Neonazi nach neun Brandstiftungen in Bergkamen verdächtig

In einem Mehrfamilienhaus an der Töddinghauser/Ecke Hubert Biernat Straße brach zweimal ein Feuer aus.
In einem Mehrfamilienhaus an der Töddinghauser/Ecke Hubert Biernat Straße brach zweimal ein Feuer aus.
Foto: Ulrich Bonke

Bergkamen.. Der Feuerteufel, der für neun Brandstiftungen (wir berichteten) an den beiden vergangenen Samstagen in der Bergkamener City verantwortlich sein soll, ist gefasst. Und dabei scheint sich die Befürchtung zu bestätigen, dass der Auslöser für die Brände Fremdenfeindlichkeit war. Der Täter soll ein „Rechter“ sein. Der Mann stehe dem „rechten politischen Spektrum“ nahe, hieß es am Montagabend von der Polizei.

Das Amtsgericht Unna hat am Montag Haftbefehl gegen einen 23-jährigen Bergkamener erlassen, und zwar wegen schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung,

Der 23-jährige war am zweiten Brand-Wochenende als Brandentdecker aufgetreten und hatte sich an den Löscharbeiten beteiligt. „Denkbar ist, dass er den Tatverdacht auf diese Weise von sich ablenken wollte“, hieß es von Seiten der Polizei.

Begleitperson hat bereits gestanden

Ein ebenfalls 23 Jahre alter Mann hat bereits gestanden, den Hauptbeschuldigten bei der ersten Brandlegerserie am 22./23. Juli begleitet zu haben. Der Tatverdächtige jedoch räumt bisher lediglich ein, in alkoholisiertem Zustand am 23. Juli an drei Stellen Müllcontainer angezündet zu haben.

Doch es gilt neun Brandstiftungen zu klären. Sechsmal waren es Mülltonnen. Zweimal traf es ein Wohnhaus, in dem unter anderem Menschen aus Angola und Vietnam leben. Und einmal war in einem nahe gelegenen Moschee-Bau Feuer gelegt worden. „Die Ermittlungen durch den polizeilichen Staatsschutz dauern an“, hieß es von der Polizei.

Die Frage ist jetzt, ob die Menschen in dem Mehrfamilienhaus an der Hubert-Biernat-Straße /Ecke Töddinghauser Straße wieder besser schlafen können. Denn viele von ihnen waren von gezielten fremdenfeindlichen Brandanschlägen ausgegangen, lebten in Angst und Ungewissheit.

Auch Familie B. aus dem Erdgeschoss sah das so. Die sechsköpfige Familie, darunter auch Kleinkinder, kann seit den Vorkommnissen vom vergangenen Samstag nicht mehr ruhig schlafen. „Immer wenn Sirenen nachts erklingen oder Geräusche aus dem Flur kommen, schrecken wir hoch. Wir suchen bereits nach einer neuen Wohnung und wollen unbedingt von hier wegziehen.“ Wenn man bereits das zweite Mal vom Rauchgeruch im Haus aufwacht und über die Feuerwehrtreppe über den Balkon evakuiert werden muss, ist dieser Wunsch nur allzu verständlich. „Bereits vor den beiden Brandstiftungen sind uns im Flur und im Aufzug rechtsradikale Symbole wie Hakenkreuze aufgefallen. Ob dies im Zusammenhang mit den Bränden steht, ist natürlich nicht bewiesen. Gerade hier im Haus leben viele ausländische Bewohner, etwa aus Vietnam oder der Türkei.“

Die Schmierereien sind auch Familie M. aus dem fünften Stock aufgefallen. Auch die sechsköpfige Familie lebt seit der zweiten Brandstiftung in Angst und überlegt wegzuziehen. „Obwohl die Wohnung eigentlich sehr schön ist und wir uns hier ganz wohl fühlen. Aber über die Rettungsleiter unsere Kleinkinder der Feuerwehr geben zu müssen, können wir nicht mehr länger hinnehmen “

Seit Samstag ist auch Familie M. sehr vorsichtig geworden. „Abends schaue ich, dass die Haustür zum Hausflur verschlossen ist, um ungebetene Gäste nicht im Haus zu haben. Eigentlich wäre Wachpersonal an der Tür sinnvoll, gerade für die nächsten Tage. Aber von der Polizei kommt da wenig und die Anwohner im Haus arbeiten auch nicht wirklich zusammen.“

So sieht das auch Herr N., der im 3. Stock wohnt und vor dessen Tür in der Nacht zum Samstag der zweite Brand gelegt wurde. Warum es gerade ihn traf, weiß er auch nicht. Den Brand vor seiner Haustür hatte er samstagnachts gerade noch rechtzeitig gerochen und die Polizei und Feuerwehr informieren können. Sonst hätte der Brand auch Menschenleben kosten können. „Ich bin schon beunruhigt. Sobald es im Haus oder im Flur klappert, werde ich sehr nervös. Für mein Alter und die künstliche Herzklappe ist dieser Stress überhaupt nicht gut. Seit Samstag schlafe ich auch schlecht, aber das geht sicher den meisten Anwohner so. Ich Fall, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben müssen.“

Das hofft auch die Vermieterin der 20 Wohnungen, die Deutsche Annington. Dort prüft man derzeit, ob in dem Mietshaus eine Feuermeldeanlage installiert werden kann, die direkt mit Polizei und Feuerwehr verbunden ist.

 

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