Olympiamannschaft, Michael Vesper. So gibt es keinen Grund für den vorschnellen Abschied aus London. Es geht um ihren Freund, nicht um sie. Vesper hat die Gefahr eines aufkommenden Neonazi-Skandals erkannt und mit der Reiseempfehlung im Keim erstickt. Eine rechte Schlagseite bei den Ruderern würde die Spiele empfindlich stören. Einen richtigen Satz hat der ehemalige Spitzenpolitiker der Grünen gesagt, es gehe nur um die Person selbst. Zu Recht - um die Ruderin Nadja Drygalla.