Nach Gondelabsturz steht TÜV auf dem Prüfstand

Das Fahrgeschäft „Commander“ blieb nach dem Unfall abgesperrt, jetzt liegt das Gutachten vor.  Foto: Raith
Das Fahrgeschäft „Commander“ blieb nach dem Unfall abgesperrt, jetzt liegt das Gutachten vor. Foto: Raith
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Lüdenscheid. Bei den Ermittlungen nach dem schweren Kirmesunfall auf dem großen Schützenfest am 29. Mai in Lüdenscheid ist der TÜV ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Er soll technische Mängel nicht mit der notwendigen Sorgfalt geprüft haben.

„Nach dem jetzigen Erkenntnisstand ist nicht auszuschließen, dass auf Seiten des TÜV möglicherweise nicht mit der gebotenen Sorgfalt untersucht wurde“, erklärte der Hagener Staatsanwalt Bernd Maas. Seine Behörde hinterfragt die Gründe für den Zwischenfall vor über einem halben Jahr.

Am Abend des 29. Mai 2010 herrschte Hochbetrieb auf dem Festplatz Hohe Steinert, wo der Bürger-Schützen-Verein (BSV) sein Schützenfest und sein 100-jähriges Bestehen feierte. Auch im Jubiläumsjahr hatte die größte Kirmes des Sauerlands bei passablem Wetter Tausende von Gästen angelockt.

Nur knapp ging Lüdenscheid an diesem Abend an einer Katastrophe vorbei, als sich gegen 21 Uhr an dem Fahrgeschäft „Commander“ beim Anfahren eine mit zwei Personen besetzte Gondel löste und gegen ein Absperrgitter rutschte. Bei dem Unfall erlitt ein 18-jähriger Lüdenscheider einen Schienbeinbruch, ein 24-Jähriger zog sich eine Platzwunde am Kopf zu. Weitere sieben Kirmesbesucher kamen mit glücklicherweise nur leichten Blessuren davon.

Schaden am Gelenk die Ursache

Wie es zu dem verhängnisvollen Abreißen der Gondel aus ihrer Halterung kommen konnte, ist jetzt geklärt: Das Gelenk, das die drehbare Gondel mit dem Stahlträger verbindet, war defekt. „Der Schaden am Gelenk war ursächlich für den Unfall“, sagte der Staatsanwalt unter Bezug auf ein technisches Gutachten. Und dann der noch wichtigere Satz: Er habe „Anhaltspunkte dafür, dass man diesen Mangel hätte erkennen können – und müssen“, wie Maas sagte.

Daraus leitet sich für den Ermittler der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung durch pflichtwidriges Unterlassen ab. Ein Verdacht, der sich naturgemäß gegen den Betreiber des Fahrgeschäftes richtet, einen Schaustellerbetrieb aus Bremen, der seit Jahren zur Stammbesetzung der Schützenfestkirmes auf der Hohen Steinert gehört. Aber auch gegen den TÜV ermittelt die Hagener Staatsanwaltschaft. Das im Winter generalüberholte Karussell „Commander“ sei im April der jährlichen TÜV-Prüfung unterzogen worden. Ohne Befund.

 
 

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