Norwegen trauert um die Anschlagsopfer

Nach dem Tod von 94 Menschen steht das Land unter Schock. Der mutmaßliche Täter legte mittlerweile ein Teilgeständnis ab. Der Polizei prüft weiter Augenzeugenberichte, wonach es einen zweiten Täter gegeben haben soll.

Oslo.. Trauer und Entsetzen in Norwegen: Bei einem Doppelanschlag auf das Regierungsviertel in Oslo und ein Jugendlager auf der Insel Utöya sind mindestens 94 Menschen getötet worden. Die Polizei erklärte am Samstag, die Zahl der Opfer könnte noch steigen. Der mutmaßliche Täter, ein 32-Jähriger rechtsgerichteter Norweger, handelte womöglich nicht alleine. Er legte laut Polizei ein Teilgeständnis ab.

Der Schütze habe am Freitag 90 Minuten lang auf Jugendliche auf der Insel geschossen, sagte Polizeichef Sveinung Sponheim. Die Polizisten hätten 40 Minuten gebraucht, um Utoya zu erreichen. Bei dem Massaker auf der Insel kamen mindestens 87 Menschen ums Leben, sieben weitere starben bei der Explosion einer Autobombe in der Hauptstadt.

Königsfamilie zeigt Anteilnahme

Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte den Opfern der Anschläge Hilfe zu. „Wir werden alles in unserer Kraft stehende tun, soviel Unterstützung wie möglich zu bieten“, sagte er während eines Besuchs in Sundvollen, das gegenüber Utoya auf dem Festland liegt. Dorthin wurden die Jungsozialisten gebracht, die das Blutbad vom Vorabend überlebt haben. Stoltenberg und die norwegische Königsfamilie besuchten am Samstag Angehörige der erschossenen Jugendlichen.

Vor dem Hotel, in dem sich Stoltenberg aufhielt, wurde ein Mann festgenommen. Er habe ein Messer bei sich gehabt, weil er sich nach eigenen Angaben nicht sicher gefühlt habe, und wurde deswegen aufgegriffen, sagte der etwa 20-Jährige.

Täter bestellte Kunstdünger

Der mutmaßliche Täter soll im Internet christlich-fundamentalistische und islamfeindliche Ansichten vertreten haben. Er wurde vorläufig der Durchführung von Terrorakten beschuldigt. Laut der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“ bestellte er vor etwa zehn Wochen sechs Tonnen Kunstdünger, der für den Bau von Bomben verwendet werden kann. Bei dem Autobombenanschlag wurde nach Angaben aus Polizeikreisen ein Sprengstoff aus Dünger und Diesel benutzt. Der Sprengsatz war in einem Lieferwagen versteckt.

Das volle Ausmaß der Anschläge wurde erst Stunden später bekannt. Auf Utoya wurde mindestens ein nicht explodierter Sprengsatz gefunden. Die Zufahrtsstraßen zu der der Insel gegenüberliegenden Küste war weiträumig abgesperrt.

Unklarheit herrschte am Samstag über einen möglichen zweiten Täter. Die Polizei erklärte, es sei für eine Person nicht unmöglich, die beiden Angriffe alleine durchzuführen. Später dementierte sie Medienberichte, dass nach weiteren Verdächtigen gesucht werde. Das Motiv des festgenommenen 32-Jährigen lag zunächst völlig im Dunkeln, allerdings standen beide Anschlagsorte in Verbindung mit der linksgerichteten Arbeiterpartei.

„Er kam aus dem Nichts“

„Er kam aus dem Nichts“, sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AP über den Verdächtigen. Anders Behring B. soll keine Verbindung zur rechtsextremen Szene haben, Medienberichten zufolge betrieb er eine Gemüsegärtnerei. Er besaß laut NTB legal zwei Waffen und gehörte einem Schützenverein an.

Kanzlerin Angela Merkel drückte der norwegischen Bevölkerung das Mitgefühl der Deutschen aus. Bundespräsident Christian Wulff sprach König Harald von Norwegen in einem Telegramm seine Anteilnahme aus. In Oslo wehten Flaggen am Samstag auf halbmast.

(ap)

 
 

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