Politische Schattenspiele hinter Lichtkunst

Lars Reckermann
Foto: Henryk Brock

Unna. Der Vorsitzende des Lichtkunstzentrum-Trägervereins, Hans-Joachim Claussen, ist eine Woche vor der entscheidenden Jahreshauptversammlung des Vereins als Vorsitzender zurückgetreten. Monatelang spielte sich im Schatten der Lichtkunst ein Machtkampf ab, den Claussen am Ende verlor.

Aus Lichtkunstzentrum soll eine GmbH werden

Die Geschichte hat alles, was die Polit-Bühne zu bieten hat. Es geht um den Vorsitz in einem international anerkannten Museum. Es geht um Streitereien innerhalb eines Vereins, um Koalitionen von aktiven und reaktivierten Politikern. Letztendlich gipfelte der Machtkampf im Hinterzimmer des Rathaus-Ristorantes. Während der Großteil der Gesellschaft Pasta bestellte, sagte an diesem Tag der Jurist Claussen „Basta!“.

Claussen ist seit der Gründung des Trägervereins im Jahre 2003 dessen Vorsitzender gewesen. Dass das Museum mit dem anfänglich umstrittenen Turrell-Werk „Camera Obscura“ inzwischen 20 000 Besucher pro Jahr zählt, honorieren ihm selbst seine Kritiker. Doch Kräfte innerhalb des 39 Mitglieder starken Vereins arbeiteten auch gegen ihn. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde dem Vorstand die Entlastung verweigert. Zwar hatte ein Wirtschaftsprüfer dem Verein ordnungsgemäße Arbeit bescheinigt, einige Mitglieder sahen sich aber nicht umfassend über die Zahlen informiert und nahmen den Vorstand in die Pflicht.

Ehrenvorsitz für
Claussen geplant

In Vorbereitung auf die Jahreshauptversammlung am kommenden Mittwoch überschlugen sich dann die Ereignisse. Die Stadt hat inzwischen großes Interesse, das Internationale Lichtkunstzentrum breiter aufzustellen. Statt nur von einem Verein gelenkt zu werden, soll das viel beachtete Museum in eine GmbH umgewandelt werden – mit der Geschäftsführerin Prof. Ursula Sinnreich. Der Trägerverein soll weiter als Förderverein agieren.

Diese Idee wurde am vergangenen Montag dem Vereinsvorstand mitgeteilt. Im Zimmer des Bürgermeisters Werner Kolter kamen neben Claussen und Dr. Jänig auch der Vize-Vorsitzende Dr. Achim Middelschulte, Klaus Dunker und Prof. Ursula Sinnreich zusammen. Man einigte sich darauf, den Vorstand erst einmal für ein Jahr zu wählen. Dieses Jahr wolle man nutzen, um überregional renommierte Persönlichkeiten, etwa ehemalige Landesminister, für die Arbeit im Zentrum zu gewinnen. Claussen sollte und wollte Vorsitzender bleiben.

Zudem gab es zuvor Gespräche. Die Vereinssatzung sollte dahingehend geändert werden, dass die Zahl der Beisitzer von zwei auf drei erhöht wird. Dr. Klaus Berndsen war als dritter Mann neben den bereits amtierenden Beisitzern Michael Hoffmann und Klaus Dunker im Gespräch.

Für Dienstagabend, 20 Uhr, wurde Claussen dann ins Rathaus-Restaurant bestellt. Im Hinterzimmer kam es zum Bruch. Claussen sollte nur noch Ehrenvorsitzender werden, heißt es. Gemeinsam speisen wollte Claussen mit Jänig, Hoffmann, Berndsen dem Wirtschaftsprüfer und zwei weiteren akademischen Vereinsmitgliedern auf jeden Fall nicht. Er verließ um 21.30 Uhr den Tisch und ging tags darauf zum Amtsgericht, um sich selbst aus dem Vereinsregister zu streichen.

Mittwoch erhielten die Vereinsmitglieder ihre Einladung zur Jahreshauptversammlung. Die Entlastung des Vorstandes und die Satzungsänderung sind keine Tagesordnungspunkte, dafür die Neuwahl des Vorstandes.