Plastinator Gunther von Hagens zeigt tote Tiere im Kölner Zoo

Annika Fischer
Körper als Schaubild: Fünf Montate gastiert die Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ mit 20 Ganzkörper-Plastinaten im Kölner Zoo. Im Bild: Elefant Simba, das größte Plastinat der Welt. (Foto: Kai Kitschenberg/ WAZ FotoPool)
Körper als Schaubild: Fünf Montate gastiert die Ausstellung „Körperwelten der Tiere“ mit 20 Ganzkörper-Plastinaten im Kölner Zoo. Im Bild: Elefant Simba, das größte Plastinat der Welt. (Foto: Kai Kitschenberg/ WAZ FotoPool)
Foto: WAZ FotoPool
Der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens hat seine „Körperwelten“-Schau auch auf Tiere ausgeweitet. Jetzt gastiert die Schau im Kölner Zoo. Ein Kabinett mit toten Bären, Kühen, Pelikanen und einem Elefanten.

Köln. Alle Kinder wollen in den Kölner Zoo. Wegen Rajendra. Eine Woche ist das Elefantenbaby alt, und wie lebhaft! Und nun steht ein paar Meter weiter Samba, die ist tot. Ein Dickhäuter, dem sie die dicke Haut abgezogen haben, nackt, aufgeschnitten, und das Hirn liegt ihm zu den Hufen. Gunther von Hagens „Körperwelten der Tiere“ gastiert im alten Elefantenhaus.

Der Professor aus Heidelberg plastiniert nämlich nicht mehr „nur“ Menschen, er hat im letzten Jahr erstmals auch tierische Leichen, in Kunststoff gehärtet, ausgestellt. Und wie die Leute auch gestritten haben über seine menschlichen Untoten in Silikon, über die Vierbeiner sagen sie nichts. Die Würde des Tieres? Da fragt vor dem Essen ja auch keiner nach.

Und Kuratorin Angelina Whalley, die zugleich die Gattin des erkrankten Plastinators ist, beeilt sich zu betonen, dass „keines extra getötet worden“ sei.

Samba zum Beispiel, der Mehr-als-drei-Tonnen-Elefant, überlebte eine Herzkreislauf-Schwäche nicht. Sie brauchten zweieinhalb Jahre und vier Tonnen Silikon, um sie zu erhalten.

Die Gedärme hängen neben den Tieren

Und Artis, ein Gorilla von stattlichen 1,85 Metern und einem imposanten Bauch, verendete einst tragisch in einem Wassergraben des Zoos von Hannover. Einer Bananenstaude gleich hängen seine Gedärme neben ihm im Baum. „Organpaket“ heißt das bei den „Körperwelten“, es gibt das auch vom Rentier, vom Kleintier und hinter Glas von der Katze ein Gehirn.

Der Teddybär hat noch ein paar Puscheln an den Ohren, der Stier etwas Fell über dem Schinken. So kann jeder erkennen, was sie einmal waren, und überhaupt sehen die toten Tiere aus, wie eben aus dem Leben gesprungen: die Ente im Abflug, der Bock auf den Hinterbeinen und das Schäfchen – ach, es sind überhaupt viele Tierkinder da.

Rot ist das alles, wie Fleisch nun mal ist, die Tiere sind ja nur noch Sehnen und Muskeln, und manchmal roter als rot, wo Gunther von Hagens Farbe in die Adern laufen ließ. „Gefäßplastiken“, nennt das Zoodirektor Theo Pagel, der begeistert ist, von „fantastischen Einblicken“ spricht er, man könnte „unter die Haut eintauchen“: „Ein naturwissenschaftliches Museum!“ Und das ist auch der Anspruch der Macher, die das „Wunderwerk der Natur“ zeigen wollen und werben für die Achtung der Lebensräume, sagt Angelina Whalley. Deshalb haben sie ja „einzelne Körperabschnitte explantiert, um einen Einblick in die Lagebeziehung der Knochen, Muskeln und Organe zu ermöglichen“. Viel ist da von der Faszination des Lebens die Rede.

Und was ist mit der Faszination des Schrecklichen? Jeder Zoobesucher sei sich darüber im Klaren, sagt Theo Pagel, was er im Elefantenhaus sehe. Außerdem seien zerfetzte Menschen in allen Medien zu sehen und „nur selten ein Problem“. So künstlich wirkten überdies die Plastinate: „Den ,Igittigitt’-Charakter gibt es nicht.“ Was noch zu beweisen wäre. Denn da sind diese Mädchen, vorsichtig lugen sie um die Ecke, „cool“, sagt eins, und: „Waren die wirklich tot?“ „Übel“, finden die Kinder und biegen dann doch lieber ab zu den Elefanten. Den lebenden.