Provokateur Thilo Sarrazin stellt sich stur

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Berlin.  Der Fall des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin sorgt weiter für Aufregung. Auslöser waren seine umstrittenen Thesen zu Muslimen und Juden. Die SPD will Sarrazin aus der Partei werfen.

Der Fall des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin sorgt weiter für Aufregung. Die SPD-Führung zieht Konsequenzen aus dessen umstrittenen Thesen zu Muslimen und Juden und will Sarrazin aus der Partei werfen. Die Partei setzte am Montag ein Ausschlussverfahren in Gang.

„Für uns ist das keine einfache Entscheidung gewesen“, be­tonte SPD-Chef Sigmar Ga­briel. Sarrazin habe viel für die SPD geleistet, nun aber eine „rote Linie“ überschritten. Die genetische Disposition be­stimmter Bevölkerungsgruppen mit deren Intelligenz und Bildungsbereitschaft zu verknüpfen, sei „hoch problematisch“ und „rassistisch“.

Buchvorstellung unter Polizeischutz

Sarrazin stellte am Montag vor der Bundespressekonferenz unter Polizeischutz sein neues Buch „Deutschland schafft sich ab“ vor – unter ge­waltigem Andrang in- und ausländischer Journalisten. Dabei verteidigte Sarrazin seine umstrittenen Thesen zur Integrationsunwilligkeit muslimischer Einwanderer und de­ren angeblich vererbter Dummheit.

Sarrazin führte auch vermeintliche wissenschaftliche Belege für ein „bestimmtes Gen aller Juden“ an. Mit dieser Theorie hatte er die Debatte zusätzlich angeheizt. Erst nach Bekanntgabe des Parteiausschlussverfahrens drückte Sarrazin schriftlich sein Be­dauern über „Irritationen und Missverständnisse“ aus. Mit seinen Äußerungen zur Genetik sei „keinerlei Werturteil verbunden“.

Berlins früherer Finanzsenator machte deutlich, er wolle in der SPD bleiben. Im Buch stehe nichts, „was den Parteiausschluss rechtfertigt“.

Bundesbank distanziert sich

Die Bundesbank distanzierte sich von Sarrazin. Dessen Äußerungen fügten dem Gremium schweren Schaden zu, teilte die Bank nach einer außerordentlichen Sitzung mit. Man werde nach einem Gespräch mit Sarrazin zeitnah über das weitere Vorgehen entscheiden.

Als ein „Horrorszenario, mit dem Ängste geweckt werden sollen“ bezeichnet Haci-Halil Uslucan, Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, die Sarrazin-These, Deutschland drohe eine Überfremdung, die Türken eroberten Deutschland durch eine höhere Geburtenrate. „In Deutschland leben zur Zeit 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime, das sind 5 Prozent der Bevölkerung. Studien belegen, dass Migranten der zweiten und dritten Generation sich bei der Geburtenrate der deutschen Bevölkerung angleichen“, sagte Uslucan dieser Zeitung. Sarrazins Äu­ßerungen würden von türkischen Einwanderern als „krän­kend und entwertend“ wahrgenommen.

 
 

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