Perfekte Notlandung mit Raddefekt

Sicher gelandet: Die Notlandung auf dem Derner Segelflugzeug ging am Sonntagabend gut aus.
Sicher gelandet: Die Notlandung auf dem Derner Segelflugzeug ging am Sonntagabend gut aus.
Foto: Ulrich Bonke

Derne..  Applaus brandet auf, erst klatscht einer, dann viele. Ein Vorstandsmitglied der Derner Segelflieger wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die befürchtete Katastrophe blieb aus: „1a“, so Flugleiter Uwe Post, setzte Björn Leimbach per Notlandung seinen Ultraleichtflieger am Sonntagabend auf die Wiese an der Derner Straße. Dort hatte sich ein Großaufgebot auf sehr viel Schlimmeres vorbereitet. Selbst der Rettungshubschrauber war bereits herbeigeeilt.

Minuten vorher herrschte angespannte Nervosität bei Flugfreunden und Rettungskräften. Sie selbst sei ganz ruhig geblieben, erzählt später Magdalena Salvato, die derweil als Passagierin oben im Flieger bangte. Erst nach der glücklichen Landung meldeten sich auch bei ihr die Nerven.

Flugleiter entdeckte Defekt

Björn Leimbach, der danach die Notlandung so perfekt umsetzte, hatte den ersten Landeversuch weniger gut gestaltet. Er musste durchstarten. Bei zweiten Anlauf dann gab Uwe Post, Fluglehrer und an diesem Tag Flugleiter auf dem Segelflugplatz, das Signal zum Abbruch. „Er ist unser Held“, sagt später Magdalena Salvato. Post bemerkte beim Landeanflug, dass das Bugrad beim ersten Versuch beschädigt worden war.

Nun gab er Alarm. Während Uwe Leimbach weitere Runden drehte, den Tank leerte und sich auf die Notlandung vorbereitete, rückten diverse Feuerwehrwagen an, landete der Rettungshubschrauber Christoph 8.. Nun drohe, erzählte einer der Flieger am Boden, was beim Fahrrad passiert, wenn das Vorderrad blockiert: Ein Überschlag des Flugzeuges bei der Landung.

Doch der Ultraleichtflieger senkt sich ganz tief auf den Anfang der Landebahn, kommt problemlos zum Stehen. „Das hat der super gemacht“, erzählt seine Mitfliegerin später beim Bier. So wie Björn Leimbach das schildert, klingt es für Flieger offenbar ganz klar: Die Klappen richtig geregelt, den Motor vor der Landung abgestellt und dann so landen, dass der Bug über dem Boden bleibt, das vordere Rad erst ganz spät und bei niedriger Geschwindigkeit Bodenkontakt bekommt. Genauso klappt es auch: Die Maschine rutscht noch ein paar Meter, dann Entwarnung.

Der Blick aufs Bugrad allerdings bestätigt: Der Alarm hatte einen triftigen Grund. Die Ummantelung zerquetscht, das Rad blockiert.

Ruhe im Cockpit bewahrt

Einige Jahre fliegt Björn Leimbach schon, der Ultraleichtflieger ist sein eigener. Es sei der schwierigste Moment gewesen, den er als Flieger je erlebt hat, erzählt Björn Leimbach: „Gut war, dass ich nach der abgebrochenen Landung Zeit hatte. Ich konnte mich ganz in Ruhe auf die Landung vorbereiten.“

„Im Cockpit kam nie Hektik auf“, erzählt seine Begleiterin. Was passiert wäre, wenn das defekte Bugrad nicht aufgefallen wäre, darüber mag sie lieber nicht nachdenken. „Wir haben halt gute Leute hier und bilden gut aus“, sind sich die Vereinsmitglieder einig. Solchen Nervenkitzel aber wollen sie dennoch möglichst nicht noch einmal erleben. Schon einmal ging in diesem Jahr eine Notlandung nach Motorausfall glimpflich aus.

Björn Leimbach bedankt sich bei allen Rettern. Ihm steht nun noch ein Anruf bei der Bundesstelle für Flugunfallüberwachung bevor. Dort muss er den Vorfall melden. Ein großes Komplement: Magdalena Salvato würde jeder Zeit wieder mit ihm fliegen.

 
 

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