Pferde, Clowns und Akrobaten zum Roncalli-Jubiläum

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"Die größte Poesie des Universums“ lautete der Titel des ersten Roncalli-Programms, das 1976 seine Welturaufführung erlebte. Kein geringer Anspruch, den Jungdirektor Bernhard Paul seinerzeit formulierte. 35 Jahre später darf man dem Manegen-Impresario zu einer einzigartigen Erfolgsstory gratulieren.

Dass die Poesie im Roncalli-Zelt noch immer unendliche Ausmaße hat, beweisen Bernhard Paul und sein Ensemble mit ihrem Jubiläums-Programm in Recklinghausen. André Heller sollte also doch nicht Recht behalten. „Die Poesie ist tot!“, verkündete der Wiener nämlich nach der ersten Saison des Circus Roncalli, den Heller zuvor gemeinsam mit Bernhard Paul aus der Taufe gehoben hatte. Man trennte sich im Streit, und Paul dirigierte die Geschicke unter der Zeltkuppel fortan im Alleingang.

Er tut dies mit viel Fortune, auch wenn die Anfänge zunächst holprig sind. Zwischenzeitlich muss der Handwerkersohn aus Österreich sein junges Zirkusunternehmen mit Clown-Auftritten in Kaufhäusern über Wasser halten. Nach Anbruch der 80er Jahre geht es dann jedoch steil bergauf: „Die Reise zum Regenbogen“ heißt das Programm, das den Ruf des Circus Roncalli begründen soll. 1984 gastiert Roncalli alleine in Berlin vier Monate am Stück und verzeichnet dabei insgesamt 350 000 Besucher.

„Höchstleistungen alleine reichen für eine Roncalli-Inszenierung nicht aus“, erläutert Bernhard Paul, der Direktor, Clown und Regisseur in Personalunion ist, sein Erfolgsrezept. „Erst die verbindende Dramaturgie, das poetische Geschichten-Erzählen und die harmonische Einheit von Artistik und Musik machen das perfekte Programm aus.“

Mit der neuen Inszenierung bleibt sich Paul treu: Unter dem Motto „35 Jahre Circus Roncalli“ paart sich Manegen-Poesie mit spektakulärer Akrobatik. Was dabei nicht fehlen darf, sind natürlich die Clowns – schließlich setzte sich Bernhard Paul einst selbst die rote Nase des dummen August auf und kreierte mit Zippo seine eigene erfolgreiche Spaßmacher-Figur. Als Star unter den Possenreißern gibt in Recklinghausen nun David Larible den Schelm in der Manege. Der Italiener hat 13 Jahre lang in Amerika bei der größten Zirkus-Show der Welt die imposantesten Arenen mit bis zu 20 000 Zuschauern zum Lachen gebracht und wurde beim Zirkusfestival von Monte Carlo mit dem begehrten Goldenen Clown ausgezeichnet. Als tollpatschiger dummer August wird er in traditioneller Manier den vornehmen Weißclown Gensi auf die Palme bringen.

Ebenfalls ein Manegenstar mit dem Goldenen Löwen aus Monte Carlo in der Vitrine ist Florian Richter – ein weiterer Höhepunkt des Roncalli-Jubiläumsprogramms. Der Ungar gilt als Pferdepapst der Zirkusszene und präsentiert in Recklinghausen seine stolzen Araber- und Friesenhengste in einer stimmungsvollen Inszenierung zu romantischer Musik. Für spektakuläre Körperkunst sorgen im Roncalli-Zelt u.a. die lebende Marionette Andrey Romanovsky, Handstandakrobat Encho Keryazov sowie die aparten Azzario Sisters, die halsbrecherische Balanceakte wie die spektakuläre „Kopf auf Kopf“-Nummer vollführen.

Seine Roncalli-Premiere feiert in Recklinghausen der weiß geschminkte Borys: Der Pantomime präsentiert im Jubiläums-Programm wahrscheinlich die leiseste Nummer – sorgt damit aber für die so typischen Roncalli-Momente voller circensischer Poesie.

 
 

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