NRW-Bürger decken sich früh mit Streusalz ein

Sophia Schauerte
NRW hat Angst vor dem Glatteis: Der Absatz von Streusalz ist hierzulande doppelt so hoch wie in anderen Bundesländern. Aus Furcht vor Engpässen verkauft sich das Streugut bereits seit Juli sehr gut. Dabei ist das Streuen mit Salz eigentlich verboten.

Essen. Auch wenn wärmende Sonnenstrahlen noch einen Hauch von Sommer vorgaukeln: Ein kalter Wind bläst übers Land, der Winter steht schon in den Startlöchern. Und diesmal wollen die Ruhrgebietler auf Schnee- und Eisglätte vorbereitet sein: Streusalz und Scheeschaufeln wandern bereits haufenweise von den Bau- und Supermärkten in die privaten Garagen und Kellerräume.

So hat der Raiffeisen-Markt Meisenburg in Essen beispielsweise jetzt schon „mehrere Salzzüge verkauft“, und das lange vor dem ersten Frost. Streusalz liegt dort bereits seit August in den Regalen, mitten im Hochsommer allerdings noch zu Sonderpreisen. Mittlerweile kostet ein Sack à 25 Kilogramm 6,99 Euro. Und der Absatz läuft wie geschnitten Brot: „In den vergangenen zwei Jahren sind viele leer ausgegangen, deshalb decken sie sich jetzt schon vorsorglich ein“, vermutet die Marktangestellte Alexandra Kohl. Noch habe der Markt allerdings reichlich Salz auf Lager.

Ähnlich sieht es auch bei der Baumarkt-Kette Hornbach aus: Streusalz werde bereits seit August gut gekauft, „mehr als in den Vorjahren“, gibt Sprecherin Ursula Dauth an. Wie in der Genossenschaft liegt der 25-Kilo-Preis hier bei 6,99 Euro. Geld, das aus Angst vor Glatteis anscheinend vor allem in Nordrhein-Westfalen gern investiert wird: „NRW ist absoluter Spitzenreiter und liegt im Verkauf doppelt so hoch wie die restlichen Bundesländer.“

„Aktion Eichhörnchen“

Überdurchschnittlich hoch im Vergleich zu den Vorjahren ist auch der Salz-Absatz bei Praktiker: „Die Nachfrage nach Streumitteln und Schneeschiebern war schon in den Sommermonaten groß und hält auch jetzt unvermindert an“, sagt Sprecher Harald Günter. Schon seit Juli bietet der Baumarkt das „weiße Gold“ in Sonderaktionen zum Verkauf an; seit September hat es seinen festen Platz im Sortiment - angefangen vom Vier-Kilo-Eimer für 4,99 Euro, über den 25-Kilo-Sack für 7,99 Euro, bis zur 50-Kilo-Großpackung für 14,99 Euro.

„Die Kunden haben offenbar aus den Erfahrungen der letzten beiden Winter gelernt und rechtzeitig ‘Aktion Eichhörnchen’ betrieben’“, so Günter angesichts der Hamsterkäufe. Auch der Markt habe Konsequenzen aus den Engpässen der vergangenen Saison gezogen: „Wir haben vorgesorgt und entsprechend mehr geordert als vor der Wintersaison 2010/2011.“

Später in den Streusalz-Verkauf gestartet hingegen ist die Supermarktkette Real: Erst seit einigen Wochen können sich Kunden dort für die Wintermonate eindecken. „Allerdings gibt es momentan noch keinen außerordentlich hohen Abverkauf dieses Winterartikels“, stellt Sprecherin Andrea Chlebowski entgegen des allgemeinen Trends fest. Dabei sind die Preise in etwa auf demselben Niveau wie in Baumarkt und Genossenschaft: Laut aktuellem Handzettel kostet der 25-Kilo-Beutel ebenfalls 7,99 Euro. Angst, dass die Streu in den Regalen liegen bleibt, hat die Supermarkt-Kette aber nicht: Die Konzernsprecherin ist sich sicher, „dass, sobald sich Wetterbedingungen wie Schnee und Eis einstellen, der Absatz entsprechend steigt“.

Streusalz ist verboten

Dabei dürfen Privathaushalte eigentlich kein Streusalz verwenden; das Streuen ist je nach Kommunalsatzung bestenfalls in Ausnahmefällen erlaubt. So informiert die Stadt Duisburg beispielsweise auf ihrer Homepage, dass Grundstücksbesitzer zwar bei Eis- und Schneeglätte auf Gehwegen streuen müssen, wobei jedoch „die Verwendung von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen grundsätzlich verboten ist“.

Ausnahmeregelungen gibt es nur „in besonderen klimatischen Ausnahmefällen (z. B. Eisregen), in denen durch Einsatz von abstumpfenden Mitteln keine hinreichende Streuwirkung zu erzielen ist“ sowie „an gefährlichen Stellen an Gehwegen, wie z. B. Treppen, Rampen, Brückenauf- oder -abgängen, starken Gefälle- bzw. Steigungsstrecken oder ähnlichen Gehwegabschnitten“.

Grund für dieses Verbot sind die Folgen des Salzes für die Umwelt: „Das Salz gelangt über den Boden in die Pflanzen und verändert dort den Nährstoffhaushalt“, informiert der auf seiner Homepage. Auch Tiere würden leiden: „Viele Tiere entzünden sich am Streusalz die Pfoten.“ Zudem könne das Salz das Grundwasser schädigen und verursache „auch ökonomische Schäden wie die Korrosion an Brücken und Kraftfahrzeugen“.

Deshalb empfiehlt der NABU Privathaushalten, auf salzfreie, abstumpfende Streumitteln wie Granulat, Split, Sand oder Kies zurückzugreifen. Auch die gibt es im Baumarkt.