Promis, zeigt her Eure Geldbörsen!

Essen. Ein Blick in die Geldbörse sagt viel über den Besitzer aus. Andenken, Glücksbringer, Quittungen und Tickets - oder etwa nur schnöder Mammon? Innenansichten bei Promis.

„Die Geldbörse ist wie eine Visitenkarte der Persönlichkeit“, behauptet Alfred Gebert. Der Wirtschaftspsychologe aus Münster hat in einer Studie sechs Portemonnaie-Typen beschrieben - vom Inhaber der „Luxus-Börse“ bis hin zum „Chaos-Typen“ mit vollgestopftem Portemonnaie oder dem unauffälligen Perfektionisten, dessen Kunstlederbörseninhalt fein säuberlich geordnet ist, ist alles dabei.

Unter dem Motto „Zeige mir dein Portemonnaie, und ich sage dir, wer du bist“ hat der Forscher Inneres wie Äußeres von Hunderten Geldbörsen unter die Lupe genommen. „Alles“, sagt er, „hat Aussagekraft!“. Fotos der Liebsten, Kreditkarten, Talismänner. Wer zu „trendigen Markenportemonnaies“ neigt, wechselt die Geldbörsen nach der Mode, hat immer Kleingeld und selten Bonusmarken dabei. Der „wertvolle Klassiker“ aus Leder signalisiert den Träger als ehrgeizig, aber zurückhaltend.

Während Männer funktionale Hosentaschenmodelle bevorzugen, tragen Frauen gerne ihr halbes Leben in der Geldbörse - wie eine Handtasche in mini. Sie sind gerne auf alle Eventualitäten des Lebens vorbereitet. Stimmt! Wir haben den unterschiedlichsten Menschen ins Portemonnaie geschaut - und Erstaunliches dabei herausgefunden. Viel Spaß beim Lesen!

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck: Ich vertraue auf Jesus

Franz-Josef Overbeck (46) trägt sein Portemonnaie nicht in der Hosen-, sondern in der Anzugjackentasche. „Seit ich Bischof von Essen bin, habe ich es aber überhaupt nur sehr selten dabei. Ich brauche es einfach nicht. Ich muss nicht mit dem Bus fahren, die täglichen Einkäufe erledigt zum Beispiel meine Haushälterin.“ Die Börse des Bischofs enthält aber auch ein durchaus weltliches „Kartenspiel“: „Die ADAC-Plus-Karte ist wichtig, wenn ich mal doch alleine mit dem Wagen unterwegs bin und ein Problem bekomme, die Miles-and-More-Karte habe ich noch nicht so lange, erst seit der letzten Südamerika-Reise.“ Auf den Rabatt mag er nicht verzichten.

Auf Glücksbringer im Portemonnaie schon. „Ich bin Christ. Ich vertraue allein auf Jesus. Einen besseren Schutz gibt es nicht. Nein, ich mag diese Dinge generell nicht. Als junger Kaplan sollte ich mit den Jugendlichen am Silvester-Abend auch mal dieses Bleigießen machen. Ich habe abgelehnt. Ich finde das heidnisch. Allerdings trage ich stets einen Rosenkranz in meiner Tasche.“

NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers: Zwei Frauen dabei

Zwei Frauen trägt NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers im Portemonnaie mit sich herum. Die eine, die deutlich jüngere, ist 15 Jahre alt und heißt Jacqueline - die Tochter von Rüdiger Oppers. Die andere, die ältere ist Maria, die Muttergottes. Die Abbildung zeigt das berühmte Gnadenbild von Kevelaer aus dem 17. Jahrhundert. Hunderttausende Pilger besuchen es jedes Jahr, beten zur „Trösterin der Betrübten“. Und immer mal wieder ist auch der Niederrheiner Rüdiger Oppers unter den Wallfahrern.

Stefan Zekorn, der gerade zum Weihbischof ernannt wurde, hat dem NRZ-Chef das Bildchen vor einem Jahr geschenkt. Auf der Rückseite wird gemahnt „die Wahrheit in Liebe“ zu tun. Was für Pilger richtig ist, kann für Chefredakteure nicht falsch sein. Im alten Jahr. Und im neuen...

Schulministerin Sylvia Löhrmann: Glückspfennig und eine Kordel aus dem letzten Wahlkampf

Eine grüne Ministerin setzt auf Nachhaltigkeit, auch wenn es um ihr Portemonnaie geht. Sylvia Löhrmann(53), seit Sommer 2010 NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin, hat in Sachen Geldbörse genau den Mittelweg zwischen Schönheit und Zweckmäßigkeit eingeschlagen. Die Börse ist aus schwarzem Leder und hat ein blumenartiges Ornament auf der Vorderseite, im wildledernen Innenteil sind die üblichen Fächer. Die Ministerin hat das Portemonnaie von einer Künstlerin anfertigen lassen, dafür halte es dann auch länger, das Vorgängermodell habe sie 15 Jahre mit sich herumgetragen.

Sylvia Löhrmann nennt ihre Geldbörse „unspektakulär“, doch der Inhalt, den sie in regelmäßigen Abständen „durchforstet und aussortiert“, erzählt so einiges. Da ist der Abgeordnetenausweis, ihre Visitenkarte, ein Einkaufszettel, handgeschrieben. Alles steckt geordnet in den Fächern, wo es hingehört. Da gibt’s - siehe Nachhaltigkeit - diverse Bahntickets, vor allem Mehrfahrtenkarten.

Eine kleine Schwäche hat Sylvia Löhrmann für ungewöhnliche Visitenkarten. Eine von einem Taxifahrer trägt sie bei sich, der hat auf seiner Karte den lateinischen Spruch abgedruckt: „Vita est peregrenatio“ - „das Leben ist eine fortwährende Pilgerfahrt“. Dieser Spruch wird heute übrigens im Sinne von „lebenslanger Weiterbildung“ gebraucht. Wenn das kein Zufall ist...?

Hat die Schulministerin einen Glücksbringer? Sie hat. In einem Minitäschchen steckt ein echter Glückspfennig, daneben eine grün-weiße Kordel: „Es war in Wuppertal im Landtagswahlkampf. Da kam ein Mann auf mich zu, offensichtlich aus einem anderen Kulturkreis, und gab mir diese Kordel. Er sagte, sie solle mir Glück bringen. Und das hat es ja wohl!“

NRZ-Reporter Matthias Maruhn: Für eine Handvoll Kwacha

Glückspfennige im Portemonnaie habe ich immer schnell verloren. So ein Pech auch. Ich halte eh wenig von Talismanen wie dem vierblättrigen Kleeblatt. Früher habe ich diesen Dingen Beachtung geschenkt, langjährige Erfahrungen haben mich desillusioniert. Die Dinger nutzen alle nichts. Das Glück kommt und geht, wie es ihm passt.

Allerdings habe ich seit drei Jahren stets einen Lieblingsgeldschein dabei. Geld aus Malawi, da war ich mal. Ich finde den Namen so witzig: Kwacha, Kwatscha ausgesprochen. „Ey Alter, haste mal nen Kwacha. Für eine Handvoll Kwacha. Drei Kwacha zwanzig.“ Toll. Aber wie so oft trügt der Schein. Er ist hübsch, aber nicht viel wert, 50 Kwacha sind nur ein paar Cent.

Ich sammele auch Zettelchen. Quittungen, Telefonnummern ohne Namen. Und ein Sanifair-Kärtchen, ein Klo-Wert-Bon vom Rastplatz. Für 50 Cent kann ich mir was kaufen. Ich muss den dringend mal eintauschen. Mit ein bisschen Glück denk ich dran.

TV-Star Ludger Stratmann: Wehe, der Ausweis fehlt!

Es geschah im vergangenen Jahr beim Gastspiel in Lingen. Als Theatermacher und TV-Comedian Ludger Stratmann in die Garderobe zurückkam, war sein Portemonnaie weg. Geklaut. „Bis ein Uhr nachts saß ich auf der Wache und sah einem Polizisten zu, wie er mit Ein-Finger-Suchsystem die Anzeige aufnahm.“ Alle Papiere musste Stratmann neu beantragen - auch den Ehrenausweis vom Karnevalsverein „Böse Geister“ in Münster. „Wenn ich einen Vereinskollegen treffe und kann den Ausweis nicht zeigen, muss ich ihm und seinen Begleitern eine Runde spendieren.“ Beim Urlaub auf Norderney ist ihm das mal passiert. Acht Freunde hatte er im Schlepp. „Das wurde ein teurer Spaß!“

NRZ-Redakteurin Cornelia Färber: Gruß von ganz oben

Nein, ich bin eigentlich nicht abergläubisch. Höchstens ein ganz kleines bisschen...

In meinem Portemonnaie herrscht ein Chaos aus Quittungen, Erinnerungsschnipseln, Fotos, z.B. von meinem Sohn, als er 14 war, zerknubbelten Geldscheinen, viel zu vielen Münzen, einem alten Führerschein, der den Namen „Lappen“ noch verdient.

Und dann ist da noch eine sehr alte Anzeige: Vor fast 25 Jahren, 1986, las ich morgens in der Zeitung meine eigene Todesanzeige. Nach dem ersten Schreck erkannte ich, dass eine alte Dame gleichen Namens verstorben war. Und doch - den eigenen Namen so schwarz auf weiß zu lesen.... Dann fiel mir der Spruch ein: „Totgesagte leben länger“, bekanntlich aus der Bibel, als Jesus Lazarus zum Leben erweckte. Ich schnibbelte die Anzeige aus. Seitdem trage ich sie bei mir. Immer im Portemonnaie, mittlerweile ist sie zerfleddert, vergilbt und mit Tesafilm geflickt. Wenig makaber, aber auch schön ist die Geschichte meines „Bottisatwas“ aus China, meines ganz persönlichen Schutzpatrons, den ich auf einem Kärtchen bei mir habe. In einem Tempel in der Provinz Sichuan stehen 333 heilige Porzellanmänner, nach einem ganz besonderen Zählritual findet man denjenigen, der zu einem passt. Mein Bottisatwa war übrigens zu Lebzeiten ein Schriftgelehrter. Das fand ich sehr hübsch.

Fußball-Idol Willi „Ente“ Lippens: Die Liebste mit 19

Willi „Ente“ Lippens Willi „Ente“ Lippens

Willi „Ente“ Lippens (65), Fußball-Idol aus Bottrop, hat drei echte Glücksbringer in einem ansonsten ziemlich aufgeräumten Portemonnaie. Kaum Kredit-, keine Visitenkarten. Aber: 1/2 Dollar von 1979 aus Dallas, von einem US-Kumpel aus Fußballerzeiten. Einen weiteren Dollar hat er in Las Vergas beim Black Jack gewonnen. Das Wichtigste: das Passfoto seiner Frau Monika - als 19-Jährige!

 
 

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