Psychologin bezweifelt Tatvorwurf im Missbrauchsprozess am Landgericht Bochum

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Im Missbrauchsprozess am Landgericht Bochum gegen einen Sozialarbeiter aus Dorsten hat die Psychologin des mutmaßlichen Opfers ausgesagt: Die Tochter (18) des Angeklagten habe in Gesprächen für Irritationen gesorgt, sagte die 43-Jährige. Sie bezeichnete die 18-jährige während der Vernehmung als Diva.

Dorsten/Bochum. Am fünften Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen den Dorstener Sozialarbeiter M. sagte zunächst die Psychologin des mutmaßlichen Opfers aus. Wie berichtet, wird M. vorgeworfen, seine Tochter zwischen 2001 und 2010 in elf Fällen sexuell belästigt, missbraucht, und vergewaltigt zu haben. Der 44-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Die Psychologin hatte die heute 18-Jährige während des Klinikaufenthaltes von Oktober 2010 bis Januar 2011 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marl-Sinsen betreut. Im klinischen Bericht hatte die 43-Jährige angegeben, dass die Patientin auf sie mittelpunktstrebend und theatralisch gewirkt hat und sie den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen fraglich findet. Bei Gericht bestätigte sie ihre Einschätzung. Sexueller Missbrauch sei in Marl-Sinsen zunächst kein Thema gewesen. Bei der stationären Aufnahme habe die Patientin die Frage danach sogar verneint.

Irritationen statt Anteilnahme

„Ich hatte immer das Gefühl, sie hatte eine Maske auf, eine lachende.“ So sei es mehrfach vorkommen, dass die Patientin von schlimmen Erlebnissen berichtet habe, als wenn sie einen Witz erzählen würde. Die Psychologin bezeichnet die Tochter des Angeklagten während der Vernehmung als Schauspielerin, als Diva. Sie sagt: „Sie hat bei mir keine Anteilnahme erreicht, sondern nur Irritationen ausgelöst.“ Gleichwohl habe sie sich schon häufiger selbst gefragt, warum sie die Aussagen nicht ernst nehmen kann. Das zwischenmenschliche Verhältnis beschreibt die Psychologin als „oberflächlich.“

Die Frage des Richters, ob sie sich vorstellen könne, dass die Tochter einen Bestrafungswillen stellvertretend für die Mutter haben könnte, bejaht die Psychologin. Schließlich sei die Gewalt des Vaters gegenüber der Mutter in Therapiegesprächen immer wieder Thema gewesen. Die Tochter war damals vier Jahre alt, als sie sah, wie die Mutter gewürgt wurde. „Dieses Trauma hat sie nicht verarbeitet“, erklärt die Psychologin.

Anschließend wurde der Lebensgefährte des Angeklagten gehört. Schon am Dienstag hatte er ausgesagt und seinen Lebenspartner entlastet. Die Anschuldigungen hatte er für „absurd“ erklärt.

Weiter geht es am heutigen Freitag. Die Tochter wird zum zweiten Mal gehört. Zwei zusätzliche Verhandlungstermine folgen, mit einem Urteil wird am 2.Oktober gerechnet.

 
 

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