Ökologisch bedeutsam

Die Pappeln am Holländerdeich.
Die Pappeln am Holländerdeich.
Foto: WAZ FotoPool
Roswitha Lohmann fürchtet um die Landschafts-Ästhetik des Niederrheins – wenn die Pappeln fallen.

Rees..  Es gibt keine zwingenden Gründe, die Hybridpappel vom Niederrhein zu entfernen. Sagt Roswitha Lohmann, Künstlerin und streitbare Bürgerin, die sich seit Jahren für den Erhalt von Pappeln und Pappelalleen stark macht. Harsche Kritik kommt von ihr an den Plänen des Kreis-Naturschutzzentrums, das entlang des Holländerdeichs 101 Hybridpappeln fällen möchte, um weitere Lebensräume für die Wiesenwatvögel zu schaffen. „Wer solche Alleen der Axt preisgibt, ist im Grunde nicht auf dem neuesten Stand der Forschung“, kritisiert sie und legt ein Dokument der TU Berlin vor, das eine „Vergleichende Untersuchung zur ökologischen Wertigkeit der Hybrid- und Schwarzpappeln“ erarbeitet hat.

Darin heißt es: „Klar ist, dass die Hypothese der ökologischen Wertlosigkeit der Hybridpappel in Stromtälern als widerlegt anzusehen ist...“ Allerdings heißt es hier auch: „Allein zur Erhaltung und Förderung der naturnahen (Auen-)Vegetation wird dennoch ein verstärktes Einbringen der echten Schwarzpappel oder anderer naturnaher Gehölze bevorzugt, allerdings wird zur Ablösung von Hybridstandorten durch naturnahe Formationen inzwischen ein allmählicher Übergang empfohlen.“ Grund: Besonders die älteren Bäume sind für die Tierwelt von besonderer Wichtigkeit, sind sie doch Trägerbäume für sogenannte Epiphyten, also für Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen und diese als Unterlage benötigen. „In und von diesen Bäumen sind rund 500 Käferarten und mehr als 40 Schmetterlingsarten abhängig“, hat sich Roswitha Lohmann kundig gemacht.

Punkten kann die alte Hybridpappel aber auch in anderer Weise. Sie habe, so Roswitha Lohmann, im Vergleich zu anderen gleich alten Bäumen ein besonders hohes Blattaufkommen. „Mit der Folge, dass sie doppelt so viel Feinstaub binden kann“, sagt sie. Überdies sei die Pappel in der Lage, Böden zu sanieren, weil sie in der Lage seien, Schwermetalle wie beispielsweise Blei und Cadmium zu binden. Lohmann: „Eine natürliche Filterwirkung die dem Grundwasser zugute kommt.“

Dass die Pappeln heutzutage in Feuchtbereichen als ökologisch bedenklich angesehen würden, weil sie mit einen täglichen Wasserverbrauch von 300 bis 500 Litern den Boden zu stark entwässerten, hält sie für ein „hausgemachtes“ Problem. Der Wasserspiegel sei in den vergangenen Jahrzehnten durch Kiesabgrabungen stark abgesenkt worden mit der Folge, dass die Hybridappeln dies „ausbaden“ müssten.

Die neuesten Forschungen hätten, hat Lohmann weiterhin in Erfahrung gebracht, im Stadtgebiet von Viersen schon zu einem Umdenken geführt. Hier kam es nach Bildung einer Bürgerinitiative für den Erhalt von Pappeln im Mai dieses Jahres zu einer kontroversen Diskussion im Kreistag – mit dem Ergebnis, dass das Fällen der Pappeln zunächst eingestellt und in den Umweltausschuss des Kreises zur Prüfung zurückverwiesen wurde.

Erhalt der Ästhetik

Noch eines ist Roswitha Lohmann wichtig: der Erhalt der Ästhetik und Unverwechselbarkeit der niederrheinischen Landschaft, die durch Kopfweiden, aber auch durch Pappeln geprägt ist. „Touristisch macht man mit diesen Bäumen Werbung, aber dennoch trenne man sich beinahe leichtfertig von diesem niederrheinischen Kulturgut“, kritisiert die Künstlerin. Dabei gebe es die Hybridpappeln schon an die 300 Jahre am Niederrhein. „Da fragt man sich: Wann ist ein Baum denn endlich heimisch?“

 
 

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