Probleme im Winter: Schnee, Müll und Hochwasser

Linda Fischer
Vielerorts kommen die Wagen der Müllabfuhr einfach nicht voran. Dann türmt sich der Abfall an den Straßen - so wie hier in Hagen.
Vielerorts kommen die Wagen der Müllabfuhr einfach nicht voran. Dann türmt sich der Abfall an den Straßen - so wie hier in Hagen.
Foto: WP Michael Kleinrensing

Essen. Der Winter zieht sich hin. An Rhein und Ruhr, im Sauer- und im Siegerland türmen sich Schnee- neben Müllbergen, finden Autofahrer keine Parkplätze und Fußgänger keinen sicheren Tritt. Ein Ende ist in Sicht: Für das Wochenende ist Tauwetter angesagt.

Glatte Straßen, nicht geräumte Wege: Nicht wenige Essener sind verärgert, dass ihre Stadtverwaltung das Schneechaos nicht in den Griff zu bekommen scheint - und das schon seit Wochen. Anstatt sich jedoch darüber nur passiv zu ärgern, zogen inzwischen mehrere Essener Konsequenz: Sie erstatteten Anzeige gegen die Stadt, weil diese in ihren Augen ihrer Räum- und Streupflicht nur ungenügend nachgekommen war. Aussagen der Stadt zufolge hält sich momentan die Zahl der Klagen, die bis jetzt beim Rechtsamt eingegangen sind, noch gering. „Wir rechnen jedoch noch mit einem Boom in den nächsten Wochen“, sagt Michaela Lippek, Sprecherin der Stadt Essen. Eine direkte Auswirkung auf das Verhalten der Stadt hätte eine solche Klagewelle jedoch nicht, meint Lippek.

Zur „Krisensitzung Schnee“ treffen sich derweil am Dienstag Vertreter von Polizei und Feuerwehr, dem städtischen Tiefbauamt und den Entsorgungsbetrieben und der Evag. Ziel des Gesprächs ist eine Bestandsaufnahme von Pannen in Winterdienst und Öffentlichem Personennahverkehr, aber auch die Suche nach Lösungen und Strategien für kommende Wintereinbrüche. „Ohne Schuldzuweisungen“, so Michaela Lippek vom Presseamt, wolle man diskutieren. Denn noch immer türmen sich Schneemassen an den Straßenrändern. Anwohner schieben den Schnee vom Bürgersteig auf die Straße, die Räumfahrzeuge tun das Ihrige, kehren den Schnee auf die gleichen Haufen. Die Folge: Kaum mehr Parklücken sind zu finden.

Zunehmend rücksichtsloser quittieren dies Autofahrer, parken so, dass Straßenbahnen und Busse die durch Schneeberge verengten Straßen nicht mehr passieren können. Ebenso bemühen sich die Entsorgungsbetriebe, die Ausfälle der Müllabfuhr aufzuarbeiten. „Wir werden bis zum Samstag alle Touren nachgefahren haben“, erklärte Rolf Friesewinkel, Hauptabteilungsleiter bei den Entsorgungsbetrieben (Ebe). Eingesetzt werden in schmalen Seitenstraßen 17 kleinere Laster, um auch die Haushalte zu erreichen, die in den vergangenen Wochen nicht angefahren werden konnten. Zudem hätten zahlreiche Bürger von dem Angebot der kostenlosen Hausmüll-Annahme an den Recyclinghöfen Gebrauch gemacht. „Montag wird alles wieder nach dem gewohnten Einsatzplan laufen“, ist sich Friesewinkel sicher. Von den Ausfällen betroffen waren vorwiegend die Anwohner von Seiten- und Nebenstraßen.

Müllabfuhr kämpft mit Glatteis auf Nebenstraßen

In Mülheim räumen Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe (MEG) seit Montag gründlich auf. Die MEG hat in der Stadt rund 220 Depotcontainer für Altpapier, die normalerweise ein bis dreimal pro Woche geleert werden. Normalerweise: „An die meisten kommen wir derzeit nicht ran“, bittet Jürgen Jeppel, Geschäftsführer der Mülheimer Entsorgungsbetriebe, die Bürger um Verständnis. Dass die Leute ihre Kartons und ihr Altpapier „haufenweise neben die Container“ stellen, mache die Situation nicht leichter. Derzeit beseitigen MEG-Mitarbeiter das neben den Containern liegende Altpapier, um Platz für die so genannten „Überkopflader“, (die schweren Spezialfahrzeuge, mit denen die Container geleert werden) zu schaffen. Wenn man das Altpapier erst einmal im Auto habe, könnte man es ja auch zum Recyclinghof fahren, schlägt Jeppel vor. Nach und nach würden die Container zur Leerung jetzt aber angefahren, sagt Jürgen Jeppel, es komme aber auf den Standort an. Das gilt auch für die „normale“ Müllabfuhr: „Wir haben noch immer Schwierigkeiten in Nebenstraßen, wo es noch sehr glatt ist“, sagt der MEG-Geschäftsführer. „In der letzten Woche haben wir drei Müllfahrzeuge aus dem Graben holen müssen“. Und in viele Straßen komme man auch mit dem Schneeschieber nicht mehr rein, weil die Autos zu weit zur Straßenmitte hin parkten.

Auch in Witten quellen seit Wochen die Gelben Tonnen über. Die Wittener sind verärgert: „Man fühlt sich hier inzwischen wie am Ende der Welt“, sagt die verärgerte Anwohnerin. Doch das Ende der Welt hätte man sich ganz anders vorgestellt. Denn schließlich liegt die Siedlung recht innenstadtnah zwischen Annen- und Ardeystraße. „Wir sind besonders in kleinen Straßen im gesamten Stadtgebiet nach den Schneefällen und dem Eis der letzten Wochen mit der Müllentsorgung in Verzug“, räumt Vize-Betriebsamtsleiter Thomas Bodang ein. „Aber wir arbeiten das auf und haben jetzt zwölf statt zehn Wagen im Einsatz. Und zur Not werden wir die Termine auch am Samstag nachholen“, ergänzt Bodang.

Anderswo ist der Schnee die perfekte Kulisse: Zum neunten Mal wird Düsseldorf zum Austragungsort eines Ski-Weltcups. An diesem Wochenende startet die Elite der Langläufer am Rheinufer - erstmals bei echten Winter-Verhältnissen. In den vergangenen Jahren gab’s meist nur Regen. Die frostige Witterung erleichterte die Pistenpräparierung. Nur 2500 statt sonst 3500 Kubikmeter Kunstschnee mussten aus der Skihalle Neuss angekarrt werden, um das 800 Meter messende weiße Band und damit die längste Loipe der Sprint-Saison zu ziehen. Die führt diesmal auch über den Burgplatz, wo ein 1000 Quadratmeter großes Partyzelt aufgebaut ist.

Im Sonnenschein sieht Schnee besonders schön aus. Die warmen Strahlen tauen die weiße Pracht aber an und lassen die Eiszapfen an den Dachrinnen wachsen – gefährlich für jeden, der darunter hergeht. Die Methode, die ein Mann aus Unna-Königsborn gestern am frühen Nachmittag an seinem Haus an der Platanenallee vornahm, um die Zapfen los zu werden, war noch gefährlicher. Mit einem Gasbrenner versuchte er, sie wegzutauen. Folge: Unterm Dach entwickelte sich ein Schwelbrand.

Tauwetter lässt den Rheinpegel steigen

In wenigen tagen soll der weiße Spuk aber erst mal vorbei sein: Für das kommende Wochenende kündigen die Meteorologen Tauwetter an. Auf bis zu zehn Grad klettert das Thermometer an Rhein und Ruhr. Für Städte und Dörfer am Rhein bedeutet das: Vorsicht, Hochwasser. „Die Höchstwerte liegen im Düsseldorfer Raum“, sagt Roland Vögtlin vom Wetterdienst Meteomedia. „Zusätzlich zum Tauwetter wird es Regenfälle geben.“ Dann, so der Wetterexperte, muss man den Rhein im Auge behalten. „Es könnte zu einem Wechselspiel kommen“, erklärt Vögtlin. „Der Schnee nimmt zwar einiges an Niederschlägen auf, aber wenn er schmilzt, ist ein erheblicher Anstieg des Rheinpegels zu befürchten.“ Im gleichen Atemzug warnt er aber davor, verfrüht in Panik auszubrechen: „Man muss jetzt einfach abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.“

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz dagegen schätzt die Hochwassergefahr als „sehr real“ ein. Laut Pressesprecher Peter Schütz kommt es zu „einer Kombination aus zwei Ereignissen“: Das eine sei die einsetzende Schneeschmelze, das andere der ab Donnerstag einsetzende „lange und ergiebige Regen“. Allerdings habe das Landesamt, so Schütz, derzeit noch keine Übersicht und kann daher noch nicht beurteilen, wo die Gefahr besonders groß sei. „Man kann sich trotzdem jetzt nicht mehr rausreden und am Montag über das Hochwasser überrascht sein“, konstatiert der Pressesprecher. „Die Autofahrer, die ihre Wagen am Rheinufer parken, sollten sich eventuell am Wochenende schon mal nach neuen Parkplätzen umsehen.“