Rapper Michael Galla von der Ruhrpott AG ist tot

Michael Galla erzählte Geschichten aus einer besseren HipHop-Zeit. Authentisch wie kaum ein anderer Musiker war er für Generationen von Rap-Fans Inspiration und Institution. Am 10. August verstarb Galla im Alter von 38 Jahren.

Essen.. Sein erster musikalischer Erfolg liegt 13 Jahre zurück und war so groß, dass er nie mehr daran heranreichen konnte. Als Mitglied der Gruppe Ruhrpott AG (RAG) veröffentlichte der gebürtige Wattenscheider 1998 das Album „Unter Tage“. Kurz bevor sich Rap in Deutschland zur Massenattraktion entwickelte, setzte Michael Galla gemeinsam mit Karsten Stieneke („Aphroe“), Gabriel Saygbe („Mr. Wiz“) und Pahel Schulinus Brunis ein Werk in die Welt, das trotz der starken regionalen Prägung zu einem Klassiker des Genres wurde – vor allem wegen seiner hohen lyrischen Qualität. Frankfurt, Berlin, Stuttgart und Hamburg wetteiferten gerade um den Thron des Deutsch-Rap, doch die Ruhrpott AG ebnete mit „Unter Tage“ den Rappern aus dem Revier den Weg zu einem großen Publikum.

Emotionale Tiefe und atmosphärische Dichte

Aus dem Trio an den Mikrofonen stach Michael Galla bei RAG heraus. Die emotionale Tiefe seiner Texte und die atmosphärische Dichte machten seine Raps besonders. Doch auch die Technik des Vortrags war brillant, er brachte bis dato ungehörte Reimschemata in die deutsche Rap-Szene.

Die folgenden Alben – „P.O.T.T.E.N.T.I.A.L.“ von RAG (2001) und das nach seinem Umzug nach Berlin entstandene Soloalbum „Swing Kid“ (2005) – konnten in dem aufgeblasenen Genre nicht mehr an die Bedeutung von „Unter Tage“ heranreichen, gleichwohl wurden Gallas Texte noch vielschichtiger und bildhafter. In einem Moment schrieb er kryptische Passagen mit historischen Bezügen, im nächsten unterhielt er mit Wortwitzen im Stakkato.

Sein offensichtlicher Hang zur Mystik, vielleicht befördert durch den frühen Verlust der Eltern, führte dazu, dass sich Michael Galla in seinen Stücken häufig mit dem Tod befasste. Im Internet verbreiten trauernde Fans nun sein Lied „Götterboten“. „Was wird gehen, wenn sich Platten nicht mehr drehen? Was wird gehen, wenn Herzen einfach stillstehen?“, fragt Galla darin. Während sich seine Platten hier weiter drehen, wird er vielleicht die Antworten bekommen, die er so lange gesucht hat.

 
 

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