Politik lässt die Schule bis 2023 in Ruhe

Endlich wissen die Eltern, wie die Schullandschaft in NRW künftig aussehen soll. SPD, Grüne und CDU haben ihren Streit beigelegt und sich auf die neue Sekundarschule geeinigt. Die Gemeinschaftsschule ist beerdigt, die Verbundschule auch.

Düsseldorf.. Der Schulkonsens ist perfekt: In NRW wird eine neue „Sekundarschule“ für die Jahrgänge 5 bis 10 eingeführt. Sie schreibt das gemeinsame Lernen mindestens in den Klassen 5 und 6 vor, ­bietet aber keine eigene gymnasiale Oberstufe an. Um ihren Schülern den in der ­Regel neunjährigen Bildungsgang zum Abitur zu ermög­lichen, muss die Sekundarschule mit der Oberstufe eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder eines Berufskollegs kooperieren.

Auf diesen Kompromiss, der bis 2023 halten soll, einigte sich die rot-grüne Koalition mit der CDU. Damit wird die „Gemeinschaftsschule“ von SPD und Grünen nicht wie vorgesehen umgesetzt. Im Gegenzug verzichtet die CDU auf die Verbundschule. Die Garantie für die Hauptschule wird zwar aus der Verfassung gestrichen. Es wird aber keine der bestehenden Schulformen von Landesseite abgeschafft. Nach der vereinbarten Verfassungsänderung gewährleistet das Land künftig sowohl ein gegliedertes Schulsystem als auch integrierte Schulformen.

Lob von allen Seiten

Die Spitzen von SPD, CDU und Grünen, die ihr Konzept gemeinsam vorstellten, zeigten sich zufrieden. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach von einer „historischen Verständigung“, bei der alle Seiten sich hätten ­bewegen müssen. CDU-Landeschef Norbert Röttgen lobte den „langfristigen Schulkonsens“. Es werde „definitiv ­keine Einheitsschule geben“.

Die neue Sekundarschule muss nach Angaben von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) mindestens dreizügig sein. Die zweite Fremdsprache in Jahrgang 6 ist nicht mehr vorgeschrieben. Um den Weg zum Abitur offenzuhalten, wird sie aber in Klasse 8 erneut angeboten. Über die Ausgestaltung der Schule nach Klasse 6 wird vor Ort entschieden. Das neue Schul­gesetz soll bis November verabschiedet werden, damit es Planungssicherheit fürs Schuljahr 2012/13 gibt.

Das Verhandlungsergebnis erntete viel Beifall. „Der Gordische Knoten ist gelöst“, sagte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Die Organisation der Gesamtschulen lobte einen „mutigen Schritt“.

FDP lehnt Kompromiss ab

Grundsätzliches Lob mit gewissen Einschränkungen kam vom Verband lehrer.nrw. Das gemeinsame Lernen an Sekundarschulen bedeute „die Gefahr einer Unterforderung starker Schüler und einer Überforderung schwächerer Schüler“, sagte die Vorsitzende der Lobbyorganisation der Realschullehrer, Brigitte Balbach.

Die FDP lehnt den Kompromiss ab. Das Konzept sei „eine Bedrohung für das vielfältige, gegliederte Schulwesen in NRW“, teilten der FDP-Landesvorsitzende Daniel Bahr und FDP-Fraktionschef Gerhard Papke mit. Die neue Sekundarschule bleibe beim rot-grünen Modell einer vollintegrativen Schule, kritisierten die beiden Liberalen. Sie fürchten, dass „wettbewerbsfähige Realschulen und Gymnasien in NRW in Zukunft strukturell ausgetrocknet“ werden. (mit dapd)

 
 

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