Nach Schrammas Verzicht wird ein Nachfolger gesucht

DerWesten
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Köln. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) verzichtet nach dem verheerenden Unglück beim U-Bahn-Bau auf eine neue Kandidatur. Nach neun Jahren wird er bei der Kommunalwahl in diesem Jahr nicht mehr antreten. Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

Die Kölner CDU muss sich einen neuen Oberbürgermeister-Kandidaten für die in diesem Jahr anstehende Kommunalwahl suchen. Amtsinhaber Fritz Schramma (CDU) kündigte am Sonntag in Köln an, nicht mehr kandidieren zu wollen. Er sehe in seinem Rückzug die «einzige Möglichkeit» für seine Partei, die Krise nach dem Einsturz des Kölner Historischen Archivs am 3. März aus dem Kommunalwahlkampf herauszuhalten. In einer Umfrage von «Kölner Stadt-Anzeiger» und Kölner «Express» (Montagausgaben) gaben nur noch 37,6 Prozent der Befragten an, bei der OB-Wahl für Schramma stimmen zu wollen.

Der 61-Jährige zog mit seinem Rückzug die Konsequenzen aus der heftigen Kritik am Krisenmanagement der Stadtspitze nach dem Einsturz des Kölner Historischen Archivs. Ihm wurde vorgeworfen, dass er sich der politischen Verantwortung für die Tragödie nicht stelle. Bei dem Gebäudeeinsturz waren zwei junge Männer im Alter von 17 und 24 Jahren ums Leben gekommen.

Respekt vor den Opfern

Er sei immer noch der Überzeugung, dass der Respekt vor den Opfern es erfordert, das Unglück nicht in den Wahlkampf einzubeziehen, hob Schramma hervor. Deshalb habe er mehrfach appelliert, dieses schwierige und sensible Thema aus dem politischen Gezänk herauszuhalten. Dieser Appell sei auf taube Ohren gestoßen, kritisierte Schramma: «Offensichtlich ist vielen der Wahlausgang wichtiger als das langfristige Wohl unserer Stadt. Offensichtlich gibt es viele, die aus wahltaktischen Gründen keine Tabus kennen.»

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender Jürgen Rüttgers kommentierte den Verzicht von Schramma mit den Worten: «Selbst wenn es in diesen Tagen nicht so deutlich werden mag, während der Amtszeit von Schramma hat sich Köln sehr zu seinem Vorteil verändert.»

Der repräsentativen Umfrage zufolge sprachen sich in der vergangenen Woche 50 Prozent der Befragten für Schrammas Herausforderer Jürgen Roters (SPD) und 12,4 Prozent für einen anderen Kandidaten aus. Der frühere Polizei- und Regierungspräsident Roters ist gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen.

Opposition sieht "überfälligen Schritt"

Die nordrhein-westfälische SPD-Chefin Hannelore Kraft sieht in dem angekündigten Rückzug von Schramma einen «überfälligen Schritt». Aus Sicht von SPD-Generalsekretär Michael Groschek wäre ein sofortiger Rückzug Schrammas konsequenter gewesen. Ähnlich äußerte sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sylvia Löhrmann.

Als mögliche Nachfolger Schrammas wurden für die CDU Konrad Adenauer, Enkel des gleichnamigen früheren Kölner Oberbürgermeisters und Bundeskanzlers, sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach gehandelt. Der 64-jährige Notar Adenauer winkte inzwischen jedoch ab und erklärte, nicht zur Verfügung zu stehen.

Bosbach will nicht

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, will sich nicht um die Nachfolge des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma bewerben. Die Kandidatur wäre «zweifellos eine reizvolle Aufabe, aber ich habe der Kölner CDU gesagt, warum ich nicht antreten kann. Das geht einfach nicht, weil meine Verpflichtungen einander ausschließen würden», wird Bosbach in der «Kölnischen Rundschau» zitiert. «Ich kann nicht im Rheinisch-Bergischen Kreis für den Bundestag kandidieren und mich gleichzeitig um das Amt des Oberbürgermeisters von Köln bewerben.»

Wenn die Bundestagswahl erst in einem Jahr wäre, hätte er die Aufgabe gerne übernommen, sagte der CDU-Politiker. «Aber jetzt liegen ganze vier Wochen zwischen Kommunalwahl- und Bundestagswahltermin. Ich habe doch schon jede Menge Wahlkampfauftritte im ganzen Bundesgebiet vereinbart, ich habe meine Verpflichtungen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Das kann ich nicht mit einer Kandidatur in Köln vereinbaren», betonte er.

Am kommenden Dienstag (31. März) wird es im Aufsichtsrat der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), der Bauherrin der Kölner Nord-Süd-U-Bahn, um die Frage gehen, ob der für den Bau verantwortliche Technik-Vorstand Walter Reinarz (CDU) abgelöst wird. Technische Probleme beim U-Bahn-Bau gelten als wahrscheinlichste Ursache für den Archiveinsturz. (ddp/afp)

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