Neue Ideen für alte Bahngleise

Bisher gab es auf der Schleifkottenbahn nur Testfahrten. Foto: Guido Raith
Bisher gab es auf der Schleifkottenbahn nur Testfahrten. Foto: Guido Raith
Foto: WR
Die Bahnstrecke zwischen Meinerzhagen und Brügge soll wieder für den Personennahverkehr fit gemacht werden. Bereits im Oktober will die Bahn mit der Sanierung des Oberbaus beginnen.

Märkischer Kreis/Halver..  Kabinen setzen sich lautlos in Bewegung, stoppen am gewünschten Zielort. Fahrpläne: Fehlanzeige. Die Schienentaxis fahren dann, wenn die Fahrgäste es wünschen. Diese Vision soll Wirklichkeit werden – in Halver. Die Schleifkottenbahn zwischen Oberbrügge und Halver wird zur Teststrecke für automatisch fahrende Schienentaxis. Friedrich-Wilhelm Kugel, Geschäftsführer der Schleifkottenbahn, sieht sich seinem Ziel einen großen Schritt näher.

Inzwischen scheint auch Bewegung in die Bemühungen zu kommen, die Bahnstrecke zwischen Meinerzhagen und Brügge wieder für den Personennahverkehr fit zu machen. Bereits im Oktober will die Bahn mit der Sanierung des Oberbaus beginnen. Auf einer Strecke von fünf Kilometern soll zunächst der Gleiskörper hergerichtet werden. Das bestätigte Udo Kampschule, Sprecher der DB in Düsseldorf, auf WR-Anfrage.

Jahrelang hatten Behörden und Politiker die Schleifkottenbahn in Halver ausgebremst, klagte Kugel. Nachdem er die ehemalige Bahnstrecke vor der Stilllegung und Abriss gerettet hatte, wollte er neue, kostengünstig zu betreibende Fahrzeuge auf der Trasse testen.

Automatisch
gesteuerte Kabinen

Auflagen, die sich an den Maßstäben der „großen Bahn“ (Kugel), orientierten, aber völlig unpassend für die neuen Konzepte waren, wurden zum Bremsklotz für das innovative Bahnkonzept.

2009 begannen Versuche mit einem umgebauten Mercedes Sprinter auf den Gleisen. Im Jahr darauf kam das Aus für das elektrogetriebene Fahrzeug, das bei der Talfahrt die Akkus wieder aufladen kann. Eine Verordnung des Landesverkehrsministers schränkte Strecke und Geschwindigkeit so ein, dass realistische Tests zur Farce wurden, so Kugel.

Inzwischen haben Schleifkottenbahn, die Stadt Halver und die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG) einen Vertrag geschlossen. Grundstücksfragen wurden geregelt. Damit besteht jetzt die Möglichkeit, „eine Versuchsanlage im privaten Besitz“ zu betreiben, sagt Klaus Westensee, Sprecher der Schleifkottenbahn. Tests könnten nun ohne die Knute der Bahnbetriebsordnung erfolgen. Das Ziel: Geschwindigkeiten bis 80 km/h mit automatisch gesteuerten Kabinen. Eine Hinderniserkennung sorgt für die nötige Sicherheit auf der Strecke.

Westensee: „Damit ist die Schleifkottenbahn ihrem Ziel, auch im ländlichen Raum Elektromobilität auf der Schiene zu bringen, einen wesentlichen Schritt näher gekommen.“

Elektromobilität
auf der Schiene

Die Bahnvisionäre wollen mit ihrem Schienentaxi beweisen, dass man auch auf Nebenstrecken rentabel fahren kann. Westensee: „Wenn diese Strecken wieder befahren werden, kommen die Menschen auch zu den bestehenden Bahnhöfen und steigen wieder in die Bahn.“ Dass Kabinen automatisch fahren können, zeige die H-Bahn in Dortmund. Westensee: „Hochhaus-Aufzüge haben auch keinen Fahrplan.“ Sie setzten sich nach Bedarf auf Knopfdruck in Bewegung.

Mit Serienteilen aus dem Automobilbau sollen die neuen Module kostengünstig produziert werden. Mit Hochdruck werde daran gearbeitet, den 2. Versuchsträger in Halver aufs Gleis zu bringen. Dessen Motoren sollen in Drehgestelle eingebaut werden – wegen der Laufruhe. In einem 3. Versuchsträger soll das automatische Fahren mit Hinderniserkennung getestet werden.

Ein rot-weißes Viereck, die SH-2-Scheibe, kennzeichnete bisher das Streckenende in Halver. Das kann die Schleifkottenbahn jetzt abbauen. Die gut fünf Kilometer lange Strecke zwischen Halver und Oberbrügge wird zum 1. August zur Pionierstrecke für automatischen Personennahverkehr auf der Schiene. Und: Sie soll so gestaltet werden, „dass eine Verbindung nach Lüdenscheid interessant wird.“

Eine Anbindung an die Volmebahn soll in Oberbrügge erfolgen, so Kugel. Bis 2013 soll der Oberbau der Volmebahn fertiggestellt sein, mit einer Aufnahme des Personenverkehrs ist dann aber noch nicht zu rechnen, da die Sicherheitsmaßnahmen noch ausstehen, so DB-Sprecher Kampschulte. Er weist bereits auf neue Haltestationen an der Volmestrecke hin: in Kierspe und Oberbrügge. Der sich damit abzeichnende Lückenschluss zwischen Meinerzhagen und Brügge ist auch im Sinne der Planer der Regionale 2013.

 
 

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