Peuckmann holt Legenden zurück in den Ring

Hans Tilkowski, Heinrich Peuckmann und Horst Johannpeter (v.l.) stellten im Boxring das Buch Schattenboxer vor.                                                                                                                                                       Foto: Klaus Pollkläsener
Hans Tilkowski, Heinrich Peuckmann und Horst Johannpeter (v.l.) stellten im Boxring das Buch Schattenboxer vor. Foto: Klaus Pollkläsener
Foto: Iris-MEDIEN Klaus Pollkläsener

Kamen.. Eigentlich wollten die harten Jungs mit den Sporttaschen über der Schulter zum Boxen, so wie jeden Donnerstagabend an der Elsa-Brandström-Schule in Dortmund. Stattdessen stehen sie kleinlaut an der Tür zur Turnhalle und wissen nicht, ob sie rein dürfen. Denn der Boxring ist belegt. Ihr Boxring. Und das von einem Nicht-Boxer. Für den Kamener Autor Heinrich Peuckmann steht mitten im Ring ein kleiner Tisch mit Buch und goldenen Boxhandschuhen. Dort, wo es normalerweise um Deckung und Beinarbeit geht.

Echte Vorbilder gaben
Anstoß für Buch

Aber darum geht es auch an diesem Abend - nur in anderer Verpackung. Denn Peuckmann liest aus seinem Buch „Die Schattenboxer“, einem Familienroman aus dem Pott, in dem die fünf Söhne eines Bergarbeiters sagenhafte Boxerkarrieren hinlegen. Das Buch ist nicht neu, aber neu aufgelegt. Deshalb die Lesung, die nicht nach einer aussieht. Hans Tilkowski ist gekommen, der ehemalige Nationaltorwart und ein guter Freund des Autors. Seine Fußballkar-riere kennt man. Dass er in seiner Kindheit in Kaiserau geboxt, wissen nur wenige.

Peuckmann hat sich nicht einmal in den Ring gesetzt hat, da beginnt um ihn herum die Boxerei. Vier Brüder schlagen sich für die Kamera des WDR. Zwar scherzhaft, fast schon vorsichtig, aber doch wie richtige Boxer: schnaubend, mit erhobener Deckung - und bei ihrer Beinarbeit kommt der Kameramann nicht immer mit. Dabei sind es alte Herren, die da kämpfen, alle über 65.

Die Geschwister Johannpeter sind, wenn man so will, Peuckmanns Musen. Denn was in seinem Roman fast schon utopisch erscheint, haben sie vor gut fünfzig Jahren geschafft: Sie waren die Klitschkogeschwister mal drei. Von zehn boxenden Brüdern haben sich sechs bis in die deutsche Nationalmannschaft durchgeschlagen. Aus ihrer Geschichte wollte Peuckmann eigentlich einen Zeitungsartikel machen, „aber während des Gesprächs habe ich gemerkt, da steckt Romanstoff drin.“

Abgesehen vom Showkampf für die Kamera sind die Johannpeters niemals gegeneinander angetreten. Die Mutter hatte das ihren Jungs verboten. „Wenn sie das eben gesehen hätte, dann hätte sie schon geschimpft“, versichert Walter Johannpeter grinsend. Dieser Ehrenkodex ist es, um den herum sich auch Peuckmanns Geschichte zuspitzt. Einer der Buch-Boxbrüder geht in die DDR und so kommt es, dass ihm eines Tages ein Bruder aus Westdeutschland gegenübersteht - als Gegner. Eine Ost-West-Geschichte pünktlich zum Jubiläum der Wiedervereinigung. „Zufall“, sagt Heinrich Peuckmann, „aber ein schöner“.

In der Turnhalle ruft der Ringrichter zur ersten Runde und Peuckmann klettert ungelenk in den Ring. Der Boxernachwuchs des Boxrings 20/50 hat sich mittlerweile zum Eintreten entschlossen. Kaugummi kauend und mit verschränkten Armen stehen sie da. Ein bisschen grimmig, aber doch aufmerksam. Die Johannpeter-Brüder sitzen ihnen gegenüber auf einer der Holzbänke für Zuschauer, nach vorn gebeugt schauen sie Peuckmann an oder starren Löcher in die Luft. Manchmal lächeln sie. So sehen Boxer aus, die sich an große Siege und harte Kämpfe erinnern können.

Zweite Runde. Dritte Runde. Keine dauert viel länger als drei Minuten, wie bei einem echten Boxkampf. Autor und Ringrichter machen Tempo, damit die jungen Boxer heute noch trainieren können. Schließlich sind Peuckmann und seine Kämpfe aus Worten nur zu Gast im Ring.

 
 

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