Neuenrade ist Gas-Suchgebiet

Uwe Tonscheidt

Neuenrade. Wird im tiefen Gestein unter Neuenrader Grund nach Erdgas gebohrt?

Wird mit Chemikalien versetztes Wasser unter Hochdruck in die Tiefe gepumpt, um dort Gestein zu knacken und nutzbares Gas freizusetzen? Würde dadurch das Grundwasser vergiftet?

Ausgeschlossen ist das alles nicht. Das Neuenrader Stadtgebiet gehört zu weiten Teilen zum sogenannten Erlaubnisfeld „Ruhr“. Für das hat sich das Unternehmen Wintershall, ein Tochterunternehmen der BASF, für fünf Jahre die Rechte gesichert, dort exklusiv nach unkonventionellen Gasvorkommen suchen dürfen.

Das bedeutet nicht, dass in Kürze Probebohrungstürme in Neuenrade aufgestellt werden, ist beim Regierungspräsidium in Arnsberg zu erfahren. Das Unternehmen, das solch ein Recht habe, dürfe darüber nachdenken, ob es in den kommenden fünf Jahren Probebohrungen vornehmen wolle, so Pressesprecher Jörg A. Linden. Wolle ein Unternehmen das tun, gäbe es mehrere Genehmigungsverfahren. Ein Betriebsplan zur Probebohrung sei vorzulegen und ein Sonderbetriebsplan. Alles würde im Detail einer Prüfung unterzogen, so Linden: „Vom Fördergerüst bis zur Bohrerbewegung, alles wird separat genehmigt“. Das gelte auch für technische Methoden und chemische Stoffe.

Gerade die rufen Kritiker auf den Plan. Bettina Griesenbruch, vielen von der „IG B229n - ortsfern“ bekannt, schrieb einen bösen Leserbrief: „Dass überhaupt über solche Bohrungen diskutiert werden muss, zeigt doch, welche Narrenfreiheit bestimmte Konzerne/Lobbyisten mittlerweile haben.“

Sie kritisiert vor allem die technische Methode der unkonventionellen Gasförderung. Die Bohrungen knicken in mehreren Kilometern Tiefe ab und verlaufen dann horizontal. Unter Hochdruck wird das Gestein mit einem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien auf Mikroebene aufgebrochen und so das Gas frei gesetzt.

Nicht nur Umweltschützer haben Sorge, dass das Grundwasser vergiften kann. Auch Neuenrades Bauamtschef Marcus Henninger sorgt sich um die sichere Wasserversorgung. Er hat in dieser Woche damit begonnen, sich etwas tiefer in die komplexe Materie einzuarbeiten. Seine erste Anfrage beim Märkischen Kreis war nicht erfreulich. Rein rechtlich ist die Stadt nicht involviert, es wird nach Bergrecht entschieden. Bereits beschlossen sei die Beteiligung der Unteren Wasserbehörde, der Kreisbehörden, berichtete RP-Pressesprecher Linden. Ohne deren wasserrechtliches OK laufe nichts.

US-Umweltbehörde untersucht Folgen

Wie es bei der unkonventionellen Förderung für Umwelt und Gesundheit läuft, wird zurzeit von der Umweltbehörde EPA in den USA untersucht. Dort boomt die sogenannte Fracking-Fördermethode seit 2005 und ruft Umweltschützer auf den Plan. (Infobox)

Oliver Krischer, Energieexperte der Grünen im Bundestag, schlägt deshalb vor, zurückhaltend mit Bohrungen in Deutschland umzugehen und „in Ruhe abzuwarten bis der EPA-Bericht vorliegt“.

Nach Zurückhaltung ist Bettina Griesenbruch nicht zumute: „Alle Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis, im Hochsauerlandkreis, im Kreis Olpe und im Kreis Soest sollten sich schnellstens zu einer Bürgerinitiative zusammentun.“