Neue Züge für Siegen stehen auf dem Abstellgleis

Steffen Schwab

Siegen-Wittgenstein.  Unter den hundert neuen Triebwagenzügen des Typs „Talent 2“, die in Henningsdorf bei Berlin oder in Wustermark im Havelland auf dem Abstellgleis stehen, sind auch die 15, die eigentlich seit Dezember 2010 zwischen Siegen und Aachen pendeln sollen. Die ersten sind bereits mit Grafitti beschädigt.

Nach wie vor verweigert das Eisenbahnbundesamt den bei Bombardier Transportation hergestellten Zügen die Zulassung; beanstandet wird das Bremssystem. Inzwischen dürfen zwar zumindest schon ein- und zweiteilige Züge mit reduzierter Geschwindigkeit auf die Strecke gehen. Dem „RSX“, als der sich der Rhein-Sieg-Express mit flottem Logo seinen Fahrgästen empfiehlt, nutzt das nichts. Denn die Bahn will bis zu fünf Einheiten lange Züge auf ihrer Hauptlinie einsetzen – und überlegt inzwischen sogar, sich notfalls einen anderen Hersteller zu suchen.

„Wir hatten gehofft, dass die neuen Fahrzeuge maßgeblich dazu beitragen, dass das Umsteigen in Siegen funktioniert“, sagt Günter Padt, Geschäftsführer des Zweckverbands Personennahverkehr (ZWS). Denn die leichten Triebwagen sind schneller als die schwerfälligen Doppelstockzüge, und sie kommen, weil sie mehr Ein- und Ausstiege haben, auch mit kürzeren Aufenthalten an den Zwischenstationen aus. Mittlerweile werden die Züge zwar zwecks besserer Beschleunigung mit zwei Loks bespannt. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass der Anschlusszug nach Gießen abgefahren ist, bevor der RSX in Siegen einläuft.

Von Montag, 12. September, an soll am Bahnhof Siegen der lange angekündigte „Betriebsversuch“ beginnen. RSX und Hessische Landesbahn erhalten andere Gleise zugewiesen, um den umsteigenden Fahrgästen den Fußweg von einem Zug zum anderen zu verkürzen – denn der kann jetzt, von Gleis 54 nach Gleis 3, leicht mehr als hundert Meter betragen. Für den Versuch werden alle anderen Linien ebenfalls neu sortiert werden müssen. Ob das die entscheidenden Minuten bringt, soll sich zeigen.

Zum Bahn-Geburtstag wird ICE „Siegen“ getauft

Auch zum Bahn-Geburtstagsfest am Sonntag, 18. September, wird Landrat Paul Breuer natürlich keinen „Talent“ auf Drehgestellen aus Dreis-Tiefenbach an sich vorbeirollen sehen. Dafür schafft es ein ICE nach Siegen: Der wird dort bei seinem einmaligen Gastspiel durch den Landrat auf den Namen „Siegen“ getauft – zum Fahrplanwechsel verabschiedet sich dann mit der letzten Abfahrt eines Eurocity nach Klagenfurt die Bahn-Fernverkehrssparte wieder aus dem Siegerland.

Nahverkehrsplan im Oktober

Ernsthaft erwartet wird der „Talent“ inzwischen erst für das erste Quartal 2012 – dieses Datum wird zumindest im benachbarten rheinland-pfälzischen Nahverkehrs-Zweckverband gehandelt. Dort wird auch eine „erhebliche Reduzierung der Zuschusszahlungen“ an die Bahn in Aussicht gestellt: „Das erhöht den ohnehin schon großen wirtschaftlichen Druck auf die DB, die selbst umfangreiche Schadenersatzforderungen gegenüber dem Fahrzeughersteller geltend machen will.“ Auch der Siegener ZWS behält derzeit Geld zurück – schon traditionell kann er damit Sonderzüge zu Festen und Weihnachtsmärkten finanzieren.

Modernisierungsoffensive ins Stocken geraten

Ins Stocken gekommen ist auch die „Modernisierungsoffensive 2“: Planmäßig 2015 soll zwar Baubeginn an den Bahnhöfen Siegen und Erndtebrück sein. Weiter verzögern werden sich aber die Modernisierungen in Rudersdorf und Eichen, die eigentlich schon 2010 an der Reihe waren. Nun wird für Rudersdorf ein Baubeginn im Jahr 2013, für Eichen 2014 angegeben.

Die Bahn-Tochter „Station & Service“ begründet die Verzögerung in Eichen damit, dass ihr keine frühere „Sperrpause“ zur Verfügung steht: Der Verkehr darf nicht unterbrochen werden, weil die Strecke als Umleitung für andere, wegen Bauarbeiten gesperrte Verbindungen gebraucht wird. So recht nachvollziehbar ist das allerdings selbst für Fachleute nicht: Alle drei NRW-Zweckverbände, so der auch für Südwestfalen zuständige „Nahverkehr Westfalen-Lippe“ (NWL), hätten gegenüber der Bahn „ihr Unverständnis deutlich gemacht“.