NRW-Firma wollte Söldner nach Somalia senden

Thomas Mader und Kai Süselbeck
Bürgerkriegsalltag in Somalia: Die islamistischen Shabaab-Rebellenbei Haliwa.
Bürgerkriegsalltag in Somalia: Die islamistischen Shabaab-Rebellenbei Haliwa.
Foto: REUTERS

Duisburg/Telgte. Söldner für Somalia – die Firma Asgaard aus dem münsterländischen Telgte wollte Geschäfte mit einem afrikanischen Kriegsherrn machen. Ein entsprechender Vertrag wurde nun bei Durchsuchungen gefunden.

Mehr oder weniger offen hatte die Firma Asgaard German Security Group aus dem münsterländischen Telgte bereits im Mai angekündigt, mehr als hundert ehemalige Bundeswehrsoldaten als private „Sicherheitsberater“ in das afrikanische Bürgerkriegsland schicken zu wollen. Die Staatsanwaltschaft Münster glaubt, dass dies gegen ein entsprechendes UN-Embargo verstoßen würde und ließ gestern neun Objekte der Firma und von Firmenangehörigen durchsuchen, darunter eine Wohnung in Duisburg und vier in Bayern.

Und tatsächlich fanden die Zollfahnder am Stammsitz in Telgte den fraglichen Vertrag zwischen Asgaard und dem somalischen Clanchef Abdinur Darman. Der bezeichnet sich selbst als „gewählten Präsidenten Somalias“ und opponiert gegen die international anerkannte Übergangsregierung von Präsident Sharif Sheikh Ahmed. Asgaard-Chef Thomas Kaltegärtner Nach Aussagen von Asgaard-Chef Kaltegärtner hatte die Vereinbarung allerdings schon zuvor bestätigt, unter anderem der Frankfurter Rundschau. Demnach sollten seine Truppen Personen, Gebäude und Konvois im Umfeld von Darman sichern, für die Logistik sorgen und somalische Sicherheitsleute trainieren. An Kampfeinsätzen gegen Piraten, Islamisten oder Terroristen würden die „Sicherheitsberater“ aus Deutschland nicht teilnehmen – dies hatte Darman allerdings dem NDR gesagt.

Haftstrafe von 15 Jahren droht

Welche Details der nun gefundene Vertrag enthält, wollte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer noch nicht sagen, auch sei nicht klar, ob die Sicherheitsberater schon zum Einsatz gekommen seien. Auf Kaltegärtner kommt nun eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz zu, also wegen der Verletzung des Somalia-Embargos der UN. Das verbietet unter anderem technische Beratung, Hilfe oder Ausbildung im Zusammenhang mit militärischen Aktivitäten für das Land. Es droht eine Haftstrafe von maximal 15 Jahren. Einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Bundeswehrsoldaten wollen die Staatsanwälte allerdings nicht erwirken.

Besondere Brisanz bekommt der Vertrag zwischen Asgaard und Darman auch dadurch, dass die EU somalische Sicherheitskräfte der Übergangsregierung ausbildet. An der Mission „EUTM Somalia“ sind bis zu 20 Bundeswehrsoldaten beteiligt.