PCP – Kindergarten geschlossen

Foto: WR

Plettenberg.. Der DRK-Kindergarten Anneliese Pfeiffer in Ohle kommt nicht zur Ruhe. Gestern wurde in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz mitgeteilt, dass die Kindertagesstätte mit sofortiger Wirkung geschlossen werden muss. Grund: Über dem Grenzwert liegende Werte von Pentachlorphenol (PCP) und Lindan.

Albert Kattwinkel, kommissarischer Vorstand des DRK-Kreisverbands, war der Überbringer der schlechten Nachricht. Mit dabei waren Architekt Marco Pieper, Gutachter Wolfgang Maasjost und Torsten Tillmann als hauptamtlicher DRK-Vorstand. Am Tisch unter anderem aber auch Hans-Peter Kapitain von der Stadtverwaltung.

Ausschlaggebend für die Erstellung „sehr umfangreicher und kostenträchtiger Gutachten“, so Kattwinkel, waren immer noch währende Geruchsbelästigungen. In den Osterferien wurden daher Probebohrungen mit analytischen Untersuchungsreihen vorgenommen, um dem schon seit Jahren bestehenden Phänomen auf den Grund zu gehen.

PCP-Gehalt
deutlich erhöht

„Alle Bauteile wurden auf Schadensspuren untersucht, ebenso Raumluft und Baustoffe. Letztendlich auch die Balkenkonstruktion des Daches“, so Kattwinkel weiter. „Die Untersuchung im Labor dauert seine Zeit, daher erst heute die Schließung des Kindergartens“, ergänzte Gutachter Wolfgang Maasjost.

Die Ergebnisse sind allerdings eindeutig. Von neun Probestellen sind acht über dem Grenzwert belastet, der für öffentliche Gebäude bei 50 mg/kg liegt. Der gemessene PCP-Gehalt sei zwar unterschiedlich hoch gewesen, doch läge er zwischen 80 bis 90 mg/kg, ließ sich den Fachleuten entlocken.

Die Vorschriften sind in einem solchen Fall eindeutig, erläuterte Torsten Tillmann. Die sofortige Schließung muss erfolgen. Die Eltern der Kinder wurden gestern Nachmittag so weit wie irgendwie möglich informiert, dass zumindest die kommenden zwei Tage kein Kindergartenbetrieb stattfindet.

Kindergartenleiterin Ulrike vom Bruch: „Wir werden uns bemühen, Ausweichstellen für alle fünf Gruppen zu bekommen!“ Für die Kindergartenmitarbeiter ist diese Situation ja nicht neu. Bereits vor Jahren musste wegen eines Wasserschadens und Schimmelpilzbefall der Kindergarten geräumt werden.

Kein Geld für schnelle
Sanierung vorhanden

Die Sofortmaßnahmen sind mit der Schließung des Gebäudes eingeleitet – doch wie geht es weiter? Architekt Torsten Tillmann: „Es wird weitere Messungen geben. Wir wurden selbst von der Situation überrascht. Ein Plan muss nun erarbeitet werden, wie weiter vorgegangen werden muss.“

Und das dürfte sich über Monate hinziehen, denn weder Deutsches Rotes Kreuz noch die Stadt Plettenberg, die dringend auf die 120 Kindergartenplätze angewiesen ist, sind derzeit finanziell in der Lage, schnell handeln zu können. Daher werden entsprechende Anträge an das Landesjugendamt gestellt werden müssen – und das dauert erfahrungsgemäß.

Eine weitere wichtige Frage konnten die Verantwortlichen gestern Nachmittag noch nicht beantworten: Wie sieht es mit der Gesundheit der Kinder und Mitarbeiter aus? Symptome seien bislang nicht aufgetreten, wurde versichert. Mitarbeiter und Kinder sollen aber, so Albert Kattwinkel, vom Arbeitsmedizinischen Zentrum betreut werden. Denn wie die Langzeitauswirkungen aussehen, sei derzeit noch nicht geklärt.

 
 

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