Plan B wie Barkenberg

Foto: WAZ FotoPool
Gerhard Sixtus hat den Plan mitentwickelt, der Grundlage für den Stadtteil Barkenberg wurde. Am heutigen Montag wird Sixtus 85 Jahre alt

Barkenberg.  Gerhard Sixtus kannte Barkenberg schon, da stand dort noch kein Stein. Er kannte aber die Landschaft, wo die „Neue Stadt Wulfen“ entstehen sollte und die Idee: Sixtus hat am Berliner Lehrstuhl von Architektur-Professor Fritz Eggeling den Plan mitentwickelt, der 1961 den Städtebauwettbewerb gewonnen hat und Grundlage wurde für Barkenberg. Heute wird der Planer (seit vier Jahrzehnten selbst in „seiner“ Stadt zu Hause) 85 Jahre alt.

Eine Stadt für 54 000 Menschen

Als der Wettbewerb ausgeschrieben war, neben einer neuen Zeche eine neue Stadt zu bauen, reichte Fritz Eggeling die Aufforderung an den ältesten seiner drei Assistenten weiter. „Sixtus, lesen Sie mal“, sagt er. Gemeinsam mit Hans Hansen und Hans Stumpfl machte sich Sixtus an die Arbeit. „Wir waren erfreut, so eine große Aufgabe anpacken zu dürfen.“ Entwerfen sollten sie „eine richtige Stadt für 6000 Bergleute und Mantelbevölkerung“, erinnert sich der Planer. Einschließlich Altwulfen groß genug für 54 000 Menschen.

„Am Grünen Tisch können wir das nicht machen“, entschied das Trio mit seinem Professor. „Wir haben das Areal durchforstet, fotografiert – und festgestellt, was für ein Juwel das ist: Diese gesunde Landschaft mit ihren leichten Anhöhen. Die hatte so etwas Geheimnisvolles. Fast zu schade, hier eine Stadt zu bauen.“

Trotzdem: Als die Jury im November 1961 den Eggeling-Plan unter 50 Mitbewerbern zum Sieger erklärte, „da haben wir gefeiert. Das war unglaublich. Ich glaube, wir waren alle betrunken“, erzählt Sixtus lachend.

Danach war das Projekt Barkenberg für einige Zeit nicht mehr seins. Er war mit anderen Plänen beschäftigt. „Den Vorlauf von der Idee zur Ausführung habe ich nicht mitgemacht“, erzählt Sixtus. Erst 1965 kam er als Leiter der Arbeitsgruppe Hochbau zur Entwicklungsgesellschaft Wulfen (EW). Und stellte fest, dass es Änderungen gab im Konzept.

Interessen der Baukonzerne

Baukonzerne hatten durchgesetzt, dass mehr Hochgeschosser gebaut werden. „Und es führte kein Weg an den Bauträgern vorbei“, so Sixtus. Laut Wettbewerb sollten eigentlich 50 % der 13 000 neuen Wohnungen Eigentum sein, freistehend oder in Reihe. Die Mehrfamilienhäuser sollten höchstens drei oder vier Etagen haben und nur ein geringer Anteil bis in den achten Stock aufragen.

Dass der Stadtumbau, finanziert aus einem NRW-Programm, nach 2007 die meisten dieser Türme abrasiert hat: „Das hat hergestellt, was ursprünglich geplant war. Man kann nur dankbar sein, dass das Land ein zweites Mal in die Tasche gegriffen hat“, urteilt Gerhard Sixtus. Das manche Experimentalbauten nicht gelungen sind – Ladenzeile, Metastadt, Habiflex – gibt er unumwunden zu. Dennoch hält er Barkenberg für gelungen: „Die Grundplanung, Ökologie, Verkehrskonzept – das sind die Grundpfeiler, die das Gerüst tragen und die bis heute sichtbar sind. Unsere Landschaftsplaner damals waren den Grünen eine Generation voraus.“

Ganz nebenbei blieb Sixtus selbst in Barkenberg. Er kam als Junggeselle. Lernte seine Frau Monika kennen. Heiratete. Entwarf selbst das Haus, das die junge Familie 1972 bezog. Gerhard Sixtus lacht. „Wir sind hier sesshaft geworden. Und für die Kinder haben wir ein fantastisches Umfeld geschaffen.“ Nicht nur ein Haus mit Garten, sondern gleiche eine kleine Stadt.

Welcher Familienvater kann das schon von sich sagen . . .

 
 

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